Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

zegenüber. Rechts vom Kaiser folgte zunächst die Prinzessin 
keinrich, Großadmiral v. Tirpitzz, Hofdame Fräulein von 
Plänkner, Admiral Schröder, links Reichskanzler von Bethmann 
sollweg, Oberhofmeisterin Freifrat von Seckendorff, General⸗ 
»berst von Plessen und Wirklicher CGeheimer Rat von Valentini. 
Rechts von der Kaiserin nahmen zunächst Platz Hofstaatsdame 
Fräfin Keller, Admiral von Soltzendorf, links Großadmiral 
»on- Köster, Ehrendame Gräsin von Bassewitz und Admiral 
ron Müller. 
Veförderungen. 
In Anlaß des Stapellauses des Linienschifses „Kaiser“ hat 
der Kaiser folgende Beförderungen verfügt: Zu Vizeadmi— 
alen die Konteradmirale Schack und Dick. Konteradmiral 
Schröder erhält den Charakter als Vizeadmiral. Zum Konter—⸗ 
idmiral wurde befördert Kapt. z. S. Schütz, zu Kapitäns z. S. 
die Fregattenkapitäne Varrentrapp, Tiesmeyer und Schröder, 
u Fregattenkapitänen die Korvettenkapitäne v. Restorff, Köth-— 
ier, Lans (Max) und Orih. 
— 
Inland und Ausland. 
Deutsches Reich. 
Die Reichstagskommission dür die eisaß-lothringische Ver⸗ 
faffungsreforin nahm die Anträge auf erweiterte Zulassung 
von Arbeitervertretern zur Ersten Kammer mit großer Mehr— 
eit an und lehnte in der Gesamtabstimmung den ganzen 
baragraphen 6, betreffend die Zusammensetzung der Ercten 
Kammer mit großer Mehrheit ab. 
Der Schiorenkonvent des Reichhstages beschäftigte sich mit 
em Arbeitsplan für die nächste Zeit. Es stehen bis 
um 5. April noch zehn Sitzungstage zur Verfügung, wenn 
ner 25. und. V. März freibleiben. Am 23. und 24. März 
oll der Etat des Reichskolonialamts und derjenige der Schutz⸗ 
gebiete erledigt werden. Es wird gewünscht, daß aus den 
Beratungen die Diamantenfrage ausgeschieden wird. Am 
28. März soll der Etat der Reichseisenbahnen, der Reichs— 
druckzre; und des Reichstages, am 29. März der Etat der 
zölle, des Reichsschatzamtes und des Pensionsfsonds beraten 
werden. Am 30., 31. März und am 1. April soll der Etat 
des Auswärtigen Amts erledigt werden, damit die zweite Lesung 
der Etats abgeschlossen werden kann. Am 3., 4. und 5. April 
olgen die dritten Lesungen der Etats. Mit dem 5. April 
bei einer Verzögerung der Verhandlungen erst mit dem 7. April, 
deht der Reichssstag in die Ferien, welche drei Wochen dauern. 
Am 27. April nimmt der Reichstag voraussichtlich die Sißun— 
gen wieder auf. Die Regierung wünscht dringend, daß zwischen 
Sstern und Pfingsten, bezw. Mai und Juni, noch erledigt 
werden: Die Reschsversicherungsordnung mit dem Einführungs⸗ 
nesetz, die Versassungsvorlage für Elsaß-Lothringen, der schwe— 
dische Handelsvertrag, die Fernsprechgebührenordnung und die 
Zchtifahrisabgabenvorlage. Alsdann soll eine Sommerpause 
»is zum 10. Oktober eintreten. Ab 10. Oktober erledigt der 
Reichstaz den Rest des vorliegenden Materials, vor allem 
ie Instiworlage und die Privatbeamtenvorlage. 
Das Gesamtergebnis aller bisher vollzogenen Ersatzwahlen 
um Reichstage, 44 an der Zakhl, stellt sich wie folgt: Es haben 
derloren die Konservativen 2 Mandate an den Freisinn, eins 
an die Nationalliberalen, die Antisemiten 2 an die Sozial— 
demokratie, 1 an die Nationalliberalen, die Nationalliberalen 
zWan die Sozialdemokratie, Jan das Zentrum, das Zentrum 
Nan die Nationalliberalen und die Freisinnigen 2 an die So— 
aldemokratie. Die Rechte hat also im ganzen 7 Mandate 
ngebüht und 1 gewonnen. Die Linke Mationalliberale und 
Freisinnige), Raben 8 Mandate eingebüßt, aber 5 gewonnen, 
vährend die Stnziasdemokratie o Sitze erobert hat. 
