Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

fütrte Doppelgespräch von dver Post, so entstehen ungan⸗ 
genehme Ueberraschungen. Man hat deshalb ein Melde— 
zeichen verlangt, das die Sprechenden von dem Ablauf von 
je 3 Minuten in Kenntnis setzt. Man denkt dabei an ein 
feines Glockenzeichen oder dergleichen. Nach den bestehenden 
Bestimmungen ist ein solches Zeichen jedoch nicht erforderlich. 
Der Teilnehmer braucht bei der Einleitung des Gesprächs 
dem Amte nur zu erklären, daß er ein Gespräch von 
3 Minuten zu führen wäünscht. Nach Ablauf dieser Zeit 
wird er dann ohne weiteres vom Amte daran erinnert. Das 
Gespräch wird dann aber nicht etwa unterbrochen, sondern 
der Teilnehmer hat immer noch die Wahl, das Gespräch 
weiterzufuhren oder es zu beendigen. Vielfach melden die 
Aemter von selbst den Ablauf der Z Minuten, ohne dak 
dies vorgeschrieben wäre. Um sicher zu gehen, empfiehlt sich 
also gleich bei der Bestellung des Geslprächs, zu erklären, 
daß man nicht länger zu sprechen wünsche. 
* Katharineum. Heute fand in Gegenwart des Vor—⸗ 
itzenden der Oberschuslbehörde, Herrn Senator Kulenkamp, und 
anderer Vertreter des Senales und unter großer Teilnahme 
der Eltern sowie ehemaliger Schüler der Anstalt die feierliche 
Entlassung der mit dem Reifezeugnis abgehenden Primaner 
statt. Mit der Motette „Du bist's, dem Ruhm und Ehre 
gebühret“, leitete der Schülerchor die Feier ein. Darauf— 
hielt der Oberprimaner Karl Gustav Leverkühn einen Vortrag 
über „Erust Curtius und die Grundlagen seines Wesens“, 
der Oberprimaner Kurt Peters über „Shaftesburys Unter— 
fuchung über Tugend oder Verdienst“. Nach dem allgemeinen 
Gesang „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ widmete als— 
dann der Direktor den Abiturienten eine von Herzen kom— 
mende Abschiedsrede mit dem Grundtext „Den Blick zum 
Besten, den Fuh im Festen“, einem Worie des ehemaligen 
Abiturienten des Katharineums Rochus von Liliencron. Es 
folgte die Einhändigung der Abgangszeugnisse, sowie die Ver— 
teilung der Bürgermeister Kindler-Prämie, die dieser 1842 
zur Erinnerung an sein Amtsjubiläum stiftete, an die Pri— 
maner Leverkühn und Peters. Den Schluß der Feier bildete 
der Chorgesang „Nun zu qauter Letzt“ von Mendelssohn⸗ 
Bartholdy. 
O Der neue Posteilbotendienst, Uber den wir schon ein— 
gehend berichteten, gelangt nach einer Bekanntmachung des 
Reichspostamts am 1. April auch in Lübeck zur Ein 
führung. 
Türkische Prämienlose. Seit einiger Zeit vertreibt eine 
holländische Bankfirma durch einen liesigen Vertreter türkische 
Prämienlose in Lübeck. Der Kaufpreis ist nicht auf einmal, 
ondern in monatlichen Raten von 5 Mizu entrichten. Bis 
zur völligen Abtragung des Kaufpreises bleibt das Los im Besitz 
des holländischen Bankfirma. Ter Käufer erhält einstweilen 
nur ein sogenanntes Zertifikat. In seinem eigenen Interesse 
wird das Publikum gut tun, vom Ankauf solcher Prämienlose 
Abstand zu nehmen; zum mindesten empfiehlt es sich, vor 
Ankauf bei dem zuständigen deutschen Konsulat über Ruf und 
Beschäftsgebaren der betreffenden Bankfirma Erkundigungen ein—⸗ 
uuziehen; denn es ist früher bereits vorgekommen, daß aus— 
ländische Bankfirmen Anteilscheine über Serienlose zwar ver— 
tauft haben, tatsächlich sich aber überhaupt nicht im Besitze 
der Lose besanden. Gerade bei ausländischen Firmen fehlt 
dem Publikum jede Kontrolle darüber, ob die Bank über— 
haupt im Besitze von Losen ist, ferner ob und mit welchen 
Treffern die Lose gezogen werden. Dazu kommt, daß die 
fragliche Firma durch ihren hiesigen Vertreter sich gerade an 
solche Kreise wendet, die von dem Wesen der Türkenlose im 
allgemeinen keine Ahnung haben dürften. Der Vertreter sucht 
nämlich seine Käufer in deren Wohnungen auf, dabei bevor— 
zugt er Angehörige des kleinen Bürger⸗ und Arbeiterstandes; 
überdies spricht er meist zu einer Zeit vor, wo die Männer 
abwesend und mir die Frauen zugegen sind. Die Frauen lassen 
ich in der Regel leicht zum Ankauf eines Loses bereden. Die 
Ausficht auf den angeblich hohen Gewinn jst um so verlocken— 
der, als ja nur eine Anzahlung von 5 Meverlangt wird. Die 
Beteiligten bedenken nicht, daß die Zahlung von 5Mäsich 
in jedem Monat wiederholt. In dem Prospekt werden die 
Türkenlose als Anlagepapiere erster Ordnung bezeichnet. Diese 
Behauptung ist direkt irreführend. Prämienlose sind ein Speku— 
lationspapier allerersten Ranges. Vor dem Ankauf können 
darum gerade die kleineren Spacer nur auf das dringendste 
gewarnt werden. 
