Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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ausgabe 4. Montag, den 20. März 191. 
Aus den Nachbargebieten. 
Hansest adte. 
Hamburg, 20. März. Der bedauerlichs Un ⸗ 
lücsfall beim XVI. Deutschen —A 
in Hamburg 1809, wobei der Schütze Schmidt aus 
Gebesee durch Entladung des Gewehrs des Schützen 
Dankwerth getötet wurde, hat bekanntlich einen Prozeß 
veranlaßt, den die Witwe Schmidt und deren unmündige 
Kinder vor den Hamburger Gerichten erhoben haben. Es 
wurden verklagt: 1. der Färberetbesitzer Dankwerth (Hildes⸗ 
heim), 2. der Deutsche Schützenbund (Nurnberg), 3. die 
Hamburgische Schützengesellschaft (Hamburg), 4. der Saupt⸗ 
ausschuß zur Abhaltung des 16. Deutschen Bundesschießens 
Hamburg 1809, E. V. Es ist nun nach längeren Verhand— 
lungen ein Vergleich geschlossen worden, durch den alle 
Ansprüche der Kläger, resultierend aus dem Tode des 
Schmidt gegen die Beklagten zu 1 bis 4 sowie alle 
dies bezüglichen Ansprüche der Beklagten zu 1 bis 4 unter⸗ 
einander erledigt werden. Die Kläger erhalten 27900 M 
ausgezahlt. 
Einen Geldschrankgestohlen haben vier Burschen, 
die in der letzten Nacht in das Kontor einer Fabrit am 
Ellerholzdamm eingedrungen waren. Die Täter, die bei 
ihrem Rückzug mit dem Diebesgut von einem Bootsmann 
gesehen sind, schafften den Geldschrank mit Hilfe des Fabrik⸗ 
krans in eine mitgeführte Jolle und fuhren dann in der 
Richtung nach Wilhelmsburg davon. Sehr enttäuscht werden 
die Geldschrankräuber sein, wenn sie den Geldtresor öffnen 
und statt des erhofften Bargeldes nur Geschäftsbücher vor⸗ 
inden werden. 
Ein Eifersuchtsdrama hat sich in der Norder⸗ 
strahe abgespielt. In einem HSause in der Nähe der 
Muünze wohnt ein Ehepaar mit mehreren Kindern in ge⸗ 
ordneten, guten Verhältnissen. Tie Frau war grenzenlos 
eifersüchtig auf ihren Mann und hatte bereits wiederholt 
geäußert, daß sie sich und ihren Angehörigen das Leben 
nehmen werde. Vor einigen Tagen las sie, daß ein Knabe 
nach übermäßigem Genuß von Kümmel an den Folgen 
der Trunkenheit gestorben war, und dieser Tod schien 
auch ihr der leichteste zu sin. In ihrer Wehnung besrrengte 
sie sämtliche Räume, Teppich und Möbel mit einem Gemisch 
von Kleesalz und Chsorkalk, stellte dann Petroleumosen 
und Petroleumkanne parat, leerte die ganze Flasche Kümmel 
und nahm darauf auch den Rest des Gemisches von Kleesalz 
un Chlorkalk zu sich. Jedenfalls hat sie die Absicht 
gehabt, dann die Wohnung in Brand zu steden, denn 
als sie gefunden warde, lag sie auf dem Sofa, mit 
Streichhölzern in der Hand. Als der Sohn am nächsten 
Morgen das Zimmer betrat, fand er seine Mutter fast 
leblos auf dem Sofa und den Vater blutüberströmt, mit 
zahlreichen Wunden am Kopfe, auf dem Fußboden liegend. 
Die Frau hatte ihren Mann, ehe sie das Gift zu sich 
nahm, solange mit einer Kneifzange auf den Kopf ge— 
schlagen, bis er blutüberströmt zusammenbrach. Die Frau 
liegt im Hafenkrankenhaus hoffnungslos dar nieder. Die 
Verletzungen des Mannes haben sich als nicht schwer 
corausgestellt. 