ÿ ααασααασαιu 
Neueste NRachrichten und Telegramme. 
Das Kaiserpaar in Kiel. 
Wt. Kiel, 22. März. Die Kaiserin besuchte heute 
tachmeittag den zugunsten der Kriegerwaisenlhäuser veranstalteten 
Basar, verweilte dort längere Zeit und machte mehrere Einkäufe. 
Der Kaiser machte heute abend gegen 6 Uhr dem 
Prinzen Adalbert einen Besuch. Zur Abendtafel bei dem 
Kaiser an Bord der „Teutschland“ ist Prinz Heinrich ge— 
aden. — Der Reichskanzler ist um 5 Uhr 52 Min. 
nachmittags abgereist. Die Malestäten gedenken morgen vor— 
mittag 8 Uhr 50 Min. nach Berlin abzureisen, wo die An— 
unft nachmittags um 3 Uhr 10 Min. auf dem Lehrter Bahn— 
of erfolgt. 
Morgen nachmittag um 6 Uhr 26 Min,— treten der Kaiser, 
»ie Kaiserin, Prinz Joachim und Prinzessin Viktoria Luise 
die Reise nach Wien-Schönbrunn svom Bahnhof Fried— 
richstraßt an. Im Gefolge werden sich befinden: Oberhof— 
narschall Graf Eulenburg, Generaladjutant General der Ka— 
»allerie von Scholl, die Flügeladijutanten Oberst von Che— 
ius und Fregattenkapitän von Bülow, Leibarzt Generalarzt 
Dr. d. Ilberg, Chef des Zivilkabineits Wirklicher Geheimer 
Rat von Valenzini, Chef des Militärkabinetts Generaladjutant 
Heneral der Insauterie Frhr. v. Lyncker, Chef des Marine— 
fuübineits Generaladiutant Admiral von Müller, Vertreter des 
Auswärtigen Amts Gesandter Irhr. von Jenisch; bei Ihrer 
Mlajestät: Hosdame Gräfin zu Rantzau, Kammerherr v. Win— 
erseldt; bei Prinz Joachim: mililärischer Begleiter Maijor 
bon NRöder; bei der Prinzessin Viktoria Luise: Hosdame Gräfin 
don Kanitz. Der Prinz wird von Schönbrunn nach Potsdam 
zurüdkehren. In Wien werden sich dem kaiserlichen Gesolge 
ür die Reise nach BVenedig und Korfu anschließen: Fürst zu 
Fürstenberg und Marinemaler Prof. Siöwer. 
Die Bagdadbahnfrage. 
We Berlin, 22. März. Die Norddeuische Allgemeine 
Zeitung bringt zu der Meldung, daß gestern in Konstantin— 
»pel verschledene Verträge zur Sicherstellung der Vollendung 
»es Bahnbaues bis Bagdad zwischen der türkischen Regierung 
ind der mit dem Bahnbau betrauten deutschen Bagdadbahn— 
Hesellschaft gezeichnet worden seien, einen Kommentar, in dem 
s zum Schluß heißt: Durch das Entgegenkommen der deutschen 
Bagdadbahn Gesellschaft ist der türkischen Regierung nunmehr 
erneut die Möglichkeit geboten, an das englische Kapital heran— 
zutreten und es zur Mitarbeit — allerdings nur im Höchst— 
beirage des deutschen Anteils — außzufordern. Sollten sich 
darauf abzielende Verhandlungen zerschlagen, wird der Bag— 
dadbahn-Gesellschaft nichts anderes übrig bleiben, als sich auch 
zein Bau der Endstrecke allein zu unterziehen. Das Resul— 
at der von der türkischen Regierung einzuleifenden Verhand— 
ungen kann in Ruhe abgewartet werden. Das sichere Ergebnis 
jer jetzigen Verhandlungen ist jedenfalls die feste Aussicht, 
daß in wenigen, Jahren das gewaltige Werk der Eisenbahn— 
berbindung von Konstantinopel nach Bagdad, dessen Durch— 
Abrbarleit so oft augezweifelt wurde und dem so viele na— 
ürliche und künstlich hervorgerufene Hindernisse sich in den 
Weg stellten, zut Tatsache geworden sein wirb. Mit stolzet 
Freude werden wir daun auf ein neues Denkmal deulscher 
Arbeit, deutschen Fleißes und außerdem deutschen Unterneht 
nungsgeistes blicken dürfen, das zugleich weiten Gebieten Klein— 
isiens und dem gesamten türkischen Reiche zum Segen und zu 
sedeihlicher Entwicklung gereichen wird. 