Blumentage über Blumentage. Dem Konfektionär ent⸗ 
nehmen wir folgende Tabelle für Blumentage in Deutsch— 
land: 25. März: Plauen, Augsburg. 30. März: Nordhausen. 
2. April: Krefeld, Bayreuth. 8. April: Blumentag aͤn 
Württembera. 18. April: Meihßen, Dessau. 3. Mai: Balle. 
7. Mai: Remscheid. Saarbrücken. Köln. Stettin. Görlitz. Düssel⸗ 
dorf. 10. Mai: Krossen, Altenburg. 13. Mai: Dresden, 
Zwickau. 14. Mai: Elberfeld. 20. Mai: Breslau. 24. Mai: 
hamburg-⸗-Altona⸗Wandsbek, LAbeck. 25. Mai: AMachen. 
27. Mai: Leipzig. 28. Mai: Straßburg. Ende Mai, wie 
schon mitgeteilt, wahrscheinlich am Paradetag: Berlin. 
Die ersten Störche wurden Dienstag auf der Feldmark 
zwischen Alt-⸗und Neu⸗Steinbed ebei Gadebusch 
bemerkt. Freilich hatten die Herren Langbeine zu ihrer 
Antrittsvisite ein sehr unsauberes Kleid gewählt, wonach 
zu befürchten steht, daß wir einem nassen Sommer ent—⸗ 
gegen gehen. Eine alte Bauernregel besagt, daß Störche, 
die ihren Einzug mit einem schmutzigen Gefieder halten, 
die Vorboten seien Mr einen regnerischen Sommer. 
Strastammer J. Sitzung vom 17. März. Wegen 
nebertretung des lübeckischen Gesetzzes vom 109. Fe⸗ 
bruar 1896 und der lübeckischen Verordnung vom 4. Oktober 
1902 wird gegen den Direktor Dr. Ne. vom Hochofenwerk ver⸗ 
handelt. Am Sonnabend, dem 12. Februar 1910, hat in der 
Kantine des Hochofenwerks eine Festlichkeit, bestehend in musi—⸗ 
kalischen und theatralischen Aufführungen, an welche sich von 
—AO 
und zwar für die Mitglieder des aus Angehörigen des Hoch— 
sfenwerles bestehenden Gesangvereins „Glüch auf“, sowie für 
besonders eingeladene Gäste. Dr. Ne, der zugab, der Veran⸗ 
lalter der Festlichlkeit zu sein, hat diese weder polizeilich an— 
zemeldet, noch polizeiliche Erlaubnis eingeholt. Die Frage 
var nun, ob er damit gegen das Ibeckische Gesetz vom 
W. Februar 1896, betreffend die Erhebung einer Abgabe 
ron Lustbarkeiten, und gegen die lübeckische Verordnung, betr 
die äußere Heilighaltung der Sonn⸗ und Festtage vom 4. Okt. 
