Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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P 160 9 9 94* 9 8 —* 2 69 —— J 469 P — 414 
A A p —I —36 — —8114 —3388 
—3333468 * J —P *5 — 13368 —8 —538 — —56—33383 
4A — 2 —— 
fAusgabe 4. 
— — 
Aus den Nachbargebieten. 
Hanfestad te. 
Bamburg, 22. März. Der Raubmord auf dem 
Dampfer „Cordoba“ im französischen Hafen Dünkirchen 
vird, entgegen früheren Mitteilungen, jetzt die Hamburger 
Behörde und Gerichte beschäftigen, da die Bluttat auf einem 
ßamburger Dampfer verübt worden ist. Wie berichtet, wurde 
in der Nacht zum 27. Februar auf dem obigen Dampfer der 
Ingenieur Wilhelm Friedrich Erdmann Schütt qus Grabow in 
Ptedlenburg von einem Mitpassagier, der sich Journalist Rein⸗ 
hold Juetz bezeichnete und aus Oesterreich stammen wollte, 
ermordet und beraubt. Der Täter wurde von der franzö⸗— 
ischen Polizei verfolgt und am 1. März in Valenciennes ver⸗ 
haftet. Nach mehrfachen Vernehmungen erkannte man in ihm 
ben 31jährigen Kommis Otto Jentsch aus Hamburg. Der 
Ermordete wohnte früher gleichfalls längere Zeit in der 
Brüderstraße in Hamburg. Die Akten über die Untersuchung 
sind jetzt von der französischen Behörde an die hiesige Staats⸗ 
anwaltschaft übersandt worden, auch wird J. demnächst von 
Dünkirchen nach Hamburg überführt werden. 
Bremen, 22. März. Die Straßenbahner befinden 
fich seit längerer Zeit in einer Bewegung, die neuerdings 
einen sehr ernsten Charakter angenommen hat. Nach dem 
Strahenbahnerstreik im Oktober 1910 hatte die Direktion einen 
ieuen Anstellungsvertrag ausgearbeitet, wonach künftig die An⸗ 
gestellten eine Kaution von 100 Mustellen und eine 14tägige 
Kündigungsfrist innehalten sollten. Die Direktion machte kein 
Hehl daraus, daß sie durch diese Bedingungen sich vor einem 
ieuen Streik schützen wollte. Die Bedingungen sollten aber 
auf die alten Angestellten keine Anwendung finden, so daß diese 
an lich keinen Grund zu Beschwerden hatten. Sie fürchteten 
edoch, daß die Direktion nach und nach diejenigen Angestellten 
entfernen wollte, die an dem Streik hervorragenden Anteil 
zehabt hatten, und versuchten mit allen Mitteln, die Direktion 
u bewegen, diese Bedingungen gqus dem Vertrag zu ent⸗ 
iernen. Als die Direktion sich weigerte, wandten sich die 
Angestellten, die zum größten Teil im sozialdemokratischen 
Transportarbeiterverband organisiert sind, an die Aufsichts— 
behörde, aber ebenfalls ohne Erfolg. Senator Stadtländer 
orklärte den Straßenbahnern, daß sie selbst an allen Kala— 
mitäten schuld seien. Sie müßten sich eben mit dem Ver— 
trag abfinden. In einer öffentlichen Versammlung, die vom 
Transportarbeiterverband einbernfen war, sprachen sich alle 
Redner sehr erregt über das Vorgehen der Direktion aus. 
Der Vorstand des Transportarbeiterverbandes wurde nochmals 
—X0 
auch dieser Versuch erfolglos bleibe, wolle man, koste es, 
was es wolle, eine Abänderung des Vertrages erzwingen. — 
Ein weiteres Nachspiel zu den Straßzen⸗ 
krawallen, die anläßlich des Straßenbahnerausstandes statt⸗ 
fanden, findet am 29. und 30. März vor dem Bremer Schwur— 
zericht statt. Eine große Zahl von Versonen hat sich unter 
der Anklage des Aufruhrs und Hausfriedensbruches zu 
derantworten 
——ã—AI 
Schles wig; Holstein. 