W. London,. 22. März. Auf eine Frage Dillons in 
»er Sitzung des Unterhauses, ob die Regierung im Unter— 
jause eine Erklärung abgeben wolle, worauf Groß— 
britannien seine Ansprüche auf ein Schutzrecht 
iüber Koweit gründe, erklärte Sir Edward Grey; 
Sroßbritannien habe dort seit geraumer Zeit wichtige Han— 
elsbeziek ungen. In den letzten Jahren hätten verschiedentlich 
Besprechungen mit dem Scheik von Koweit stattgefunden, auch 
ei im Jahre 1899 ein formelles Abkommen abgeschlossen wor— 
»en. Bezüglich des Scheiks habe die Regierung stets den 
Zztandpunkt vertreten, daß der Status quo aufrecht erhalten 
verden müsse; auch jetzt seien Unterhandlungen im Gange. 
rür den von Dillon gebrauchien Ausdruck „Schutzrechte“ lebene 
die Regierung die Verantwortlichkeit ab. 
Die Schiffahrtsabgaben. 
We Berlin, 22. März. Die Konimnission sür die Schiff— 
ahrtsabgaben beschloß mit großer Mehrheit, durch eine ent— 
prechende Einschaltung festzusetzen, daß über die Fahrwasser— 
ießse des Rheins zwischen Konstanz und Straßburg die be— 
eiligten Staaten einen Vertrag vereinbaren sollen. Ferner 
vird hinzugefügt, daß die Mittel des Rheinverbandes auch 
ur Kanalisierung der Lahn auf 1,80 Meter Fahrwassertiefe 
erwendet werden sollen und für Schiffe bis zu 48 Meter 
zdänge wenigstens insoweit, als die Schisfahrtsabgaben auf 
em Rhein infolge des neu hinzutretenden Lahnverkehrs 
dachsen. Ferner wurde ein Antrag des Zentrums und ein 
olcher der Sozialdemokraien auf Kanalisierung der Mosel von 
Metz bis zum Rhein bei einer Wassertiefe von 2,50 Meter 
mit großer Mehrheit angenommen. 
Die Kabinetibundung in Italien. 
W. Rom, 22. März. Es heißt, alle vom König befragten 
Politiker gaben den Rat, Giolitti mit der Bil— 
zung des Kabinetts zu betrauen. 
Wt. Rom, 22. März. Das Giornale dItalia schreibt, 
»as zurücktretende Kabinett werde bis nach den Jubiläums— 
eierlichkeiten, die am 27. März stattfinden sollen, im Anite 
zleiben. Sodann werde Giolitti mit der Neubildung des 
zabinetts beginnen. 
Der Biod in Frankreich wiederhergestellt. 
W. Varis, 22. März. Bei der Berkündigung des Ab— 
timmungsergebnisses am Schluß der gestrigen Deputierten— 
kammersitzung rief ein Mitglied der äußersten Linken: Der 
Block ist wieder hergestellt! In der Tat umsaßt die Mehr— 
zeit, die für das Ministerium stimmt, alle Parteien des 
emaligen Blocks, nämlich die Sozialistisch-Kadikalen, die Radi— 
alen, die unabhängigen Sozialisten, die meisten Mitglieder 
der demokratischen Linken, sowie zahlreiche geeinigte Sozialisten. 
Wit. Wien, 22. März. Nach dem vorläufigen Ergeb⸗ 
riis der Volkszählung betrug die Bevölkerung von 
esterreich am 31. Januar 1911 28567 898 Personen, das ist 
417190 o der 8,2 0 mehr als im Jahre 1900. Die größte 
Zunahme des letzten Jahrzehnts zeigt Triest. Istrien und 
Niederösterreich. 
