Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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ausgabe 4. n e 
usgabe 4 Sonntag, den 19. März 191). Morgen⸗Blatt Nr. 43. 
— 
Tagesbericht 
Auskunftstellen für Berufswahl. 
O Lübeéeck, 19. Mära. 
Gerade zu den Entlassungsterminen macht sich die Not⸗ 
wendigkeit von Auskunftsstellen für die Berufswahl von Knaben 
und Mädchen ganz besonders geltend. Es ist das ein Gebiet, 
auf welchem man bisher in Deutichland noch im Anfang der 
Entwicklung steht. Auch in Lübecdc hat man bereits erfolg⸗ 
reiche Schritte nach dieser Richtung unternommen. Insbesondere 
müssen wir da die Gewerbekammer hervorheben, die so⸗ 
wohl Knaben wie Mädchen fach- und sachkundigen Rat kostenlos 
erteilt und dabei bereits mit der Oberschulbehörde durch Ueber⸗ 
lassung der von ihr in Gemeinschaft mit der Hamburger. 
und Bremer Gewerbelammer herauscegebenen Ratgeber Hand 
m Hand arbeitet. Aber auch khier bleibt, ebenso wie bei den 
vescheidenen Anfängen der hiesigen Rechtsaus— 
dbunftsstelle noch viel zu tun übrig. 
Deshalb dürfte eine in der Zeitschrift „Technik und Wirt— 
schaft“ veröffentlichte Abhandlung von Professor Otto Presler 
einige beachtenswerte Anregungen enthalten. Der Verfasser 
hebt hervor, daß ein Zweig des großen Arbeitsgebietes der 
Jugendfürsorge trotz seiner großen Wichtigkeit für den 
einzelnen wie für die Gesamtheit bisher stark vernachlässigt 
worden sei, nämlich die Berufswahl. Der Rüchkständigkeit 
auf diesem Gebiete könne nur durch planmäßig erwogenes Zu— 
sammenwirken von Staat, städtischen und privaten Körper—⸗ 
schaften abgeholfen werden. Er schlägt vor, Bestimmungen zu 
kreifen für diejenigen Personen, welche bei der Berufswahl 
Auskunft erteilen. Sie werden underschieden in solche, die 
dies im Nebenamte tun, und solche, die es hauptberuflich tun 
Für die erstgenannten schlägt Presler den Namen Berufs⸗ 
beiräte, für die letzteren die Bezeichuung Berufsan-— 
wälhte vor. Diese letzteren sollen akademisch gebildet sein 
Für die Ausbildung der Beiräte müßte durch besondere Kurse 
gesorgt werden. Die Hauptsache würde ein sozial gebildeter 
und sozial empfindender Charakter jein. Beiräte und Anwälte 
würden gleichzeitig geeignet sein, auk allen Gebieten der Für— 
sorge für die schulentlassene Jugend tätig zu sein. 
Die Angliederung solcher Auskunftsstellen an Wohlfahrts- und 
berufliche Vereinigungen aller Art würde mit Aufwendung ge— 
ringer Mittel besonders dann zu erreichen sein, wenn sich 
die Auskunft zunächst nur auf den jedesmal am nächsten 
liegenden Beruf beschränkt. Vielfach würden ja schon jetzt 
durchaus zweckentsprechende Austdünste von solchen Vereinen 
erteilt. 
