Full text: Lübeckische Anzeigen 1809 (1809)

  
Xübeckitche 
AD 
At 
Sonnabends den 
    
? Mnzeigen. 
28. 
8. April 1809. 
  
Ueber eine Erfcheinung auf der hirfügen 
VühHne. 
  
YHıs einer hühern Kegion der Kunft Keigt die Künf, 
lerin zu ung, die wir mic Enrzücen, mit Bewunderung, 
die holde Römerin darfiellend, fahen, weiche einft des Nds 
mervolfs Srol, und der Cafarenfamilic Zierde mar; die 
Sarrin des milden Antonius, die Schweler Yugufis, 
die Freundinn Birgils , deren Thräuen , deven RühHrung 
bey dem „Tu Maxcellus cris‘“ des Diciers, cben (0 
berühmt, und des Yufbervahrens für die fpärere Nach: 
welt eben fo würdig ik, als der herrliche Sefang felbft. 
Sanz diefelbe holde Fran, die zarte Mutter, die treue 
DBürgerin Noms, die Fürfin war vor ung, Nils 
hatte die Künfllerin verfäumt zur Vollendung der Dar 
fiellung. Yu ihr Eonnte man befonders bemerken, das 
Tiefgedachte des Ganzen und des Einzelnen, fo daß dies 
fe$ in der volllommenjten Harmonie, in dem genaueften 
Ebenmaß, fich zu jenem fügte, Wie richtig, wie (hön 
accentuirt , wie (ebendig , wie voll Neberzeugung, wie 
Ear für Herz und Berftand ward Ylles von der Künfts 
lerin ausgefprochen! Wie traf alles, was treffen fol; 
und welche feelenvolle Töne in die Gemlther der Zus 
fhauer unwiderfchlich hineindrangen , gleich Yedis 
Hauch in die Saiten der Harfe! Und doch, nit wel 
Her Abgemeffenheit und weifer Sparfamkeit aller Ges 
berden , aller darfiellender Kräfte, brachte die Künfilerın 
die größte Wirkung hervor! Kräfte werden gar zu oft 
verfchmwendet, ohne das Ziel zu erreichen. Hier murde 
ficher und feßt, mit leichter Anfirengung , getroffen, 
weil — richtig gezielt murde! Was lag nicht 
alles in einem ruhig hingeworfenen Blicke der DOkravia, 
in der Biegung des Tons bey einem einzigen Worte ? 
Nur anhaltendes und mit Liebe getriebenes Studium, 
von einem heilen, gebildeten Seife, von einem zarten 
Gefühle unrerfügt, vermag eine folde Vollendung zu 
bewirfen. Yufland und Sang, waren an der Künfs 
lerin, edel, beftimmt, leicht, und voll Bedeutung. 
Selbft der Anzug war höchft fhicklich, und erinnerte an 
manchem Werke der alten Bildnerey. Wäre, neben fo 
Diel vortreflichenn, noch Etwas zu wünfdhen hbrig ge 
fen, vielleicht wäre e$, hie und da, In dem römifchen 
MWeibe etwas nıchr von diefer Energie und Majefär, die 
Kom allen feinen Kindern gab, und wodurch fie ein 
gleichfam Folofatifches Anfehen gewannen; zumal day 
wo der Republik und ‚des Interene des VBarerlandes ers 
wähnt wird. — Dody weiß die gefchiekte Künftlerın, (die 
felbit das Mechanifche ihrer Kunf in großer Acht 
nimmt, wie wir e$ deutlich) bemerkt haben) wie 
weit ihr phnüfches Bermödgen reicht ; — und möglıch if 
es auch, daß fie das fchdne Bild der Sanfımurh und 
der Hingebung, die der Dichter, an der Hand der Ges 
fchichte, au’fellte, nicht dur fremdartige grelle Züge 
entfielen wollte? — und dann dürfre diefe leife gewagte 
Küge, id in ein laures Lob der veffern Einficht der 
Künftierin verwandeln, - Wie es dem fey, fo bleibt es 
ohıre Zweifel, daß unfere vaterländifche Bühne, über 
die fohtene ErfHeinung, fh SGlü wünfchen Fann. — 
Und denn, mag dies die Beranlagung werden, daß Berf. 
‚obiger Zeilen, bey Fünftiger Wiedererdffnung der theas 
tralifden Spiele, einige Betrachtungen über die dars 
Kellende Kunft, in diefen Blätzern mirtheilt, 
Suftizs und Polizen-Sachen. 
Vorladungen. 
Da der vormalige Ca Auguft Friedrich 
Barg nach feiner bereiss vor verfchiedenen Jahren ges 
fiorbenen Ehefrau Sıufanua Margaretha, geb. BY Rede, 
vor Furzem mir .O’nterlaffuug eines zwifchen ihnen g egens 
feitig errichteten Teftamenes und nıchrerer zum 32 beiß 
abwrfenden, u%D theils gänzlid) unbekannten Erben, in 
der a Wolterskraug , hieflgew 
YUmes, aleichfallg mit Zode abgegangen; (fo if meget 
Statt findender gerichtlichen Behandlung gedachter Bern 
Taffenfchaft, Behuf deren Regulirung und Thelung die 
Erlaflung eines öffentlichen Droclams erforder Id) befuns 
den worden, Es me: den demnach hiedurch alle und jede, 
welche an dem gefammrten Nachlaffe obgedadhter ve: kors 
benen Barafıken Cheleute einige Erbaniprüche oder 
fonftige Forderungen, leßtere rühren her aus welchem 
Grunde Ne immer wollen, ıu haben vern einen , fers 
ner diejenigen , die der Maffe ermas (huldig find oder 
Sachen daraus in Händen haben möchten, hledurch eins 
für allemal, mithin peremtorifh , (ub poenı pracclufi, 
dupli, amifß juris und anderer rechtlichen Strafe citirt 
und Befehligt, fi auf der Königlichen Amtsftude zu 
 
	        
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