Full text: Lübeckische Anzeigen 1820 (1820)

    
  
  
  
Mittwodh den 
19, 
Mpril 1820, 
—_— —— 
Verordnung, 
die Heilighaltung der Sountage und chriftlichen 
CE wie auch die Taufhandlungen hetref: 
end, 
Mir Bedauernhat Ein Hochedler Rath wahrnehs 
men müfen, daß die dem dffentlichen Sortesdienfte gewids 
meten Tage nicht allgemein heilig gehalten, fondern, mit 
Zurückfegung der ihren fromnıen Zwecken gebübhrenden 
höchften Achtung, und aller chriftlidhen Würde, durch uns 
unterbrochenen gewinnfüchtıgen Berrieb der Srwerbsbes 
fchäftigungen, (0 wie durch Stdrung des Sorresdienftes, 
amd unzeirige Bergnügungen, nicht felten entweihet werz 
den. Ze mehr die Erinnerung an die durch gdriliche Fürs 
gung überfandenen Drangfale, Und dieinnige Würdigung 
Der neuen großen Zeit, morin wir leben, jedes Gemürh zur 
Sammlung, in aufrichtiger Verehrung und Anbetung des 
böchfien We fens, mithin zur eifrigen Benußung der tirchs 
fichen VBeranfialtungen fimmen mügen, defio zuverfichts 
lichererwarter Ein Dochedler Rath von jedem hie; 
jigen Sinwohner, daß er auch im Aeuferlichen diefe heil 
fame Stimmung zeigen, und befonders an jenen Zagen 
Ylles vermeiden werde, mas damit im Widerfpruche feht 5 
mie denn die älteren darauf abzwefenden Verordnungen 
hiedurch erneuert werden, 7 
ährend des Vor: und Nachmittags; Gortesdienfies an 
Son und Feftagen darf überall nichts, auch fein Brod 
pder Fleifch, verkauft, noch ın Schenken, Wirtbs:, Raffecs, 
Öffentlichen Verfanumlungs häufen, oder ZuFeı ber (ds 
den, Einiges gereicht, noch darf irgend etwas gut ulder wers 
den, mas den Gortegdienft förr. An Sonn und Feßtagen 
darf in und vor den Kramläden, Werkftätten u. f. m. Nichts 
zur Schau ausseftellt, noch verkauft werden, (miewohl 
die Sewürzstäden nach dem Gortesdienfte’ gedffnct merden 
£dunen) und wird, weder in den Werkfätren, noch beiden 
Schiffen, Waaren, oder irgend einem Nahrungsbetriebe 
— Nothfälle jedoch, worin cine Difpenfarion ben den Hers 
gen der Were nachzifuchen; ausgenommen — das offerre 
Ylrbeiten nicht geduldet, Bor 4 Uhr Nachmittags, an 
Sonn- und Fefiragen, find öffentliche Mufk, Kegelfpiel, 
pder andere geräufchvolle Belufigungen, nicht erlaubt, 
Kaffen: Nebungen und Paraden der Bürgergarde, oder der 
Sarnifon, dürfen nur nach dem Vormittags: oder Nach- 
mittags Gortesbienfte gehalten werden. 
„Zugleich erneuert Ein Hochedler Kat bh biedurh 
diefrühereBerordnung wider das ungebühi lich langeAuss 
[an der Taufhandlung dabin, daß die Kinder (parfiens 
innen fech$ Wochen nach der Geburt Chnftig unausbieibs 
lich getauft merden ralıTen. 
Zn der Meberzeugung, daß diefe Anordnungen den Wün: 
  
{chen der chriflih GSefinnten nur entgegenkommen, un 
daher durch gutes Beifpiel vorzüglich werden aufrecht ers 
halten bleiben, find übrigens die Herren der Werke und des 
Landgerichts QeAUfIERGE auf deren firenge Beobachtun 
m machen, und die Webertrerungen durch Serbältmigmäf 
ige Geldbußen von zwen bis zehn Thalern, oder, nach Um 
fränden, dur angemeffene Sefängnıf ı Strafen, die In 
Wiederholungsfallen gefhärft werden, zu ahnden. 
Segeben Lübeck in der Rarhsverfammlung, den Toter 
Sept, 1814+ 
B. DH, Frifer, Secretarius, 
Erneuertes Regulativ 
über das Meffen und Wägen des Getraides und 
die Berhältniffe der verlehnten Kornmeffer. 
  
Nachdem durch dag Megulativ vom Toten No: 
yember 1817 neben dem Meffen des Gerraides , das 
Wagen denelben, jedoch fo, das cs in jedem einzelnen 
Falle der QWillkühr der Theilhaber überlafen geblieben, 
ob das Korn gewogen oder gemeffen werden jolle, voiz 
Jufig zum Berfuch auf zwey Jahre eingefübhrer worden ; 
hat Ein Hochedler Nach, in Uebereinfkimmung 
mit der Chrliebenden Blsgerfchaft, da während des nıumz 
mehr verflofenen zwevjdhrigen Zeitraums die Zwedz 
mapigfeir diefer Einrichtung fich ergeben, diefelbe für 
die Folge beuzubehalten, und deshalb, fo wie binjiche: 
lich der Verbältnife und Verpalicheungen der benm 
Mefen und Wagen des Gerraides auzukclenden Vers 
Tehnten, NMachitehendes zu verorduen befichloffen : 
rs. 1. Das Wagen und Meffen des Gerraides 
folf von dem Finanz: Departement an dreißig Ars 
beiter, welde den Nanıcn Kornmeffer führen, 
und des Schreibens Fundig fevn mügen, pachtweife zu 
Lehn übertragen werden, 
ve, 2. Dielen von den Herren der Wette zu 
beeidigenden Verlehnten kehrt das Mefen und Wagen 
des einfonımenden , ausgehenden und Hiefelbit verkauf: 
ten Getraides mit der Bejdhränkung ausfchließend zu, 
daßcs den hiefigen Bürgeri und Ginwohnern (ren bleibt, 
Getraide, welches zur Handlung beflimmt Ik, 8is zu 
einer halben Lajt einfchlicktich, und das hiefelbft zu verz 
brauchende Koch, fojera cs weniger als eine Luft beträgt, 
feldft zu meffen Und zu wagen, oder durch ihr Sejinde 
und ihre Gewerbsgehlülfen meffen und wägen zu la Ten, 
Art, 3. Die Arbeit wird von den Kornmellern 
in zehn Abrheilungen, fo daß jederzeit dren Verlehnte 
AT ben einem Scheffel und bey einer Wange 
arbeiten , reihenweife befchafft, n S 
Yırk, 4. Iede in Arbeit tohende Abtheilung bleibt 
fo Jange au der Neihe, bis (ie zwanzig Kalt Getraide, 
  
 
	        
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