Auch die Skädte könnten zunächst in kleinerem Umfange 
derartige Auskunftsstellen begründen, da nicht sofort die Mittel 
norhanden sein würden, in großem Maßstabe vorzugehen. Der 
Staat endlich, der das allergrößte Interesse daran habe, daß 
eder Bürger den seinen Anlagen und Fähigkeiten entsprechenden 
Beruf finde, ferner daran, daß eine Ueberfüllung möglichst 
vermieden werde, würde der Sache wesentlich dienen, wenn 
auch er an den geeigneten Stellen der Verwaltung Berufs— 
beiräte einstellen wollte. Eine weitere sehr wichtige Auf— 
gabe würde ihm zufallen in dem Ausbau der 
Berufsstatistik. Die Feststeitiung, wie viel Stellen ein 
Beruf habe, wie groß der zährliche Abgang sei, würde 
rroßes Interesse für die VRerufswahl haben. Die 
Ergebnisse dieser Statistik, sowie die Bestimmungen für die 
Aufnahme in die verschiedenen Berufe müßten den Auskunfts⸗ 
stellen leicht zugänglich gemacht werden, etwa in Formeines 
ßandbuches für Berufswahl, das, zu einem geringen 
Preise hergestellt, für jedermann erschwingbar wäre 
—— — — 
VLübeck-Travemünder Rennklub. Dem in der gestrigen 
Feneralversammlung erstatteten Jahresbericht zufolge sind die 
im Sommer 1910 auf der Travemünder Rennbahn veranstal— 
teten Rennen trotz teilweise ungünstigen Wetters doch be— 
friedigend verlaufen. Auch der Concours Hippique bedeutete 
sportlich einen vollen Erfolg, finanziell dagegen schloß er 
mit einem Fehlbetrage von 2746,66 Mab. Das ist dadurch 
zekommen, daß der Vorstand im Hinblick auf die Neuheit der 
Veranstaltung in Travemünde sowohl seitens der Ställe als 
auch des Publikums nur auf eine geringe Beteiligung ge— 
rechnet 'und demgemäß die Geldpreise und die Eintritts— 
preise nur gering bemessen hatte. Nachdem aber die Mel—⸗ 
dungen zu den Konkurrenzen n ganz erheblicher Zahl ein— 
zingen, sat sich der Voritand genötigt, zu den 3160 MuPre sen 
— 
Berliner Stimmungsbilder. 
Von Paul Lindenberg. 
Machdruck verboten.) 
Eine schöne Ueberraschung ist es, die sih Berliner Lust⸗ 
barkeitssteuer nennt! Seit Jahren spulte dies Gespenst 
umher, um diesmal Fleisch und Leben zu gewinnen! Trotz 
einer heftigen Gegenströmung wurde die Steuer in der letzten 
Sitzung des Stadtverordneten-Ausschusses angenommen. Und 
zwar soll man ganz gehörig die Taschen auffnöpfen, wenn 
man sich unterhalten will. Beträgt doch beispielsweise die 
Steuer für Eintrittskaärten im Betrage von 5 Mark zu Theater⸗ 
rorstellungen und Tanzbelustigungen 50 Pfg. und ist noch 
höher bei kinematographischen Vorstellungen, zu denen ein 
Iweimarkbillett mit einer halben Mark besteuert wird. 
So wie so schon ist man unwitllig über die hohen Billett— 
preise unserer besseren Theater; diese neue Belastung kann zu 
einer Krisis führen, da es mit einzelnen Theatern recht „lipplig“ 
fehen soll. Und wird Groß-Berlin dem Beispiel folgen? 
Ddier handelt sich's zunächst um Charlottenburg mit seinem 
Schiller-Theater und Schöneberg mit dem Neuen Schauspiel—⸗ 
zause. Ferner: welche Stellung werden unsere Königlichen 
Bühnen dazu einnehmen? Werden lie freiwillig — denn von 
einem Zwang kann höchstwahrscheiniich nicht die Rede sein — 
diese Abgabe auf sich nehmen, um auch für ihren Teil zur 
Auffrischung der Berliner städtischen Finanzen beizutragen? 