Altona, 22. März. Hafenbauprojekt bei 
Teufelsbeücke. In der Denkschrift des Lehrers Bielfeldt 
wird erwähnt, daß mit Hilfe der Staatsbeihilfe die Stadt 
Altona sich bei Teufelsbrücke einen großen Hafen erbauen solle 
Von diesem Hafen aus solle ein Kanal nach Eidelstedt und 
Bahbrenfeld führen, der der dortigen Industrie billige und 
bequeme Transportgelegenheit schaffen solle. Diese Forderung, 
die die Vernichtung des Klein-Flottbeker Parks bedeutet und 
deren Erfüllung die Elbchaussee in eine Straße für Last⸗ 
suhrwerle umwandeln würde, hat natürlich in der gesamten 
Elbgegend viel Beunruhigung hervorgerufen. Von sachkundiger 
Seite, die den Altonger Hafenverkehr kennt und der auch die 
Vedürfnisse der Industrie in Eidelstedt und Bahrenfeld nicht 
sfremd sind, will man, so schreiben die Nordd. Nachr, an die 
naßgebenden Stellen der Staatsregierung herantreten und diel⸗ 
Fanny Lewald. 
JZu ihrem 100. Geburtsatag, 24. Marz. 
Selten hat sich an einer Frau das Goethesche Wort: 
„Höchstes Glück der Erdenkinder ist doch die Persönlichkeit“ so 
zlänzend bewahrheitet wie an Fanny Lewald, deren hundertster 
Geburtstag die Erinnerung an diese männlich klare und weib⸗ 
ich tatkräftige Frau wachruft. Ihe ist es gelungen, einen 
Ausgleich zu finden zwischen der geistigen Emanzipation des 
Weibes und ihrer freiwilligen Unterordnung in Ehe und 
ßeim. Die Anfänge in der Entwicklung der olsltpreußischen 
Kaufmannstochter, in der sich das lalte, nüchterne Blut der 
Osipreußin mit dem beweglich geistteichen Temperament der 
Jüdin paarte, fielen in jene erste Gärungszeit der weib⸗ 
ichen Emanzipationsgedanken, da kühne Amazonen des Geistes 
sich von den Konventionen der Ehe und Moral zu bekfreien 
treblen. Auch Fanny Lewald ward zunächst in George Sands 
Ideenkreis hineingezogen. Nachdem sie ihr schriftstellerisches 
Talem entdedt hatte, schrieb sie mehrere Romane, die sich 
nit der Ehe und dem Ehebruch be'schäftigten. 
Aber bald befreite sie sich von diesen Ueberschwenglichleiten 
und traf in ihrer Satire „Diogena“ die Hauptvertreterin dieser 
neiblichen Bekenntnisliteratur, die Gräfin Ida Hahn-⸗Hahn, an 
ihrer empfindlichsten Stelle. Freilich war diese boshafte, Stil 
und Art der aristokratischen Dichterin persiflierende Schrift 
aicht aus rein objeltiven Gründen entstanden. Die Gräfin, 
deren literarischen Ruhm sie zerpflückte, hatte sie selbst aufs 
fiefste verwundet, indem sie ihr den Jugendgeliebten, den 
demokratischen Politiker Heinrich Simon, abspenstig machte. Aber 
Fanny wußte durch ihre gesunde Individualität diese Herzens⸗ 
wunde zu heilen und errang sich schließlich auch den Mann, 
dessen sie zur Entwicklung ihrer besten Kräfte bedurfte. Der 
twas weichlich sentimentale Adolf Stahr, der doch ein feines 
Urteil und ein sicheres Gefühl für Kunst hatte, war die rechte 
fkrgänzung zu der fast männlich gefestigten Entschlossenheit 
ihrer Natur bei echt weiblichem Schwanken ihrer Sympathien. 