WV. Budavpest, 22. März. Das oppositionelle Blatt Bu⸗ 
dapest“ veröffentlicht den angeblich richtigen Text des Ver— 
rages zwischen der ungarischen Regierung und den Pool 
vᷣesellschaften. Durch diesen Vertrag wird der Hamburg— 
Imerika Linie, der Holland-Amerika-Linie; dem Nord⸗ 
»eutschen Lloyd, der Red Star-Line und der Compagnie 
Transatlantique die Konzession zum Betrieb des 
Tuswanderungsgeschäftes erteilt. 
W. Madrid, 22. März. Die Blätter melden, daß Mi— 
isterpräsident Canaleias in Sachen der Marobkoange— 
egenheit mit mehreren Politikern einen Meinungsaustausch 
atte. Liberal behauptet, die spanische Regierung werde heute 
»em Pariser Kabinett eine Note über diesen Ge— 
zenstand überreichen. 
We Christiania, 22. März. In der heutigen Sitzung des 
Zztorthing ersuchte der Sozialdemokrat Nissen bei der Be— 
atung des Militärbudgets die Negierung, im nächsten Budget 
ie Ausgaben für das Heer herabzusetzen. Für dieses Jahr 
chlage er vor, Ersparnisse von einer Million zu machen. 
Ddarauf hielt Fräulein Rogstad ihre erste Rede im 
Storthing. Sie führte aus, daß sie eine Freundin des Frie— 
»ens sei und für die Schiedsgerichte eintrete. Sie hoffe, 
»aß ebenso, wie das Faustrecht dem Recht und Gesetz weichen 
nußte, auch das Kriegs- und Militärwesen einmal aus der 
Velt geschafft würden. Trotzdem werde sie nicht gegen das 
rdentliche Heeresbudget stimmen, das die Selbstverteidigung 
ur Grundlage habe. Sie vertrane auf die Verteidigungs— 
'ommission und die Regierung, daß sie nicht mehr als not— 
vendig vorgeschlagen haben, möchte jedoch betonen, daß sie 
esondere Vorschläge unterstütze, die darauf ausgehen, die nörd— 
ichen Landesteile zu beschützen, wo die Verteidigung noch 
u wünschen übrig lasse. 
Wt. Sofia, 22. März. Ministerpräsident Malino hat dem 
Zönig die Demission des Kabinetts überreicht. 
W. .Peling. 22. März. Durch einen Erlaß wurde der 
Präsident des Vorparlaments, Prinz Pulun, zum Handels— 
ninister, zu seinewm Nachfolger der Kanzler Shihhsue ernannt. 
W. Charbin, 22. März. Als eine Patrouille der Grenz⸗ 
vache unter Führung eines AUnteroffiziers in ein sechs Werst 
»yon hier entferntes chinesisches Dorf einritt, wurde sie von 
hinesischen Soldaten beschossen. Als sich die Pa— 
rouills wieder entfernte, sandten ihr die Chinesen zehn 
Schüsse nach, verwundeten aber niemand. 
W. Sacramento, 22. März. Der Senat des Staates 
Kalifornien nahm ein Gesetz an, nach welchem die 
Ausländer vom Grundbesitz ausgeschlossen 
verden. 
W. Santiago de Chile, 22. März. Die Regierung erließ 
ein Dekret, durch welches für den nächsten Juli Arbeiten 
zur Verbesserung der Häfen von Valparaiso 
und San Antonio im Submissionswege ausgeboten werden. 
Die Kosten werden auf drei Millionen Pfund Sterling ver— 
inschlagt. 
— — — — 
W. Berliut. 22. März. Das Internationale Bureau der 
Telegraphenverwaltungen in Bern meldet: Die russische Küsten— 
tation Petropawlowsk ist durch eine Feuersbrunst zer— 
tört worden. 
Wt. Johannisshal, 22. März. Das Luftschiff „Ps“, 
das um 2 Utr 40 Min. in Bitterseld unter Führung des 
Hauptmanns Dillner aufgestiegen ist, landete um 6 Uhr 25 
Veinuten glaktt auf dem Flugplatz und wurde in die Ballon 
alle gebracht, 
Wit. Bremen, 22. März. Zu den Unfall des Abpia 
tikers Mäller ist berichtigend mitzuteilen, daß der Ver— 
unglückte nur einen schweren Oberschenkelbruch erlitten hat 
und sein Besinden den Umständen entsprechend gut ist. Die 
Höthe, aus der er abstürzie, betrug etwa 30 Meeter. 