Lin energisches „Nein“ wäre zu wünschen! Denn es handelt 
ich um eine verhältnismäßig geringe Summe, als Reinertrag 
m Jahre laum nennenswert bei dem Haushaltsetat Berlins 
un Petrage von 31314 Milsionen Vark— 
noch 468 Ehrenpreise zu geben. TtSchleppjagdvereinigung 
des Klubs veranstaltete im verflossenen Herbst 18 Jagden, 
id e ine mit einer Springkonkurrenz, zwei Jagdrennen und 
inem Flachrennen verbundene Schlußjagd (St.Hubertus⸗Feier), 
ie sämtlich eine gute Beteiligung auch seitens der Damen 
anden. Auf der Rennbahn in Travemünde ist ein Poloplatz 
ergerichtet worden, doch können die Spiele erst im Sommer 
912 abgehalten werden. Die Mitgliederzahl des Klubs ist 
on 205 auf 215 gestiegen. Die Einnahmen des Klubs be⸗ 
rugen einschließlich eines Kassenbeftandes von 518,10 Mins⸗ 
esamt 48 831,52 M, die Ausgaben 48 654,588 M. Der Con—⸗ 
ours Hippique hat eine Sonderausgabe von 10401,80 M 
er eine Einnahme von nur 7655,258 Mugegenübersteht. Der 
jehlbetrag ist aus der Einnahme der Rennen gedeckt worden, 
ie so erfreuliche waren, daß daneben auch noch die ver⸗ 
ragsmäßige Amortisation der Anleihe zur Erneuerung der 
dennbahn gezahlt und für Erneuerungen auf der Renndahn 
n angemessener Betrag aufgewandt werden konnte. — Die 
iesjährigen Rennen werden am 28. und 30. Juli statt⸗ 
inden und acht Tage später, am 4. und 6. August der Con⸗ 
ours hippique. Der Vorstand wurde ermächtigt, in diesem 
zahre für diese Veranstaltung bis zu 15000 Mean Preise 
m vorigen Jahre etwa 6000 M) aufzuwenden und einen 
kotalisator einzurichten. Bei der Erörterung dieser An— 
elegenhett wurde u. a. auch die Frage aufgeworfen, ob es 
icht möglich sei, die Rennen wie auch den Concours Hippique 
on Travemünde nach Lübeck zu verlegen. Man kam aber im 
»inblik auf die vom Klub wie auch vor allem vom Staat 
ir den Rennsport in Travemünde gemachten Aufwendungen 
u einer Verneinung dieser Frage, doch wird vielleicht der Con—⸗ 
ours Hippique in diesem Sommer in Lübeck stattfinden müssen, 
a der für diese Veranstaltung auf dem Leuchtenfelde in Trave— 
ründe hergerichtete Platz im August laum schon gebrauchsfähig 
ein wird. Bedauert wurde, dah der Klub den Graditzer Ge⸗ 
lütspreis im Betrage von 3500 Menicht mehr erhalten wird, 
a das Gestüt in Zukunft nur solche Rennbahnen unterstützen 
bill, auf denen es selbst Pferde laufen läßt. Der Ausfall wird 
llerdings dadurch zum Teil wieder ausgeglichen, daß der Union⸗ 
Klub seinen Preis um 1000 Mierhöht hat. Immerhin wird es 
ich voraussichtlich nicht vermeiden jalssen, daß die Preise sür 
ie Travemünder Pserderennen um ein geringes vermindert werden 
nüssen. Für die Herrichtung einer neuen Richtertribüne wurde 
in Betrag bis zu 500 Mibewilligt. Vom Kartell für Fahre und 
deitsport hat der Lübeck Travemünder Rennklub einen Preis 
son 500 Meerhalten, der für eine Qualitätsprüfung für inländifche 
zferde als Preis ausgesetzt werden soll. Der Schleppijagd-Ver⸗ 
migung des Klubs wurden für die Schleprjagden wieder 400 M 
ewilligt, welche Summe aber je nach den Kassenverhältnissen im 
»erbst erhöht werden soll. Für die Vereinigung ist im Lauerholz 
ei Lübeck eine prächtige Schneise hergerichtet worden, welche 
„ie Anlage einer ausgezeichneten Springbahn gestattet. — Die 
ius dem Vorstande ausscheidenden HFerren Senator Fr. Ewers 
Ind Gutsbesitzer Bobsien-Rankendorf wie auch die Rech— 
ungsprüfer, die Herren H. Schütt und Th. Kruse, wurden 
urch Zuruf einstimmig wiedergewählt. — Zum Schluß kam 
er im allgemeinen recht schlechte Zussand der Reitwege zur 
Sprache, insbesondere über diejenigen an der Israelsdorfer 
Fhaussee, Lnisenstraße und Wesloder Weg wurde sehr geklagt. 