Durch die Klarheit ihres Blicks, die gütige Anteilnahme 
für ein Projett zu interessieren suchen. das die Schaffung eines 
Kanals von Wedel⸗Schulau nach Eidelstedt bis an Bahrenfeld 
heran bezwedt. Der Hafen von Wedel⸗Schulau ist in der 
lachen Ebene gelegen, er kann mit Leichtigkeit jede beliebige 
ßröße erhalten. Das Gelände an der Wedeler Au entlang, 
deren Lauf teilweise zum Kanal benutzt werden kann, ift 
illig. gröhßere technische Schwierigkeiten sind nicht zu Über⸗ 
vinden, wenigstens keineswegs derartige, wie bei dem Kanalt 
zon Teufelsbrücke nach Eidelstedt, so daß die Kosten für einen 
erartigen Kanal nicht übermäßig hoch werden dürften. 
Altona, 22. März. Die neue Schreibweise der 
Ztationsnamen im Bezirk von Aktona. Die ein⸗ 
zeitliche Schreibung der Stationsnamen ist auch jetzt im Bezirk 
»er Eisenbahndirektion Altona durchgeführt worden. Es heikßt 
etzt dort u. a.: Altona Sb., Altona Holstenstr, Berger Damm,. 
Zlumenthal (Prign.) Brügge (Prign.) Cuxhaven, Cuxhaven 
zafen, Grabow (Meckl.) Groß⸗Flottbek⸗Othmarschen, Haders⸗ 
eben (Schlesw.) Hagenow Land, Samburg Sbs., Harburg Sbf. 
zeide (Holst.), Horst (Holst.), Klein⸗Berkenthin, Klein⸗xlottbel. 
rauenburg (Elbe), Maasbüll (Angeln), Mölln (Lauenbg.), Neu⸗ 
aus (Oste), Neukloster (Han.), Neustadt (Dosse), Neusiadt 
Holst.), Norder Wollum, Schleswig Altstadt, Schleswig Fried⸗ 
ichoberg, Wester Satrup, Wusterhausen (Dosse). Auch die 
dreis Oldenburger Eisenbahn hat die neue Schreibweise durch⸗ 
eführt und schreibt jetzt z. B. Groß Schlamin, Heringsdorf 
Holst.) Oldenburg (Holst.) Oldenburg (Holst.) Stadt. Ebenso 
chreibt jetzt die Kreis Oldenburger Kleinbahn Burg (Feh⸗ 
narn), Orth (Fehmarn), Wulsen (Fehmarn). 
Kiel, 222 März. Anläßlich des Kornblumen⸗ 
ages zugunsten der Kriegerwaisenhäuser unter dem Protel- 
orate des Prinzen · Adakbert sindet heute in den Räumen 
er „Hoffnung“ ein glänzender Bazar itatt, an dem alle Schichten 
„er Gesellschaft mitwirkend sich Peteiligen. Morgens 6 Uhr 
eginmnt der Verkauf der Kornblumen. Die Stadt ist zu diesem 
zwed in vier Bezirke eingeteilt, deren jeder einer Dame unter⸗ 
rellt wird. Jeder Zentralstelle steht ein Automobil zur Ver⸗ 
ügung. In der Nacht zum Mittwoch brach im Gesellschafts⸗ 
ause „Hoffnung“ zweimal Feuer aus. — Gin Unglücds- 
all mittöblichem Ausgang ereignete sich an der elek⸗ 
rischen Trahtseilbahn beim Holtenauer Schleusenbau. Aus bis⸗ 
er noch nicht aufgeklärten Ursachen war der Arbeiter Kuhrt 
„om Papenkamp in einen Schüttrichter für Erdmassen gefallen. 
dies war nicht bemerkt worden; erst als der Boden nicht ab—⸗ 
ließen wollte, kam bei einer Untersuchung der tote Körper des 
Lerunglückten zum Vorschein. 
Sroszherzogtum Oenburg. Fürstentum Lubed. 
Oldenburg, 22. März Selbstwordversuch etnes 
Verurteilten. Der Gastwirt Schwarz aus Bant, der 
vegen Beleidigung einer Lehrerin zu drei Monaten Gefängnis 
lerurteilt worden war, brachte sich nach der Urteilsverlündung 
wei Schüsse bei. Er mußte in das Krankenhaus übergeführt 
verden. 