1902 verstohen hatte. Das Schöffengericht verneinte dies und 
sprach den Angeklagten frei. Auf von der Staatsanwaltschaft 
erhobene Berufung verurteilte das Landgericht den Angeklagten 
wegen Uebertretung der Verordnung vom 4. Oktober 1902 zu 
5 MuGeldstrafe, verneinte aber einen Verstoß gegen das Gesetz 
40n 1896 Gegen dieses Urteil feafen Staatsanwalfschaft unß 
Angeklagter Revision ein. Das Oberlandesgericht gab beiden 
Revisionen statt und verwies die Sache zur nochmaligen Ver—⸗ 
zandlung an das Landgericht zurück. Tas Landgericht habe mit 
decht angenommen, daß der Angeklagte durch Nichtanmeldung 
»er Festlichkeit und durch Unterlassung der Einholung einer 
Friaubnis gegen die angeführten Gesetzes- und Verordnungs- 
orschriften verstoßen habe. Es meine aber, Angeklagter könne 
vegen Uebertretung des Gesetzes vom 16. Febr. 1896 nicht be— 
traft werden, weil dieses Gesetz durch das Neichsgesetz außer 
Traft gesetzt sei. Tas Reichsgesetz hbestimme nämlich im 8 1: 
Alle Reichsangehörigen haben das Recht, zu Zweden, die den 
Ztrafgesetzen nicht zuwider laufen, Vereine zu bilden und sich 
u versammeln. Dieses Recht unterliegt nur den in diesem 
Hesetz und anderen Reichsgesetzen enthaltenen Beschränkungen.“ 
Ddie von dem Angeklagten veranslaltete Festlichkeit sei eine solche 
Bersammlung zu erlaubten Zwecken gewesen; in dem Gesetze 
om 19. Februar 1896 liege aber eine Beschränkung des Ver—⸗ 
ammlungsrechtes; es sei also, weil im Reichsgesetze nicht zu 
elassen und gegen dasselbe verstoßend, ungültig. Diese An 
icht sei in zweifacher Richtung irrig. Zunächst liege darin 
aß durch das Gesetz vom 19. Jebr. 1896 die polizeiliche An 
neldung von Lustbarkeiten vorgeschrieben sei, keinerlei Be— 
chränkung der Versammlungsfreiheit. Die Bundesstaaten seien 
weifellos berechtigt, für Lustbarkeiten Steuern festzusetzen. Auch 
das Lübecker Gesetz vom 19. Februar 18096 sei lediglich ein 
olches Steuergesetz, es lasse mit keinem Worte erkennen, daß 
s, wenn auch nur nebenbei, bezwedt habe, die Versamni— 
ungsfreiheit einzuschränken. Ferner werde das Gesetz vom 
9. Febr. 1896 auch deshalb von dem Reichsvereinsgesetz nich! 
erührt, weil Bälle, Tanzlustbarkeiten und ähnliche Veranstal 
ungen überhaupt nicht Versammlungen im Sinne des Reichs 
esetzes seie. Die von dem Angeklagten in seiner Revisior 
‚egen die Gültigkeit der beiden hier in Frage sommenden Ge 
etze gemachten Aussührungen jseien als unhaltbar zurückzu— 
veisen. Stattzugeben sei der Revision des Angeklagten nur 
nsofern, als die Anwendung des 8 7 der Verordnung vom 
J. Oktober 1902 seitens des Landgerichts nicht genügend gerecht 
ertigt sei. — Soweit war die Sache nun in Ordnung, und 
ie Verurteilung des Angeklagten wegen Uebertretung beider 
hesetze wäre wohl sicher gewesen, aber die Sache kam doch 
inders. Während der Angeklagte bisher immer zugestanden 
zatte, er sei der Veranstalter der Festlichkeit, behauptet er nun 
nit einem Male, daß er mit der ganzen Veranstaltung gar nicht⸗ 
u tun habe. Dieser Einwand ijn nach einer Zeugenaussage 
ichtig. Es mußte dechalb Freisprechung ersolgen, und die 
dosten mußten der Staatskasse auferlegt werden. Die Kosten 
»er Verteidigung der Staatskasse aufzulegen, wurde abge 
ehnt. Gegen die wirklich Schuldigen lann nun wegen inzwischen 
eingetrefener Nerjiährung micht mehr vorgegangen werden. 
S Freiwislig aus dem Leben geschieden. Heute morgen 
and ein Straßenreiniger am Ufer der Wakenitz in der 
stäße der Falkendamm-Badeanstalt verschiedene Kleidungs— 
tücke, bei denen sich Zettel befanden, auf denen ein H. S 
»rsuchte, die Sachen an die mitgeteilte Adresse gelanger 
zu lassen und von seinen Angehörigen Abschied nahm. 
