Full text: Lübeckische Anzeigen 1810 (1810)

  
EEE EEE TEE ET 3 VEN EEE 
  
  
Mittwochs den 16. May 
1810, 
  
Die Toilette. 
Eine wahre Anekdote, Aus ecinem Sriefe, 
  
Critianes Spiel des Zufall$ ! Was hat mid) gerettet? 
Eine Narrheit, Wem verdgnk ich’8, daß ich mit meiner 
Familie in jenen (Hrectlidhen Augenblifen Schus fand, 
Daß ich im ungeflörten Befig des Meinigen blieb, daß 
da3 furchtbare Gewitter, das fo vieie zertrümmerte , 
bey mir fchonend vorüberzog? — Jh fdhäme mich faß 
zu fagen, daß ich meine Ruhe, meinen Wobhlfiand nur 
allein einer Toilette verdanke, über Die ich alter Murrs 
Fopf ehemals viel geeifert habe, die id niemals fah, 
ahne meiner Tochter einen derben Berweis zu geben, 
and die ich gleich wieder fortfihaffen wollte, wie fie 
mir zum erfennal ins Haus Fam. So gleichen wir, 
troß unfers floßsen WeisheitsDünkels , oft den Wilden, 
die das Nüsyliche wegwerfen und Poffen eintaufdhen 
die fie für wichtig halten. Laß mich dir die Begedenheit 
erzählen; fie ıft fon deswegen merbolürdig, weil ein: 
mal eine Familie durch ein folches Ding gerettet worden 
ift, das ben unzähligen andern grade das Segentheil 
pewirfte, 
Ss find nun einige Zahre, als ih nach Span ging. 
Zeh hatte mich lange gegen die Reife geflräubt ; aber 
die Weiber find gläubige Seelen, Mein Arzt demon; 
firirte, meine Frau glaubte, mein Kopffchütteln half 
mit nichts, und Ich ward wohl eingepackt der wunder: 
thätigen Heilquelle zugefchickt. Meine Frau und Emilie, 
meine ältefte Tochter, begleiteten nich. Yuf der lepten 
Station vor Span follte ein Mittagsmahl ci 
einem Nebenzimmer vor fidy gehen, trat cin junger 
Wann in dıe Stube, der eben in einer (eichten Courier: 
Aaife angekommen war, Frohfinn und Lebensluß, und 
das behagliche Scfühl, daß er umd die Welt auf dem 
beflen Fuße zufammen fanden, fürachen aus feinen Mie- 
nen. Eine Kokarde an feinem Huthe und Pine freie 
froße Haltung bezeichneten ihn als Militair. Ic alter 
Krüppel erhielt ein leichtes Kompliment, die Murter 
ein refvectvolles, die Wanfell Tochter ein artiges, 
Sohann mar beordert worden, daß nöthige ‚Dandwerks; 
zeug zur Dekoration der Damen aus dem Wagen m 
holen; man hatte e$ nod) diefen Morgen geraucht, — 
e$ mar nirgends zu finden. Mit diefer betrübsen Nach: 
richt, und einen noch Scträbteren Gefichte trat jest 
Sohann ins Zimmer, Nicht möglich! der Spiegel, die 
Känıme, die Nadeln, der ganze Toilettenkranı verlohren ! 
und gerade in diefjem entfheidenden AYugenblick, eben 
bey der Zurüßung zu einem, wenn auch nicht glor: 
reichen , doc) gefälligen Eirzug in Span! Die Weiber 
waren in ihrem ganzen Operationsplan gefiert; und 
wenn auch die meinigen grade nicht zu den eitfen ges 
hören mögen: fo iR doch in folchen Fällen das ganze 
Sefchlecht üch gleich, Ich fa Ri da, und wußte feinen 
andern Troft, al$ etwa den Toilettenapparat des Herr 
Rofincjjters. Yder der junge Herr war mit einem 
Syrunge zur Thür hinaus, und in wenig Augenbiken 
fand das niedlichfte Reife Neceffaive, das nur je über 
den Canal Herüber gekommen war, zum Dienfte der 
Damen da. (Der Befhluß folat.) 
  
werden. Wir waren in der Stube des VPoftmeifters. 
Ich faß mit meinem gichtifchen Arme in einem alten 
Fehnfiuhl, auf weichem fchon mancher Hoffnungsvolle 
auf der Hinreife, und mancher Betrogere auf der Rlücks 
reife gefeffen haben mogte, und bedachte in meiner 
grießgrämigen Laune, daj das auf der Lebensreife fbers 
Haupt fo Mode wäre. Die Weiber dachten an andere 
Moden. Wir wollten ja ig wenigen Stunden in Span 
einziehen; da mußte der Anzug geändert, oder wenigs 
fiens der Kopf zurecht gefegt werden. Während der 
Vorbereitungen dazu, denn die Ummandiurg follte in 
SIufßtiz- und Polijey Sachen, 
Bekanntmachung, 
n Folge Neferipts_ aus der Durchlauchtigfier 
Sum Ef an den Stadt: Magiftrat haden Sr. 
Königl, Wajeftät unterm 20. März d. Z. zu genehmigen 
Alergnädiglt geruher, ua — MEN 
der hicefige FaßtenmarEkt un aefigmartt, weiche 
yertnis nur HM ag, nemlich den Montag geflanden, 
zmwey Tage, den Montag und Dienftag nat - 
r Martini: Markt, weldjer vorinals a 
PS bis zum Donietfiag incl. danern, aber 
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