Lauenbueg. 
d. Sandesneben, 22. März. Derlandwirtschaft⸗ 
iche Verein veranstaltete in Jens' Gastwirtschaft ein Fest-⸗ 
ssen mit Ball. An ersterem beteiligten sich zirka 100 Personen, 
i. a. Landrat Dr. Mathis, Ratzeburg. Nach dem Essen erfolgte 
zie Prämiierung der Treudienenden. Es erhielten für 25 
zahre und länger auf derselben Stelle geleistete Dienste je 
inen Lehnstuhl nebst Diplom die Arbeiter J. Schröder, Wentorf 
zei Siemer, Eggers, Bergrade bei Heins, Friedr. Wilh. Hinz, 
Steinhorst bei Jansen, H. Brüggmann, Labenz bei Moldenhauer, 
zeinrich Heitmann, Duvensee bei Grell, Magdalene Eggers, Berg⸗ 
ade bei Heins, Maria Heitmann, Duvensee bei Grell, J. 
Hamamn, Siebenbäumen, iF. Hack, Sirksfelde, F. Meyer, Sirks⸗ 
elde, J. Groth, Wentorf, H. Brocker, Wentorf, H. Siemer, Wen⸗ 
rorf, J. Rall, Groß-Klinkrade, H. Burmeister, Wentorf, F. 
Bein, Steinhorit, F. Husteds, Schönberg, H. Krecker, Wentorf, 
5. Husteds, Schönberg, J. Sänder, Sirksfelde, H. Ehlers, Schön⸗ 
rerg, J. Heitmamm, Koberg, sämtlich beim Kreisausschuß be— 
ain allen Dingen wurde Fanny Lewald das Muster einer reich 
entfalteten weiblichen Persönlichkeit, die alle häuslichen Eigen⸗ 
shaften besaß und doch auch im Kampf der Weltanschauungen, 
n den Fragen der Politik und der sozialen Verhältnisse 
eine bedeutende Stellung behauptete. Sie hat gewirkt für 
die Ideen einer besseren Mädchenerziehung, einer Fürsorge für 
Frauen und einer rechten Entfaltung des weiblichen Charakters, 
rie auch heute noch wirlsam sind. Den Frauen hat sie einen 
Inteil erringen wollen an allen Schönen und Großen, was der 
Staat, was Kunst und Oeffentlichkeit dem Menschen bieten. 
Iber nie hat sie die Nachahmung männlichen Strebens und 
nännlicher Eigenschaften empfohlen, sondern mit feinem psycho⸗ 
ogischen Verstehen eine der weiblichen Wesensart gemüße Ent⸗ 
raclung und Bildung gefördert. So war sie eine echte Vor⸗ 
ämpferin der Frauenemanzipation, die mehr noch durch ihr 
deben, als durch ihre Schriften wairkte. Wir stellen heute diese 
esormatorische Tätigkeit in ihrem Lebenswerk voran; den 
Zeitgenossen war sie vor allen die interessante und ge⸗ 
chmackvolle Schriftstellerin, deren Romane so gern gelesen wur⸗ 
jen, deren Reisebeschreibungen so klare Bilder' des von ihr 
Beschauten vermittelten. . 
Auch in ihren Nomanen eiwies sich Fanny Lewald als 
luge, scharf sehende Frau, die aus demokratischer Anschauung 
jeraus mit sittlichem Ernst gut beobachtete Lebensausschnitte 
ab; aber ihr Temperament war undichterisch, moralisierend, 
fehlte die künstlerische Phantasie. So ist denn das Beste, 
vas sie geschaffen hat, ihre Autobiographie „Meine Lebens— 
zeschichte—, die etwas von dem abgeklärt reinen Stil ihres 
Borbildes Goethe hat und ein prächtiges Kulturbild des 
49. Jahrhunderts hietet K.C. 
Frühling im Cheater Berlins. 
Es wird Frühling in Berlin. Der Kurfürstendamm verddet. 