Da von zuständiger Stelle bereits im vorigen Jahre eine Aus—⸗ 
zesserung der Reitwege zugelagt worden, aber immer noch nichts 
zeschehen ist, wurde beschlossen, im Verein mit dem Garnison—⸗ 
ommando das Polizeiamt erneut um Instandsetzung der Wege 
zu ersuchen. 
Statistische Monatsübersicht über die Stadt Lübed im 
FJebruar 1911. Lübeck hatte nach der Fortschreibung des 
Sitatistischen Amts am 31. Januar 1911 98645 Einwohner. 
Im Februar kamen 71 durch Geburtenüberschuß hinzu und 
20 durch Wanderung in Abgang, sodaß unsere Einwohner⸗ 
ahl um 49 abnahm und am 28. Februar 1911 98596 
I1910 97 307) betrug. Die natürliche Bevölkerungsbewegung 
var im abgelausenen Monat folgende (die eingeklammerten 
zahlen beziehen sich auf das Vorijahr); es betrug die 
Zakl der 
Summe auf 1000 Einwohner 
Eheschließungen 28 639) 370 632) 
Geburten 185 (200) 24,46 (26,78) 
Sterbefälle 114 (123) 15.07 16,47) 
Die Eheschlietzungen nahmen also gegen das Vorjahr um 
1, die Geburten um 15 nud die Sterbefälle um 9 ab. 
Unter den Geborenen waren 22 oder 11,9 690 (24 oder 
12,0 00) unehelich und 7 oder 3.8 00 (2 oder 1.0 94) 
Abgesehen von dem Einfluß auf die Theater und son⸗ 
tigen Vergnügungen wird diese neue Steuer sicherlich auch 
indere schädliche Folgen zeitigen. Bei der enormen Arbeits— 
ätigkeit der weltstädtischen Bevölkerung kann und wird diese 
richt auf ihre Vergnügungen verzichten. Man wird voraus⸗ 
ichtlich dort sparen, wo es am leichtesten geht: bei Aus— 
ibung der Wohltätigkeit. Aus dicsen Kreisen wurden ernste 
dedenken laut gegen die für Groß-Berlin geplante Veran⸗ 
laltung eines Hilfstages für Mutter und Kind, aber sie werden 
aum die Ausführung verhindern. Der Ertrag des auf den 
30. Mai festgesetzten ,‚Sammeltages“ soll dem Säuglingsschutz 
ugute kommen, und zwar ohne Unterschied allen Vereinen, 
die jenen nicht genug zu lobenden Zwecd verfolgen. 
Der Vorschlag des Polizeipräsidenten wird lebhaft erörtert, 
der von Tag zu Tag sich fühlbarer machenden Verkehrsnot 
der Leipziger Straße und des Potsdamer Platzes abzuhelfen. 
der betreffende Plan geht dahin, die Französische Straße 
is zum Tiergarten durchzulegen und so einen neuen direkten 
VPeg vom Südwesten und Zentrum der Stadt nach dem Westen 
u schaffen. So wünschenswert dies auch wäre, erwedt jener 
Borschlag doch auch die Befürchtung, daß eins der schönsten 
VRiertel Berlins zerstört wird, ein Teil alter Gärten fällt, 
ie zu den Lungen der Stadt gehören, daß der so wie so schon 
echt eingeschnürte Berliner Tiergatten noch mehr von lärmendem 
Verkehr umgeben und erfüllt wird und daß die Abhilfe 
leine durchgreifende ist. Die Leipziger Straße mit der Pots⸗ 
damer Strahße als Fortsetzung bildet nun mal Berlins glän⸗ 
enden Mittespunktt des Handels und Wandels seit geraumer 
Zeit her und läht sich durch noch jo gut gemeinte Maßnahmen 
nicht willfürlich beeinflussen und beschränken. Jener Verkehrsnot 
väre mit einem Schlage abzuhenen. wenn die Straßenbahnen 
— 
— 
tot. Das Alter der Gestorbenen belief sich in 21 (22) 
Fällen auf unter 1 Jahr und in 27 (230) Fällen auf 
iber 70 Jahre. Todes ursache war in je 9 Füllen 
strankheit der Atmungsorgane, der Kreislauforgane (insbesf. 