Bremerhaven, 20. März. Vermißter Seeoffi— 
zler. Als der der Hamburg-Amerika Linie gehörige Dampfer 
„Abessinia“ Freitag von Hamburg hier auf der Reede eintraf, 
wurde der zweite Offizier Wolfgang Hartmann vermißt. Er 
ist zuletzt an Abend vorher zwischen Altona und Blankenese 
an Dec gesehen worden. Ob ein Unglüdcsfall vorliegt, konnte 
noch nicht festgestellt werden. 
Schles wig⸗ Holstein. 
Kiel, 20. März. Das Kaiserpaar wird Dienstag 
abend bei seinem Eintreffen im hiesigen Stadttheater vom 
Oberbürgermeister Dr. Fuß und Theaterdirektor Otto begrübt 
werden. Das Theater wird aus Anlaß der Festvorstellung 
geschmückt sein. — Prinz Adalbert von Preußen hat 
sich von seiner Erkrankung an Blinddarmentzündung fast völlig 
erholt. Er wird Anfang dieser Woche das Bett verlassen. — 
Riesensubmission und Submissionsblüte. Das 
Tiefbauamt der Stadt Kiel hatte die Ausführung der 
Arbeiten zur Herstellung eines Kanalisationstunnels unter dem 
Kaifer⸗Wilhelm⸗Kanal (Profil 2,60 m mal 3,00 w) mit Druck⸗ 
luft und Schildvortrieb für die Vollkanalisation ausge— 
schrieben. Daraufhin gingen vier Angebote ein, die sich aber 
in ihren Forderungen ganz erheblich unterschieden. Bei Ver— 
wendung von Flußeisen forderten Habermann & Guckes⸗-Kiel 
410 000 M. Grun « Bilfinger⸗Mannheim 484 710 M, Philipp 
Solzmann & Co.-Frankfurt a. M. 585 000 Mund Gebr. 
Sallingei⸗-Hamburg 950 100 M; bei Verwendung von Gußz⸗ 
ei sen forderten Habermann & Guckes 460 000 M, Philipp Holz⸗ 
mann 625000 Meund Gebr. Hallinger 976 000 M. Leßtere 
Firma hatte dann noch ein drittes Angebot Für die Aus—⸗ 
führung in Beton und Klinker für 888 500 Mäabgegeben. — 
Selbst gestellt hat sich der Staatsanwaltschaft Kauf⸗ 
mann Jacobsen aus Stochee. Er hat erhebliche Wechselfälschingen 
in etwa 20 bis 30 Fällen begangen. — Die Rinder⸗ 
preise sinken dank der Einfuhr daänischen Schlachtviehes an— 
dauernd und werden bald einen normalen Stand erreichen. 
Im Kleinhandel sind die Rindfleischpreise jetzt auch um 5 bis 
10 Pf. zurückgegangen; nur bessere Ochsen und Kühe halten 
iich hoch im Preise. Der Rückgang der Schweinepreise hat seit 
14 Tagen aufgehört, trotzdem fallen die Fleischpreise noch 
immer. Einige Schlachter bieten Flomen, die vor einigen 
Wochen 90 Pf. das Pfund kosteten, jetzt für 60 bis 65 Pf. an. 
Segeberg, 20. Mära. Sein 25jahriges Dienst⸗ 
rubiläum feierte Sonnabend Seminardirektor Lehmann, 
Raschik. 
Flensburg, 20. März. Walfischfang. Der sich 
in der Flensburger Förde aufhaltende Walfisch, dessen Länge 
etwa 15 mbetragen soll, ist, wie schon telegraphisch be— 
richtet, auf einer Sandbank bei Westerholz in der nächsten Nähe 
von Langballigau gestrandet. Durch die Fischer ist der 
Koloß auf die Sandbank getrieben, von wo er auch wohl 
nicht entschllpfen wird. 