Inzwischen war auch ein Tischlerlehrling H. S. als vermiß! 
emeldet worden, der gestern gegen Abend die Werkhkstatt 
eines Meisters verlaissen und seitdem verschwunden war 
da er davon gesprochen hatte, daß er sich in der Wakenit 
bas Leben nehmen wollte, wurde in der Nähe der Fund 
telle der Sachen die Wakenitz abgefischt und dort auch 
ie Leiche des Vermißten gefunden. Was ihn in den 
Tod getrieben hat, ist noch nicht ganz klargestellt. 
o- Diebstähle. In der Nacht zum Freitag, 17. März 
ind aus dem HSintergarten des Hauses Sophienstraße 28 von 
einer Wäscheleine 11 Paar schwarze und graue wollene Strümpfe 
sür Herren und Tamen abhanden gekommen und vermutlich 
gestohlen worden. Die Strümpfe sind mit den Buchstaben 
5. K., W. K. C. K. F. K. und E. D. gezeichnet. — Am Don⸗ 
nerstag, 16. März ist auf dem hiesigen Bahnhofe im Warte 
aal 4. Klasse ein etwa 60 m langer und 20 em breiter brauner 
Pappkarton mit der Aufschrift „Gerorg Hoffmann, Bandagist, 
zchwerin“, abhanden gekommen und vermutlich gestohlen worden. 
Der Karton enthielt: 1 getragenes, tariertes, dunkelgrünes Jackett 
ind ebensolche Hose, 1 weißes leinenes Hemd mit dem Mono— 
ramm J. G., 1. Normalhemd, 1 kieinen, unten links mit einer 
Blume verzierten Spiegel, 1 Haarbürste und 1 Paar getragene 
Filzpantoffel. — Einem Insassen des Heiligengeist-Hospitals ist 
zus seinem Schlafraume eine alte silberne Herren-Schlüsseluhr 
mit Goldrand abhanden gekommen und vermutlich gestohlen 
vorden. Die Uhr ist mit dem Namen des Figentümers „Jobann 
Sräger“ versehen 
Vereinigte Stadttueater. Lübeck. 
Zpielplan von Sonntag, 19. März bis einschl. Sonntag, 26. März. 
(Aenderungen bleiben vorbehalten.) 
März: NMeues Stadttheater. Anf. Ende 
Zonntag, 19. „Dos Käthchen von Heilbronn“. 2 514 
Sonntag, 19. Versiegelt“. — „Der Wildschütz“. 7 11 
Montag, 20. Erhöhte Preise! Letztes Gastspiel Eva 
von der Osten. „Carmen“. 75 10*8 
Dienstag. 21. „Ein Wintermärchen“ 78 103 
Minwoch, 22. Gasthpiel Fritz- Steidl-Ensemble. 
„Halloh! Die große Revue!“ 8 11 
Donnerstag, 23. Zum 1. Male! Neu! „Thalea 
„Bronkema!“. 75 10 
Freitag, 24. „Hoffmanns Erzählungen“. 4 104 
Sonnabend, 25. Neu einstudiert! „Die lustige Wiswe“. 75 104 
Sonntag, 26. 1. Vorst. im Mozart⸗Iyklus! Gastspiel 
des Kammersängers Francesco 
d'Andrade. „Don Juan“. 78 102 
März: Stadthgllen-Theater. 
Sonntag. 19. Ermäßigte Preise! Gahtswpiel des Fritz 
Steidl⸗ Ensembles. „Halloh! Die 
grotze Revue!“ 4 7 
Zonntag, 18. „Holloh! Die große Revue! 8 11 
MNontas. 20. „Halloh! Die große Revue!“ 8 11 
Ddienstag. 21. „Halloh! Die große Revue!“ 8 11 
Donnerstag, 25. „Halloh! Die große Revue“ 8 11 
Freitoa. 24. „Halloh! Die große Revue!“ 8 11 
Sonnabend, 28. Halloh! Die grohe Repue!“ 8 11 
Sonntag, 26. Ermäßigte Preise! „Halloh! Die 
F grohße Revue!“ 4 7 
Sonntag. 26. „Halloh! Die grohe Revue!“ 811 
In Vorbereitung: Mozart-Zytlus! Die Hochzeil des Figaro“. 