derzkrankheiten) sowie Altersschwaͤche und in 8 Lungenent⸗ 
sindung. Ansteckende Krankheiten führten 7Tmal zum 
Tode; darunter Z mal Keuchhusten; insgesamt wurden 85 
wolcher Krankheiten zur Anzeige gebracht, 34mal Masern, 
z0 mal Diphtherie, 15 mal Scharlach, amal Unterleibs⸗ 
yphus und 2mal Granulose. Gewaltfamen Todes 
tarben 4, davon 1 durch Totschlag, 3 durch Verunglückung. 
daäe Wanderungsbewegundg endete mit einem Verlust 
on 120 Personen; 1113 Zuzügen standen 1233 Abzüge 
segenüber. 
O Der Werkunterricht in den Schulen. Die Ausdrucskultur 
der Hand wird im wesentlichen der Gegensland einer Reihe von 
Vorträgen bilden, welche die Rübecker Oberschulbehörde 
horwiegend für die hiesige Lehrerschaft veranstaltet. Am 
zestrigen Abend fand der erste Vortrag von Herrn Rektor 
Seinig, Charlottenburg, siatt, der mehr eine Einführung in 
zieses neue und doch recht interessante Gebiet der Pädagogik 
jildete. Der Referent unterschied scharf zwischen solchen Hand⸗— 
irbeiten, die sich für die AUsübunginder Schule eignei. 
ind dem Werkstättenunterricht. Zu den ersteren zählte 
r das Zeichnen, FJormen, die Anfertigung von Papier- und 
apparbeiten und das sogenannte „Klütern“. Für den Werk— 
lättenunterricht sind seiner Ansicht nach besser geeignet fränkische 
olzarbeiten (Zusammenstellungen von Hölzern), Metall⸗ und 
ßlasbearbeitung. Er ging dann noch kurz auf die Gesichtspunkte 
in, die sür das Zeichnen und Formen zu gelten hätten, wobei er 
nanche humorvolle Bemerkung über die von ihm als Lehrer ge⸗ 
nachten Erfahrungen einflocht. Tas Bestreben, den Werkunterricht 
n den Schulen zu pflegen, ist nicht nur, vom rein pädagogischer 
Zztandpunkt betrachtet, hoch zu bewerten, sondern auch wegen 
einer Vorzüge, die es unter Umständen der Volkswirtschaft 
zu bringen geeignet ist. Auf seiner Basis würde es u. E. nicht 
jerade schwer fallen, wieder mehr Lust und Liebe zum 
zandwerk zu erwecken. Die Beteiligung an dem ersten 
Vortrag war so rege, daß kaum noch ein Platz in der Aula des 
Johanneums zu finden war. Wenn der Referent sich für die 
Zukunft etwas mehr an sein eigentliches Thema halten könnte, 
o würde ihm entschieden der Hörerkreis treu bleiben, und er 
önnte sich durch seine wertvollen Anregungen manchen neuen 
zreund erwerben. 
Gewerbeschule. Wir machen die Herren Handwerksmeister, 
um sie vor Schaden durch falsche Angaben ihrer Lehr— 
singe zu schützen, darauf aufmerksam, daß die Gewerbeschule 
am 18. März ihr Schuliahr schließt und am 19. April das 
neue Schuljahr beginnt. Die Lehrlinge haben sich sofort an 
dem für das betreffende Lehriahr festgesetzten, jedem Hand— 
werksmeister vom Winter her bekannten Tage am oder nach 
dem 19. April zum Unterricht einzufinden und alle Zeichen— 
itensilien und sonstigen Lernmittel mitzubringen, widrigen— 
talls Bestrafung erfolgt. 
