Full text: Lübeckische Anzeigen 1810 (1810)

   
a 
Mittwochs den 
Belohnter Cdenrith. 
(Befdlug.) 
Crainvitte befieht den fchwerfien Kampf feiner Leidens 
jchafr > vergebeus verfolgt ihn Wdelens Bıl; Ledzen: 
fehaften vermögen die Zugend wog. zu quära, Doch 
nit fie zu untergraben, Am Ad nd eh: er zur Frau 
von Wagleres: er mil, bis zu Zeybiens Ancunft un: 
gertrenniich von ihr feyn. Er glaubte, fie allein zu fin: 
den; rau von Zoumilly, mit Ädelen, hatte er am 
wenigften ben ihr vermuther  e$ war inswilchen ganz 
narfırlıdi ; Fra von Zeumilly hatıe fi ın der Stadt 
Arirc und mußte ben denjenigen Perfonen Befuche abs 
{taten die fie in ihrem Zirkel münfchte. Ciamvile if 
verlegen, er wagt Feinen Laut; undbeweglich weiß er 
nicht, foll er bleiben, oder gehen; _ er erıöthet, ais 
hätte er ein Verbrechen begangen Frau von MWMagicres 
macht feine Kage nod) peinlicher ; fie führt ihn mut den 
Wortenzu Adelens Mutter: fehen Sie hiergnädige Frau, 
den edlen Freund, der, von meiner fchmerzlichen Unruhe 
erührt fein eignes Wohl vergeffend, fich meiner lieben 
opbie zum Befchüger anbot; fehen Sıe hier meinen 
Sohn, den Fünfrigen Gaiten meiner Tochter , den Zrofi 
meines Alters. „Ich Fenne Herrn Clamvillez, “ vers 
feste Frau von Zoumilly ‚ih Fenne die ganze Stärke 
feines Zarrgefühls und feines Cdelfinng. Welches weib; 
liche Wefen würde fich nicht glücklid) an der Seite eines 
Surten fühlen, der fo edler Handlungın fäbig it — 
was meinft du Adele?“ Adele {hlug fAyıchtern die Aus 
gen mit den Worten nieder: ih merde fehr glü Ef: 
lich fenn.“ Wer mabhlt Clainyilleng Erfiaunen ? 
2 Ddren Sie, mein Freund, hören Sie?“ fprach jegt 
Beau von Mazieres, mit einem Blik voll Liebe und 
üte; „„umarmen Sie Zhre SGartin:‘“— Meine 
Gattin?“ „, Wie, Sie zaudern, nehmen Sie Zhr Wort 
utfid 4‘ -— ,, Mein Wort? — Id halte e8 um zeden 
rei8, wäre er feibft mein Leben.“ — ,, Nun, fo ums 
Armen Sie Zhre Satrrin.‘““ — Wie — das Fräulein 
wäre?“ ... „Sie if meine Tochter , meine licbe 
Sophie, fie fehen in Frau von Zoumily, die Freundin, 
der ich fie nvertraure. “ — „, Gott, was hör ich! dies 
Glück, das ich, in meinen Fühnften Träumen nicht zu 
hoffen waste! . . .“ ,, Du verdienft es edler Menfch, “ 
rief Srau von Mazieres , mit Feuer, — „Wie, Sie 
täufchten mich ? “ „3c) wolite den Mann ganz ers 
gründen, dem ıcdh mein theuerfies Kleinod anzuvertrauen 
achte; die Sorge für Sopbhiens Glück mdge mich ents 
Aoulpigen. Du verzeihlt mir doch und bereuf nicht, 
er Stimme deines fd gehorcht zu haben?“ Glains 
Sale Rechen auf Aral" Go Begeiehı A U 
ubte wechfelnd auf 9 res, auf Ydelen, 
nd Frau von le BELEEA87 RT ft 
  
3. Dctober 1810 
  
Fiervalk Si tritt unterbisch die Stille, „Sie brims 
gen den Notar nıcht mit?“ fragıs Frau von Mazicres 
den Sintrezenden. „Er wirv gleich hter fenn, der Deis 
rachsfonıract if fertig, e$ fehlt nur...“ — die Wits 
ift und ihre Unterfchrifien,“ unterbrach ihn der Notar, 
der eben In die Thür trat. Er nahın Piaz an nem 
Zifhe.  , Gnädige Srau “ fragre ıerval, weich: 1Xits 
gave beflimmen Sıe Abrer Fräulein Tochter? cd nade 
Clainville herzuch lieb, ich habe ihm zıne gute Lutıhte 
verfprochen; muhin ....—“ „Aber, Sie Eınuen 
meine Bermödgensungtänden, je wijjen fo gut, wis ich, 
© $ ıch leider nicht Foviel geben Fan“ — Als Sie 
wünfchen; ich weiß fchon; indefen müffen Sie doch 
etwas augmer;en.‘ „Nun wohlan, es fen, verfente 
Seas von Wazieres, ich dem Korar zuwendend “ 1creis 
ben Sie: ich gebe meiner Enkelin, Sophie von Verlac, 
hundertzaufend Thaler zur Yusftattung, Die ich in die 
Hände des redlichien Wannes, meines alten Freundes 
jet val niedergelegt habe,“ - Bift dur zufrieden, Ciains 
ville? fragte Sierval Mchelnd. Clainville fürzt in 
feine Arme, dan drückt er (Anig Frau von Mazieres 
die Hand. „Ihre UYeberrafhungen,“ fpricht er zu ihr, 
„folgen nicht gut auf einander ; die erfie war fo unauSs 
fprechlich fü, daß fie mt: beinah jeves Sefühl für die 
‚weite raubr.“ — „, Beide haben ihren Werth,“ 
Tote Srival, „das mirft du mit der Zeit einfehen, “* 
Sie glaudten mich fehr arm, lieber Giamville,““ fo er 
Flärte ihm nun Frau von Mazteres das Närhfel, „ih 
hatte nur den Schein. Ich hatte mein VBernidgen nicht 
ganıy verloren, Fierval übernabm die Sorge den Re 
wuchern zu faffen, Sch befhränfre meinen Hausbha 
auf die unentbehrlich ten Bed miles meines $reundes 
Thärigkeit, einige verloren geglaudte Forderungen vers 
mebhrrzen Bermögen ; ich hätte zum iZhEıl wieder in 
meine alte Yedbensweife zurlftreten Fönnen; aber die 
Welt hatte ihren Neig ıfır mich verloren, An Enrfaguns 
en gewöhnt, beftinımte mich der Gedanke, den größten 
Ebel meiner Sinkänfte zurüczulegen, und fo Sophie 
ein Heirarhsgutzu fichern, zu Ihrer Zorrfekung, vefer 
Sedanke mar die Seele meiner ganırn Dandlungsweife 3 
urtheilen Sie nun, ob mir die Yusfübrung gelungen. “ 
Meine Bewunderung hufdigt Zhnen, meine Freundin, 
meine Mutter!“ — Kein Lob, Sininville, vieleicht 
überzeugen Sie fich bald, als Baser, daß Enrfar ungen 
die dem Slü geliebter Kinder geiten, Faum verdienfts 
lich find, 
Wer madhlt die Sntzükungen der Liebenden? Ihr 
Hochzeitsreft war Mil und ohne Prunk, wahres G:ück 
bedarf feiner nicht, Frau von Mazieres verürste fi 
im Glüg ihrer Linder. — Ter edle Ciamville blıe 
gut und edel, des Goldes Glanz vermogte nichts über 
den Adel feiner Secle; ihm huldigre fiess die Liede und 
  
  
 
	        
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