Flensburg, 20. März. Gewählt wurde zum zweiten 
Bürgermeister Poppe⸗Stolp. 
— 
eumoenster, 20. März. Kommunale Arbeits⸗ 
losenversicherung. Mit einer Vorlage auf Einführung 
einer kommunalen Arbeitslosenversicherung, verbunden mit einem 
paritätisch geführten Arbeitsnachweis, werden sich Magistrat und 
Ztadtverordnetenkollegium demnächst zu beschäftigen haben. — 
*ine Explosion erfolgte Sonnabend in der Drogerie von 
Max Hoch im Großflecken während der Zubereitune von 
Bohnerwachs. Vermutlich waren die dazu verwandten 
Naterialien überhitzt. Das Feuer vernichtete alle in den 
däumen vorhandenen Waren, konnte jedoch auf seinen Serd 
heschränkt werden. Das Personal, das bei der Explosion in 
»en Nebenräumen weilte, kam mit dem Schrecken davon. 
Blankenese, 20. März. Gleislose elektrische 
Bahn. Blankenese-Marienhöhe, infolge seiner hohen Lage 
ind der herrlichen Bewaldung einer der gesundesten Vororte 
Hamburg⸗Altonas, hat, um eine bequemere Verbindung mit 
dem Bahnhof Blankenese zu schaffen, den Bau einer gleislosen 
elektrischen Oberleitungsbahn beschlossen und die Ausflührung 
der Arbeiten der Firma Schiemann & Co. in Wurzen i. S. 
übertragen. Die Firma ist verpflichtet, den Betrieb Anfang 
Juli dieses Jahres zu eröffnen. 
Neustadt, 20. März. Die reine Einnahme der 
Nebenbahn Neustadt-Heiligenhafen betrug 1909 
379 424 Meci. V. 380 811 M), die Ausgabe 275 540 M 
222 473 M), die Einnahme der Kleinbahn Lütjenbrode⸗Orth 
169 324 M (151681 M), die Ausgabe dieser Bahn 118775 M 
112 466 M)y. Im Etat der Kreis Oldenburger Nebenbahn 
ind zur teilweisen Erneuerung des Oberbaues 116 000 M 
vorgesehen. 
Großtzherzogtarnn Oldenburg, Fürstentum Lübed. 
Oldenburg, 20. März. Verhaftet wurden hierselbst 
die wegen schweren Raubes verfolgten Verbrecher Nölke und 
Benzler beim Abholen postlagernder Briefe. 
Fr. Malente, 20. März. Eine Kellerseepromenade 
zeabsichtigt die Gemeinde Malente anzulegen. Die Ziemsschen 
Erben traten einen Teil des hierzu erforderlichen Axeals unent⸗ 
jeltlich an die Gemeinde ab. 
Fr. Bujendorf, 20. März. Verkauft hat Post⸗ 
chaffner Ochs, Elmschenhagen, seinen Grundbesitz hierselbst nebst 
Wohnhaus, ohne zirka 4 To. Wiesenland, an Postbote Pahl hier. 
Großherzogtäener Bdedtenburg. 
Rostock, 20. März. Vertagung des Prozesses 
Fohn-⸗Marlitt. Gegen John⸗-Marlitt, den früheren Be⸗ 
itzer von Heiligendamm, und Genossen wegen Betruges sollte 
im 23. März und folgende Tage vor der hiesigen Straflammer 
»erhandelt werden. Wegen Erkrankung eines Hauptzeugen hat 
edoch die Hauptverhandlung wieder abgesetzt werden müssen. 