Oesfsterreich⸗ nugarischer Hilssperein in Lübeck. Dem 
Jahresbericht für 1910 entnehmen wir das folgende: Die in 
dem vorjährigen Bericht ausgesprochene Hoffnung, daß durch 
eine Besserung der allgemeinen Wirischaftslage die Hilfe 
des Vereins nicht in dem Maße in Anspruch genommen 
verden würde, wie im Vorjahre, hat sich eriüllt. Während 
An Jahre 1909 die Anzahl der unterstützten Personen 349 
betrug, wurden im Berichtsjahre 225 Personen unterstützt 
mit einem Gesamtbetrage von 253, 60 M. Die Einnahmen 
des Vereins betrugen 4889,68 M und die Ausgaben 278,90 
M. Der Ueberschuß im Betrage von 210,78 M wurde dem 
Zapitalfonds überwiesen, der dadurch die Höhe von 1437,34 
Merreichte. Anläßlich des 80. Geburtstages des Kaisers 
von Oesterreich hat der Verein ein Glückwunschtelegramm 
gesandt, auf welches der Dank Sr. Maiestät durch die 
k. und ak. Botschaft in Berlin ausgesprochen wurde. 
Feuer in Stoclkelsdorf. Am Sonnabend abend kurz vor 
3 Uhr sah man am westlichen Abendhimmel, etwa in der 
Richtung in der kürzlich das große Feuer in den Kayserwerken 
zu beobachten war, wieder einen großen Feuerschein. Gar 
dald konnte man wahrnehmen, daß in Stocelsdorf in dem 
ßewese des Erbpächters Schlichting, am Markt, nahe 
der Schule, ein Feuer zum Ausbruch gekommen war. Das 
Wohnmhaus, mit Strohdach gededt, stand in hellen Flammen. 
Auf derselben Stelle ist erst vor einigen Wochen eine Scheune 
abgebrannt. Da beim Ausbruch des Feuers niemand zu 
—— — — — ü⏑ 
unterirdisch verlegt würden, sie allein bilden das gefährliche 
Hindernis. 
Im Moabiter Glaspalast regen sich jetzt schon zahllose Hände 
ür die am 1. Mai zu eröffnende Große Berliner Kunstaus— 
lellung, die diesmal besonders interessant zu werden verjpricht. 
st es doch ein Vierteljahrhundert her, seitdem diese für 
inser Kunstleben so bedeutenden Ausstellungen an der gleichen 
Stelle stattfinden. In diesem Sommer führt der Landschafter 
darl Langhammer, der bereits in der deutschen Abteilung 
er Lütticher Weltausstellung iein Talent für fesselnde In— 
zenierung mit Kunstwerken gefüllter Räume erwiesen, den Vorsitz 
n der Kommission. Der monumentalen Malerei soll ein wich— 
iger Platz vorbehalten sein und fserner die Kunstpetiode 
zriedrich Wilhelms IV. berüchsichtit werden, die gerade für 
Zerlin und Preußen ein eigenartiges Stück Kulturgeschichte 
mfaßt. Auch das Kunstgewerbe jener Zeit wird herangezogen 
derden und Anlaß bieten zu vielen Vergleichen zwischen einst 
ind heute. Hoffentlich gelangt auch Langhammers Anregung 
ur Ausführung, im Laufe des Sommers ein großes Künstlerfest 
m Ausslellungspark zu veranstalten. Weit über ein Jahrzehnt 
u's ja her, daß unsere Künstler nicht in dieser Weise an die 
deffentlichkeit getreten, und wer sich noch des herrlichen Per⸗ 
amenischen Festes erinnert, hat das oft genug bedauert. 
zräfte und Mittel stehen in hinreichendster Weise zur Ver— 
ügung, es bedarf nur des leitenden Mannes, und da wir den 
iesmal haben, so schwinden gewiß all die keinlichen Be— 
enken, die kürzlich im Künltlerverein gegen jene Idee geltend 
emacht wurden. Es ist endlich Zeit, daß der Verein aus seiner 
ühlen Reserve heraustritt und sich darauf besinnt, daß es auch 
Zflichten zm erfüllen gibt, die nicht bloß innerhalb des 
Ateliers, der Ausstellungshallen und des Vereinslebens liegen.
	        
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