W. Brem'emn, 22. Mai. Der deutsche Dampfer „Gö— 
ben“, nach Ostasien bestimmt, berührte gestern an der 
Rivieraküste vor San Remo einen unsichtbaren 
Felsen, kam jedoch mit eigener Maschinenkraft wie— 
der frei und setzte die Reise nach Genua fort, wo eine Unter— 
suchung durch Taucher verschiedene Beschädigungungen an 
der Außenhaut ergab. Das Schiff muß docken. Die La— 
»ung wird teilweise provisorisch gelöscht. Wann die Weiter— 
zeförderung erfolgen kann, hängt von dem Endergibnis der 
Antersuchung im Dock ab. Die Weiterbeförderung der Passa— 
gziere, die wohlauf sind, erfolgt so schnell wie möaglich durch 
andere Dampfer. 
Wit. Berlin, 22. März. Der Reichspostdampfer „Goe« 
ben“, planmäßig am 24. März ab Neapel nach Ostasien, 
liegt beschädigt in San Remo. Der Tag der Weiterfahrt ist 
ungewiß. Die deuische Briefpost, die zu dem Dampfer be— 
stimmt ist, wird, soweit es angeht, über Brindisi mit einem 
englischen Dampfer ab 26. März abgesandt. 
Deutscher Reichstag 
W. Berliu, 22. März. 
Dritte Lesung der Hinausschiebung der Inkraftsetzung des 
Hinterbliebenenversicherugng. 
Abg. Dove (Vpt.): Aus den gestrigen Erklärungen des 
Staatssekretärs könnte man entnehmen, als ob wir daran inter⸗ 
essiert seien, die schwierige Geschäftslage noch weiter zu erschweren 
und auf ein negatives Resultat hinzuarbeiten. DTagegen muß 
ich Verwahrung einlegen.. 
Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich habe keine Veranlassung, 
über mangelnde Mitarbeit der Partei zu klagen. Der Vorwurf 
gegenüber den Verbündeten Regierungen wegen geringer Füh— 
lungnahme ist unbegründet., 
Abg. Mugvdan (Vpt.): Gexwiß, ich habe wiederholt mil 
Vertretern der Regierung uwerbindlich gesprochen. Eine Füh 
lungnahme kann man dies aber nicht nennen. 
Ohne weitere Debatte wird das Gesetz unverändert ange— 
nommen. 5* 
Die Beratung des Rests des Etats des Innern wird bei der 
Kalidebatte fortgesetzt. 
Abg. Bärwintkel (natl.): Wir sind der Meinung, daß der 
Zeitpunkt sfür die Abänderung des Kaligesetzes noch 
nicht gekommen ist. Wir müssen die bevorstehende 
steueinschätzung der Kaliwerke abwarten. Das Hauptziel des 
Hesetzes, die Verschleuderung in das Ausland zu verhindern, wird 
durch die Kontingentierung im wesentlichen erreicht. Zum Pro— 
ragandafonds muß jeder Kaliwerkbesttzer beittagen. Eine Ver— 
wendung zu anderweiten Zwecken ist ausgeschlossen. Möglichste 
Spezialisierung der Verwendungsarten des Propagandafonds ist 
uns selbstverständlich angenehm, eine solche ist schon im Interesse 
der Sparsamkeit erwünscht. Der größte Teil der Gelder, die die 
Organisationen, wie der Bund der Landwirte erhalten haben, 
sind Rabattgelder auf die bezogenen Kalimengen. Die sozial— 
demckratische Resolution lehnen wir ab. Geifall.) 
Abg. Roesicke (kons.!: Eine Spezialisierung des Propa— 
gandafonds halten wir durchaus für angebracht. Wir sind auch 
der Ansicht, daß bei den Propagandagekdern die Politik aus 
dem Spiele bleiben muß. Der Antrag der Freifinnigen, den 
höchsten Rabattsatz bei dem Bezuge von 20000 Doppelzentner 
reinen Kalis anzusetzen, ist für uns unannehmbar. 