Malchin, 20. März. Landtag. Eine neue Vorlage 
der Schweriner Regierung zur Pfarraufbesserung ging ein, die 
— 
Borlage der Reg erung zurückblieb, alzeptierte. Die Landschaft 
ehnte auch diese Vorlage nach längerer Debatte wiederum ab, 
n der Redner der Landschaft darauf hinwiesen, daß man bei 
dem anerkannten Notstande wohl bereit sei, weitere Mittel 
u bewilligen, wenn gleichzeitig die Gemeinden und die wohl—⸗ 
jabenden Pfründen wenigstens etwas mit herangezogen würden, 
zuch die Kirchenbehörden den Wünschen nach Zusammenlegung 
nehr entsprächen, statt sie zu ignorieren und neue Pfarren zu 
rrichten. Sonnabend haben die kommissarisch deputatischen Ver⸗ 
jandlungen zur Verfassungsfrage stattgefunden und sollen am 
Dienstag fortgesetzt werden. 
Schönberg, 20. März. Der große Taufkessfel 
in unserer Kirche hat nach erfolgter Renovierung in Neu— 
trelißz Freitag wieder seine Aufstellung an alter Stelle 
gefunden. Der Kessel, aus Glockengut hergestellt und von 
drei knieenden Engeln getragen, hat seine ursprüngliche 
Farbe wieder erhalten. Dieses älteste Stück unseres Gottes⸗ 
auses stammt aus dem Jahre 1357, wie die Inschrift 
zekundet. Der Kessel zeigt in verschiedenen Feldern Figuren, 
ie Christus, Johannes, Maria, Brustbilder mit den Werk⸗ 
eugen der Leiden Christi, die heilige Katharina, den 
„eiligen Laurentius und das Brustbild des Apostels Petrus 
zorstellen. 
Boltenhagen, 20. März. Eine Landungs⸗ 
brücko wird in der Nähe des Kurhauses „Hotel zum 
Großherzog von Medlenburg“ erbaut werden. Die Aus⸗ 
führung ist dem Bauunternehmer Soltow, Klütz übertragen 
worden. Die Brücke soll bereits zum 1. Juni d. J. 
ertig sein. 
7Schöonberg, 20. März. Aus dem Gefängnis 
entsprang Sonnabend der 19 Jahre alte Bädergeselle 
Dtto Göttschau, Falkenhagen, der eines Diebstahls wegen 
in Haft genommen war. In der Mittagspause befand er 
ich auf dem Gefängnishofe. Er benutzte den Augenblick, 
in dem der Pförtner abgerufen war, zur Flucht. Am Blitz⸗ 
ibleiter kletterte er zur Mauer empor und sprang dann 
hinüber. Der Flüchtling war in Gefangenenkleidung, ohne 
stopfbedeckung und ohne Stiefel. Ein sogleich herbeige— 
ufener Polizeihund nahm die Spur bis zur Friedrich-Wil⸗ 
jelm⸗Mühle auf, verlor sie dann aber 
der Mordversuch der Poötenitzer Wilderer auf 
den Gutsjäger Freitag. 
Guu ster o w, 20. März. 
Die Verhandlung des Schwurgerichts am Sonnabend 
richtete sich gegen den wegen Diebstahls wiederholt vorbe⸗ 
straften Arbeiter Karl Pröhl, geb. am 17. Febr. 1880 zu 
Bilank bei Domitz, wohnhaft zu Lübecd, der sich wegen 
Mordversuchs und Widerstands gegen einen 
Forstbeamten zu verantworten hatte. 
Der Tatbestand ergibt sich kurz aus folgendem: 
Proͤhl hat seit dem Frühjahr 1910 mehrfach auf Lübeder 
vhebiet gewildert und das von ihm erlegte Wild an den 
bandler Sümpel in Lübed verkauft. Bei diesem lernte 
r den Hãndler Scheel und den Arbeiter Heinrich Roxin kennen. 