Man eilt, die rüchtändigen Soupers zu geben. Man bekommt 
ebr viele Absagen, da , man“ vorgibt, verreist zu sein. Ab⸗ 
agen mit dem Stempel von Nina — alücklicher Unternehmer 
er mit Markenauflleben ein Vermoͤgen verdient... 
p — 
dienftet. Folgende Dienstmädchen, die 6 Jahre und länget 
ruf einer Stelle gedient haben, wurden mit einer silberner 
halskette mit Kreuz nebst Diprom ausgezeichnet: B. Eggers, 
Bergrade bei Hufner Heins und M. Voss, Steinhorst bei Förster 
Siemsen. Die letztere ist Jeider kurze Zeit vor der Prämiierung 
gestorben. 
seh. Kl.Berkenthin, 22. März. Landwirt⸗ 
schaftlicher Koöonsumverein. In der Generalversamm- 
lung am Sonnabend wurden die Aktiva und Passiva mit 1323,94 
Mark genehmigt und dem Vorstande Entlastung erteilt. Ter 
Reingewinn beziffert sich auf 424,47 M. 368, 48 MiDividenden 
wurden an die Genossen verteilt, 55,99 Muvorgetragen auf 
eue Rechnung, 29613 Mfur minderwertige Waren ent⸗ 
chãädigt. Von der Hauptgenossenjschaft in Kiel wurden 3959,06 
zentner Duünger mit 8365,64 M, 510,50 Z3tr. Futtermittel mit 
001,70 Mund 43,08 Itr. Samen mit 2489,46 Muangekauft. 
Der Gesamtumsatz beträgt 67375,15 M. Die Zahl der Ge— 
wissen ist 60. Der Bau eines Warenschuppens wurde abge⸗ 
ehnt. Der Vorstand wurde wiedergewählt. — Auch die 
n Lankaun verhäugte Stallsperre ist nun aufge— 
oben; somit wäre der Kreis wieder seuchenfrei. 
Großherzogtümer Medlenburg. 
Malchin, 22. März. Landtag. Es kamen zwei 
PBrotokolle der Stände stargardschen Kreises zur Vorlage und 
Beratung: 1. betr. die Erbauung eines Landarmen⸗ und 
Arbeitshauses in dem alten Irrenhause in Strelitz. Die von 
der Zentralsteuerkasse 3. übernehmenden Kosten des Umbaues 
und der ersten Einrichrung sind auf 11550 Muberechnet, von 
der Zentralsteuerkasse werden für den Betrieb jährlich 5000 M 
jefordert. Das Protokoll sprach sich auf Grund eines ein— 
gehenden Berichtes für die Annahme der Regierungsvorschläge 
rus, obwohl der Anschluß an die Güstrower Anstalt nach 
ünsicht der Stände vorzuziehen sei. Der Vorschlag des 
zrotokolls wurde genehmigt. 2. betr. die Errichtung einer 
Zchifferschule in Fürstenberg. Man genehmigte den Vorschlag 
es Protokolls, wonach statt der geforderten 700 Mep. a 
rur 500 Maus der Zentralsteuerkasse bewilligt wurden. — 
leber die Gefuche von Erbpächtern der Klöster Dobbertin und 
Malchow um Erweiterung der Grenze für die Verschuldbarkei 
hrer Hufen hatte die Justizlommitte in der Sitzung vom 
17. März berichtet. Die Kommitte war einstimmig zu dem 
Vorschlage gekommen, die Grenze für die Verschuldbarleit bis 
ur Hälfte des Wertes hinauszuschieben. Der erste Teil der 
dommitte will dies aber nur für Meliorationszwecle zuge— 
tehen, wãährend der zweite Teil der Kommitte anrät, dem 
Antrage ohne diese Beschränkung stattzugeben. Das Plenum 
des Landtages hatte damals seine Beschlußfassung ausgesektzt. 
