Full text: Lübeckische Anzeigen 1799 (1799)

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Libeeifhe Anzeigen, 
  
5s5ftes Stück, Munvochs den 10, Yuly 1799. 
Bon den Bettwanzen. 
CC ie Bettwanzen haben ihren Urfprung nicht aus 
dem Schweiße oder verfanften HNolze, wie ed 
einige Leute glauben; fondern fie zengen fich felOfE 
durch die Begattuug, wie andere Iufecken, und vers 
anehren fidy an cinem warmen Und dumpfin Orte, 
100 fie ihre Nahrung in der fhmukigen Schlaffammer 
finden, Sıe werden gemeiniglich mit alten Dereftellen 
oder in den wollenen Kleidern geringer Leute von 
einem Haufe in ein andree, wo Feine Warzeh vorber 
fi haben bemerken Laffen, gebracht, DSIhre narlrliche 
‚Heimath it im Murgenlande, woher fie vormals mit 
den Schiffen in Europa eingeführet fund. 
Sie ruhen bey Zage an verborgenen Stellen, und 
bey Nachte wandern fie in dem DBerte herum. Ihre 
Schlupfivinfel find die Rigen der alten Mauern, der 
hoble Raum hinter den Panelen und Tapeten in 
warmen Schlafzimmern, die Zapflicher und Minen 
an den hölzernen DBeitficllen, die Löcher in den von 
Meideuruthen geflochrenen BettFörben, die Falten der 
wollenen Betrgardinen, und die alten Bücher, weiche 
in einem augeffecften Schlafzinuner Kegen. 
Sie Leben nur eine furze Zeit im Sommer und 
frerben gegen den Herbft, nachdem fie eine große Ynz 
zahl Eyır oder Niffe geleget haben, welche fe Heben 
wie die Eyer der Schmeiterlinge von den Seidenz 
wärmern, Diele werden im Sommer von der Wärme 
wieder Gelebet nnd ausgebrütet. 
Sore Nahrung fuchen fie bey den fohlafenden 
Menfchen, welche eine dünne Haut haben und des 
Nachts f(Arvigen. Diefen fangen fie das Blut aus, 
vornemlich auf den Händen und Sefichte, wo hernach 
Heine rothe Beulen entfliehen, die ein Iucken erregen, 
Eitige Menfhen, welche eine derbe und felte Haut 
aud) des Nachts eine flüchtige NAusdünftung haben, 
werden von ihnen nicht angegriffen. Wenn Fein Menfch 
in etligen Wochen Aı einen fuichem angeftecten Dette 
fehläfer; fo fuchen fie ihre Nahrung in der FeuchtigFeit 
des alten Strohs in dem Bette. Inu Ermangelung 
deffelben, verzehren fie (ih felbft unter einander durd 
das Ausfaugen ihrer Säfte. 
Bon ihren hefondern CEigenfhaften weiß man nun, 
daß fie die Warme, die dumpfigte und feuchte Lufr, 
die Dunkelheit der Nacht, und die Unreinigkeit in 
dem Zimmer lieben: daher fie (id) bey geringen und 
fomußigen Leuten am meiften aufhalten und Nahrung 
  
finden, Hıngegen fbeuen fie das helle Licht, die Kälte 
uud feife Bugluft; au fichen file vor dem Rauche 
und Seruch aller Hart und widerlich ausddmpfender 
Sachen: dergleichen find der Dampf von brennenden 
Srunfohlen, von Schwefel, von nafgemachtent 
Schiefpulver, von Terpeutien Del, von panifcheut 
Yfeffer, von Alantwurzcl, von Zoback und Beruftehn 
imgleichen der Farke Geruch von Theer, von Dagen, 
yon Zuchtenleder, von Polt, von Calınus, von Hanfe, 
yon NMobertsfraut, von Aktig, von Walnußblärteru, 
von Fuegenfchwanm, von Campher und Sajeputöl. 
HNir allen diefen Mirtehn Fan man bie Wanzen 
zum Theile tödeen oder wenigen verjagen, Wenn 
fie aber tiefe Schlupfwink I haben, wo der Rauch oder 
der frarke Seruch nicht ganz hinein dringen Fann, fo 
flüchren fie dahin und Bomumen Wieder hervor, nadhs 
dem der Geruch fich verfohren hat, Zudem werden 
die Eyer oder Niffe_davon nicht angegriffen, welche 
in dem folgenden Sommer von der Wärme wieder 
helebet werden und von neuem hervorkommen, Es 
helfen alfo diefe Hülfgmittel nur eine Zeit lang, wenw 
die Anwendung derfelbın nicht wiederhohler wird. 
Weil aber divfes gemeiniglih vergeffen ober verabs 
fAumet wird, fo ite8 rat famer fie fanıme ihren Cyperwz 
gänzlich augzuorteN, 
Die Ausrottung Fann auf folgende Weise 
gefcheben; nachdem das Zimmer völlig ausgerdumt 
ift, (äffet man die Panele und Zaperen Losreiffen, 
und fucher die Derker des Aufenthalts der Wanzen 
auf, welche man gemeiniglich in den Fugen oder Nigen 
der Mauer, und des Führnen oder Tannen Holzes 
finder, Hierauf füller mau das Zimmer mit den 
Rauch von Steinkohlen, oder von Schwefel, oder 
naßgemachtem Schießpulver völlig an, und (Äffet 
deufelben darin 24 Stunden Fehen, wodurch die 
MWanzen erftihet werden. Falls num an folgendent 
Tage noch einige Ichendige Wanzen in den Niger 
gefunden werden; fo muß man dag Miuchern auf 
gleiche Weife wiederholen, Nach einigen Tagen wird 
ein Maurer beftellet und ihm befohlen alle offene 
KRigen der Mauer mit einem großen Nagel rein auss 
zufraßen und fie mit einer fharfen Kalch-Lauge auss 
zupinfeln, und hernach fie mit Segeberger Kaldhe 
oder mit Sipfe auszufüllen. Nachdem die Fugen 
auggetrochnet find, läffet man alle Wände an att 
der Panele und Tapeten mit Kaldge oder SGipfe der 
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