Alle drei verabredeten, eine Jagd auf Rehe im benachbarten 
vebiete des Großherzogtums WMecklenburg Schwerin u ver— 
anstalten, zu diesem Zwecke am Montag, dem 8. Okt., nach⸗ 
nittaas, üUber Travemünde ins Meglenburgische zu fahren und 
uuf den Feldmarken der nächsten Güter, üd tenib Volas 
orf und Johannstorz Rehe mu gsegen Ecbeel nabm 
jein eigenes Gewehr mu, Roxin und Pröhl ließen sich von 
Zümpel Gewehre geben, alle drei Gewehre wurden auseinander⸗ 
genommen, bei Humpel in einen Spankorb verpackt, der 
ugenaäht und zur Bahn gebracht wurde. Sie fuhren nach 
Travemunde, nachmittags liehen sie sich über die Trave zum 
gzriwall hinübersetzen und begaben lich auf die Põötenitzer 
feldmark. Pötenitz und Volchdorf gehören dem Herrn von 
Zroden, der den Forst-⸗ und Jagdschutz durch den Gutsjäger 
Freitag ausüben lähßt. Pröhl und Roxin stellten sich schuß⸗ 
Fereit im Gehölz an, während Scheel am Ufer entlang ging, 
n der Richtung zum Ziegelkrug, um von dort fünf äsende 
dehe den Genossen zuzutreiben. Die Rehe bekamen jedoch 
Pitterung und verschwanden in einem kleinen, auf der Johann⸗ 
rorfer Feldmark belegenen Gehölz. Während dieser auf Pöte⸗ 
nitzer und Volcksdorfer Gebiet begonnenen und auf Johann⸗ 
torfer Gebiet fortgesetzten verbotenen Jaad war der Guts⸗ 
äger Freitag, der sich in Dienstkleidung befand und Gewehr 
und Ruchssach bei sich trug, auf der Volcdsdorfer Feldmark 
dienstlich anwesend. Als er nach Pötenitz zurüdlehren wollte, 
hdemerkte er Scheel, der bei seinem Näherkommen sein Ge⸗ 
vehr von sich geworfen hatte, am Wege sitzend, und gleich 
arauf auch die beiden anderen Wilderer, Roxin und Pröhl, 
ie. als er auf sie zuging, über den Ader zu entkommen 
uichten. Als Freitag das bemerkte, ließ er sich ein Pferd aus⸗ 
pannen und versolgte nun reitend die drei Wilderer, die er 
ann auch bald einholte. Die Wilderer kehrten dann plötzlich 
am und stellten sich dicht neben einander hinter eine Hecke. 
sachdem Freitag ihnen auf etwa 16 Tchritte nahe gekommen war 
ind ihnen zweimal zugerusen hatte: „Gewehr nieder, oder 
ch schieße!“ legte Pröhl, der an der Ede der Hede stand, 
sein Gewehr auf Freitag an und schoß ihn in 
den Kopf, so daß der Getroffene vom Pferdestürzte. 
zetzt riefen Scheel und Roxin: „Da liegt er!“ und Pröhl: 
„Töw, du Aas, du hest naug!“ Darauf eilten alle drei 
iach der nahen Dassower Bucht, von wo sie mittels eines 
dort liegenden Kahnes nach dem gegenüberliegenden Ufer 
ntlamen. 
Freitag war schwer verletzt im Gesicht, am Hals, auf der 
Brust und an beiden Oberarmen, er hatte im ganzen 42 
zurch Schrotkörner verursachte Wunden. Vier Zähne waren 
ertrümmert. Er wurde in das latholische Krankenhaus in 
dübed gebracht, wo er am 14. Oklt. wieder entlassen werden 
onnte. Inzwischen hat sich sein Zussand noch wesentlich ge— 
essert, so daß er als geheilt anzusehen und wieder im— 
lande ist, in seinem Berufe kätig zu sein. Er hat jedoch noch 
1 Körner von dem Schuß im Leibe und infolgedessen noch oft 
zchmerzen. Der Angeklagte gibt zu, bei dem Jäger Freitag 
urch den abgegebenen Schuß die genannten Verletzungen ver⸗ 
irsacht zu haben, er will aber nicht beabsichtigt haben, ihn 
u töten. Er will ihn vielmehr dadurch, daß er auf ihn das 
Hewehr anlegte, zunächst nur haben erschrecken und veranlassen 
vollen, umzukehren und von der weiteren Verfolgung der Wil⸗ 
erer Abstand zu nehmen, dann habe er ihn allerdings verletzen 
vollen und habe, um ihn nicht allzusehr zu verletzen, nicht auf 
einen Leib, sondern auf seinen Kopf gezielt und geschossen. Die 
Staatsanwaltschaft beantragt bei den Geschworenen, die Frage 
ach Mordversuch zu verneinen, im übrigen aber die Schuld- 
ragen zu bejahen. Der Verteidiger ichloß sich diesem Antrage 
uAlen Inhalts an. Auf Grund des Wahrspruchs wurde der 
Angekllagte wegen Verbrechens gegen 88 117, 118, 212, 214, 
3, 73 St.G.B. zu einer Zuchthausstrafe von neun 
Jahren und zu 10 Jahren Ehrverlust verurteilt, auch 
r gegen ihn auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht er— 
annt. 