7 Die Entführung aus dem Serail“. 2Gamlpiele des Kal. Preuß. 
Kammersängers Vaul Knüpier 
Sansest aͤdte. 
Hamburg, 18. März Im Gewerbeverein hielt 
Joh. Hirsch einen Vortrag über die Aussichten und 
Rentabilitätsberechnung für eine allgemeine 
hamburgische Gewerbe⸗- und Industrie-Aus— 
stellung. Der Gedanke, in absehbarer Zeit in Samburg 
eine Gewerbe- und Industrie⸗Ausstellung zu veranstalten, wurde 
nerst 1908 unter der Aegide der stets für solche Ideen 
movsanalichen Vatriotischen Geselsschaft erörtert. Befremder 
rufßke bie damalige ablehnende Haltung ver Industrie— 
'ommission der Handelskammer, die diese mit Bedenken allge— 
neiner Art, darunter angebliche Ausstellungsmüdigkeit der Aus—⸗ 
eller, begründete. Wenn nun trotzdem die Frage einer Aus. 
lellung von neuem erwogen wird, so ist dies auf die kräftige 
Initigtive des Gewerbevereins zurücdzuführen. Viele Bürger⸗ 
zereine haben ihn dabei unterstützt. Verfolgt man die Ge— 
chichte der Gewerbeausstellungen in Hamburg, so kann man 
agen, daß sie sich eines stets wachsenden Erfolges zu erfreuen 
atten. In besonders guter Erinnerung steht noch die In— 
zustrie⸗Ausstellung 1889, die alle in sie gesetzten Hoffnungen 
ibertraf. In Frage kommen jetzt zwei Pläne, erstens 1914 
ruf dem Gelände des Ausstellungsparkes und des Heiligengeist— 
eldes eine Kunste und Gewerbeausstellung zu veranstalten, 
oei der man bei einem Voranschlag von einer Million Ein— 
wohner und 340 000 Quadratmetern mit einem Ueberschuß von 
iner halben Million rechnet, zweitens eine großzügige In« 
dustrie⸗Ausstellung 1918 auf dem Terrain des Stadtparkes und 
»er benachbarten Staatsgelände abzuhalten. Die Rentabilitäts— 
derechnung für diesen Plan nimmt bei 1200000 Einwohnern 
und 700 000 Quadratmetern den gleichen Ueberschuß von einer 
halben Million Mark an. Die gegen die Ausstellungen ein— 
ewendeten Bedenlen sind alle nicht stichhaltig. — Vor der 
zand will man nun versuchen, in Verbindung mit dem 
Zzunstgewerbeverein die Staatsoberhäupter der Stadt für diese 
Ideen in einer nachzusuchenden Audienz zu erwärmen. Der 
Borstand des Gewerbevereins wurde mit den vorbereitendes 
zchritten beauftragt. 
Dermischtes. 
Riesenjuwelenraub. Ter „Momento“ in Rom meldet, 
daß im Exprezzug Mantua-Modena ein großer Ju⸗— 
relendiebstahl ausgeführt worden ist. Der Wert der 
jestohlenen Gegenstände soll sich auf mehrere Mill. M 
zeziffern. Die Polizei ist in fieberhafter Tätigkeit und bewacht 
zie Ausgänge der Bahnhöfe. Bis jetzt ist es ihr jedoch 10ch 
rücht gelungen, der Räuber habhaft zu werden 
eueste Nacerichten und Telegramme. 
W. Berlin, 18. März. Unter den ersten Zeichen der 
Anteilnahme an dem Tode Friedrich Haases besand 
ich ein Telegramm des Kaißers an die Witwe 
des verstorbenen Künstlers. 
W. Berlin, 18. März. Die Generalleutnants Hasse, Kom— 
mandeur der ersten Division, v. Puttkamer, Kommandeur 
von Metz und v. Gersdorff, Inspekteur der Landwehr— 
nspektion Dortmund sind laut dem Militärwochenblatt in 
ßenehmigung ihrer Abschiedsgesuche mit der gesetlichen 
Pension zur Disposition gestellt. 
W. Potsdam, 18. März. Die Genehmigung des 
Vertrages der Stadt mit der Luftschiffbaugesellschaft über 
dis Anlage eines an der Havel zu errichtenden Luft4 
schiffhafens wurde in der gestrigen Sitzung der Stadi— 
verordneten formell vollzogen. 