Abg. Gothein (Vpt.): Die Zeit ist noch zu kurz, um über 
die Wirlkung des Kaligesetzes schon jetzt ein Urteil abzugeben. 
Selbstoerständlich ist eine gewisse Hebung des Absatzes durch 
die Verbilligung der Kalisalze eingetreten. 
Nach weiterer Debatte wird ein Antrag auf Schluß an— 
genommen. Die Beschlüsse der Kommission werden aufrecht⸗ 
erhalten und die Nesolution Dr. Heims sowie die der Frei— 
sinnigen in bezug auf Festsetzung der Bezugsmenge von 20 000 
Doppelzentner Reinkali für den höchsten Rabattsatz werden 
angenommen. Ueber zwei Resolutionen wird morgen namentlich 
ibgestimmt werden. Bis auf diese Teile ist damit der Etat 
des Reichsamts des Innern in zweiter Lesung erledigt. 
Der Präsident gibt Mitteilung von zwei Telegrammen, 
die aus Anlaß des 40jährigen Reichstagsiubiläums eingelaufen 
sind, und zwar vom Nationalverband des österreichischen Ab⸗— 
geordneienhauses und von dem gegenwärtig in Berlin tagen— 
den Schiffahrtstag. Beide Telegramme sind dankend beant— 
wortet worden. (Lebhafter allseitiger Beifall. Hierzu möchte 
cch bemerken, daß eigentliche Reichssstagsjubiläen bisher nicht 
zefeiert worden sind. Das war beim dreißigsten Jahres— 
age so und ich wollte die Tradition nicht durchbrechen. Des— 
zalb habe ich mich auf die kurze, wie Herr Dove sagte, 
‚kalkulatorische“ Erwähnung beschräukt. Im Anschluß an die 
zeiden Telegramme möchte ich mir gestatten, folgendes zu 
emerken: Meine Herren! Iweifellos ist die gesetzgeberische 
Arbeit, welche der deutsche Reichsstag in diesen vierzig Jahren 
eines Bestehens gemacht hat, eine große und die Entwicklung, 
velche das Deutsche Reich auf Grund dieser Gesetzgebung er— 
ahren hat, ist, wie ich zu Kaisers Geburtstag dargelegt habe, 
ine gewaltige. Aber, meine Herren, nicht minder groß sind 
uch die gesetzgeberischen Aufgaben, die heute dem Reichs-⸗ 
age obliegen und auf deren baldige Lösung das deutsche 
VBaterland hofft. Möge es der Arbeitsfreudigkeit und der 
Arbeitstreue des Reichstages vergönnt sein, auch in dieser 
Hinsicht, in bezug auf die jetzt uns zur Lösung vorliegenden 
Aufgaben, die Hoffnungen unseres Vaterlandes zu ersüllen 
und so die Arbeiten des Reichstages auch jetzt nicht minder 
fruchtbringend zu gestalten wie vor 40 Jahren. Gravo!) 
In dieser Hoffnung schließe ich die Sitzung. (Lebhafter Bei— 
fall auf allen Seiten des Hauses, Die Mitglieder hatten 
sich von den Plätzen erhoben. 
Nächste Sitzung morgen, Donnerstag, 1 Uhr. Kolonialetat 
Heer und Flolte. 
W. Berlin, 22. ärz. Las irntür ochenblatt meldet: 
v. Heeringen, General der Infanterie und Kriegsminister, wurde 
à la suite des Füusilierregiments v. Gersdorff Nr. 90 geitellt. 
Zu Generalmaioren wurden befördert die Obersten v. dem 
Borne, Kommandantk des Infaunterietegiments Rr. 163, unter 
Ernennung zum Kommandeur der 5. Infanteriebrigade, v. Luch 
wald, Kommandeur des Füsilierregiments Nr. 96, unter Er— 
nennung zum Kommandeur der 29. Infanteriebrigade. 
Freiherr von Gillern, Oberst und Kommandant der 17. Feid—⸗ 
artilleriebrigade, wurde zum Generalmaior befördert. 
Zum Generalmaior wurde befördert Oberit v. Hendebred. 
Konmandeur der 18. Kavalleriebrigade. 
—Konteradmiral Lans ist zun Veieblehaber des Ver— 
bandes der Schul- und Versucngichitije ernannt worden
	        
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