Luftschiffahrt. 
Sannover stiftet 20 000 Misüur den en orã schen Rundflug. 
Die städtischen Kolledfen von Hannover bewilligten in ihrer 
Zitzung am Donnerstag eine Summe von 500060 Mfür 
xlugpreise. Davon sollen für die deutsche Strecke des euro⸗ 
päischen Rundfluges 200 00 Mugegeben werden. — 10 000 M 
ind für Schauflüge in Hannover bestimmt. Damit erhöhtf 
ich die Preissumme für den europäischen Flug auf rund 
550000 Frs. 
Balkson⸗Telegraphie ohne Draht. Zum ersten Male ill 
es gelungen, durch elektrische Wellen eine Verständigung zwi⸗ 
scchen einem schwebenden Ballon und der Erde herzustellen. 
Der Freiballon „Tillie“ war von Griesheim bei Frank— 
urt a. M. aufgefahren, und die Station des Frankfurter 
Physikalischen Vereins sandte ihm elektrische Wellen nach, 
die von der mitgenommenen Empfangsstation aufgefangen 
vurden. Bis zu 600 m war die Verständigung sehr gut und 
mif eine Entfernung von mehr als 50 xKm festzustellen. Die 
Nersuche haben den praktischen Wert, die Ballonführer über 
»e Wetteraussichten und die Richtung der Fahrt zu infor— 
nieren 
— — — 
Sportnachrichten. 
Bei den Faßballweitkämpeen in Libeck am Sonntag siegte 
Sportklub Sperber J. Hamburg gegen Lübecker B.C. J 
1: 1, der Altonager B.C. gegen Victoria in der Ent— 
scheidung um die Meilterschaft 4:2. 
Die kaiferliche Schonerjacht ‚Meteor“ nimmt am 3. Aprik 
ihre Besatzung in Kiel an Bord und stellt am gleichen Tage 
in Dienst. Die kaiserliche Schonerjacht „Iduna“ trifft in 
den ersten Apriltagen von Geestemünde ein und beginnt 
damn mit ihrer Indienststellung. 
Oermischtes. 
C.R. Der Wert der Mãaãnnerfchönheit. Das Vorurtoil, 
daß nur die Frauenschönheit Wert hat, ist beseitigt, 
Pariser Richter haben entschieden, daß auch für das männ⸗ 
iche Geschlecht die Schönheit ein Schatz ist. Bei einemn 
Wagenunfall hatte ein Knabe eine Gesichtsverletzung davon⸗ 
zetragen, wovon er sein Eeben lang zwei entstellende Narben 
in der Nase tragen muüß. Der Abdvokat der beklagten 
Lartei wollte nachweisen, daß für den Mann die Schön— 
zeit ohne Wert sei, aber die Richter gestanden auch dem 
Manne das Recht auf Schönheit zu, und der Knabe erhält 
r die Entstellung seines Antlitzes einen Schadenersatz von 
2000 Frs. Nicht allzuviel, doch genug, um der Entscheidung 
xrinzipielle Bedeutung zu gewähren.
	        
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