W. München, 18. März. Die Postverwaltung löste in 
fünf Tagen über 192 Millionen Mark aus dem Verkauf der 
neuen bayerischen Briefmarken. 
W. London, 18. März. Der Westminster Gazette zufolge 
mird eine große Demonstration der Kirchengemeinschaften in 
England geplant, um deren warme Billigung der von Grey 
gehaltenen Friedensrede auszudrücden. F 
W. Wien, 17. März. Der Budgetausschuß des 
Abgeordnetenhaufses nahm das Budget des Landes— 
erteidigungsministeriums an. Der Landesverteidigungs— 
ninister erwiderte auf die vorgebrachten Anregungen und 
rklärte, die NfEußerungen Schillingers über den 
Weltfrieden hätten seine volle Zustimmung gefunden. 
Trotzdem in Deutschland die letzten glücklichen Kriege gewiß zur 
zebung des Volkswohlstandes beigetragen hätten, müsse jeder 
zernünftige zugeben, daß ein ewiger Friede in volkswirtschaft— 
icher Beziehung ein idealer Zustand für alle Volter wäre. 
Die Erfahrung in der Geschichte zeige, daß dieser Zustand 
mnerreichbar sei. Gegenüber dem Hinweis Schillingers auf die 
Friedensbestrebungen Englandse und Nord— 
aAmerikas weist der Minister auf die lolossalen Schiff⸗ 
hauten Englands hin, welches den Schiffbau der anderen 
Ztaaten genau verfolge und sofort überbiete, ferner auf 
die Modernisierungsbestrebungen der englischen Armee, un 
die Armeen des Festlandes einzuholen. Er verwies schließlich 
auf die Rede Roosevelts in der Berliner Universität im Ma 
1910, sowie darauf, wie energisch gerade jetzt die Union 
Teile ihrer Wehrmacht mobilisiere. 
Der Polenklub beriet in vertraulicher Sißzung über die 
hekannte Schänkerkonzessionsaffäre des Abgeordneten Paduch 
und beschlo, ihn aus dem Klub für ausgeschlofssen zu er— 
rlären. 
W. Troyes, 18. März. Die Aufregung nimmt im 
zanzen Weinbaugebiet zu. Allenthalben demissionie— 
ten die Gemeindebehörden. Die Winzer entfalten rote Fah— 
nen und läuten in den Dörfern Sturmglockken. Am Sonn⸗ 
taag planen die Winzer eine Kundgebung in Bar-sur-Aube. 
W. Verliun, 18. März. Das Kammergericht erkannte 
zesten auf Aufhebung der einstweiligen Ver— 
fügung des Landgerichts Berlin J. wodurch der Firaia 
A. Wertheim der weitere Abbruch des Seiten— 
luügels des Hauses 130 in der Leipzigerstraße untersagt 
vird. Die Firma ist daher nun in den Stand gesetzt, eine 
Berbindung zwischen dem alten Haus und dem Erweiterungsbau 
erzustellen. In der Begründung heißt es, daß Prof. Männchen, 
ver die Verfügung des Landgerichts erwirkt hatte, durch den 
Wbruch des Seitenflügels zwar eine kleine Beeinträchtigung 
ꝛrfahre, es kämen aber so große Summen für Wertheim in 
zrage, daß eine Beeinträchtigung des Mieters demgegenüher 
niicht ins Gewicht falle. 
W. Berlin, 18. März. Die Abenteuer einer 
alschen Hofdame, als welche sich seinerzeit ein junger 
Mann verkleidet hatte werden das Sdoffengericht am 31. Mär; 
reschäftigen. 
W. Horst bei Stiele, 18. März. Ein in Vermögens— 
ꝛerfall geratener Mühlenbesitzer jagte sich, als der 
VBersteigerungstermin für das ihm abgepfändete Mobiliar statt— 
inden sollte, in Gegenwart zahlreicher Kaufliebhaber eine 
Awsgel in den Kopf und brach tot zusammen. 
W. Berlin, 18. März. Die Zahl der Fälle, in 
»enen auf Eisenbahnzüge geschofsen oder geworfen 
rurde, mehrten sich in der letzten Zeit in auffälliger 
Weise, ohne daß es gelungen wäre, der Täter habhaft zu 
verden, Die Eisenbahnverwaltung entschloß sich, die auf die 
krmitteluna der Täfter ausgesekte Resohnung zunerhöühen
	        
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