Jetzt wurde das Votum des zweiten Teils der Kommitte, allo 
»yhne die beregte Beschränkung für Meliorationszwece, ange⸗ 
iommen. Der Landtag bewilligte ferner ohne Debatte an 
uußerordentlicher Kontribution für Mecklenburg⸗-Schwerin 
3 Zehntel Edikt. Die Schweriner Regierung hatte die Er— 
zebung von 16 Jehntel Edikt in Vorschlag gebracht zur Deckung 
er Bedürfnisse der Landessteuerkasse. Außerdem sollte noch 
ine Anleihe in der Höhe von einem Zehntel aufgenommen 
verden. Nach Ablehnung des Renterei⸗Aversums durch die 
dandschaft und infolge anderer vorgenommener Streichungen 
varen für die Bedürfnisse der Landessteuerkasse nur 11 Zehntel 
kdikt erforderlich. Es sollen aber nach dem Beschlusse des 
randtages für das Rechnungsjahr vom 1. Juli 1911 bis 30. Juni 
912 13 Zehntel Edikt erhoben werden, weil man erwartet, 
»aß im nächsten Jahre wieder eine höhere Steuer erhoben 
verden muß. Der Ueberschuß von 700 000 Misoll zur Tilgung 
on Schulden verwandt werden. — Eingegangen ist ein Reslript 
der Schweriner Regierung auf die Beschlüsse des Landtages, 
zetreffend Aufbesserung des Diensteinkommens der Geistlichen 
»er Landeskirche. Die Regierung bedauert die ablehnende 
Stellung der Landschaft, weil die Notlage der Geistlichen 
ine so große sei, daß Abhilfe geschaffen werden müsse. Eine 
Antwort ohne Gründe könne sie nicht entgegennehmen. Die 
Regierung verlangt die Wiederaufnahme der Verhandlungen. 
— — 
Hundekehle erblüht. Tas „man“ dieser Besucher darf sich 
im Frühling auf märkischem Boden zeigen. Ein Sonntagnach- 
nittag bei Weißbier und Stullen im Grunewald oder in 
dalensee (wo der Lunapark die Glieder reckt und den Winter⸗ 
schlaf sich aus den Augen wischt) und Grünau ein Tanzkränzchen 
im Wirtshausgarten — wie altnodisch doch der Wind macht, 
der lau und schmeichlerisch durch die Gassen streicht, wie ein 
loser Bube..... 
Und auch im Theater lenzelt es. Ausgenommen freilich 
M. Reinhardt. Um so legerer geht's auf den anderen Bühnen 
zu. Da holt man entweder Raritäten aus der Rumpelkammer 
er Literarhistorie oder läßt Poeten zu Worte kommen, die in 
»er hauto saison schweigen müssen. Zweite Garnitur. Tas 
Bubsikum ist auch weit entfernt, dagegen zu murren. Sonst 
rürde niemand begreifen können, warum Hans Oldens Schau⸗ 
piel „Wiederkehr“ mit solcher Achtung aufgenommen wurde. 
Neues Schauspielhaus.) DTaß ARinnen ein Gespenst vorkommt. 
nag noch hingehen, auch wäre der sange Schlußakt auf dem 
Bolizeipräsidium zu verzeihen — daß aber besagtes Gespenst 
auf besagtem Polizeipräsidium arktenlang verhandelt wird, das 
jeiht die Saiten des Geschmacks ein wenig zu stark anziehen. 
die Handlung“ hat vier Schlager: Ein verliebter Natr wünscht 
nit großer Ausführlichkeit dem Vräutigam der Geliebten den 
dod; prompte Erledigung: der Dampfer des Zurückehrenden 
„eht unter. (1. Akt.) Der Narr wird vor Seligkeit und Ge— 
vissensbissen ganz toll und sieht (wie das Parkett) den Toten 
ils Gespenst. (2. Akt.) Er erwürgt es im Walde (ymbolisch 
atürlich). (3. Akt.) Er geht zur Polizei und gibt seinen 
Mord“ an; die schickt ihn ins Irrenhaus. (Schlußakt.) 
Das ist in drei Sekunden gesagt. Olden braucht dré 
Srunden und bemüht das Raffinement einer effeltreichen Regie, 
xie Philosophie von Sokrates bis Otto Ernst — nur um einem 
dislörchen aus der Gerichtszeitung auf die wackeligen Beine 
u helsen. Na ja, Lenzsaison. Hängen wir den kritischen 
darahbiner an die Wand und holen die Spatzenflinte B.G. 
ιααααÄXαα äααααααααOιααα
	        
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