Full text: Lübeckische Anzeigen 1798 (1798)

5) Ziff die Ruhr wir’lich in einem Orte, fo Halte feiner SGebrechen zu haben, ih der Heilung der 
aa fh zwar, wenn es fi Füglich tDun läßt, von 
den Kup, franken euifernt; fanır man aber den 
Amgang mit derfelben nad) feiner Pflicht nicht 
vermeiden, und Legen Gefonders die Angehörigen 
felcft darnieder: 10 falle man nur einen guten 
Mh, gehe jedoch nie nühHtern zu einem Ruhrz 
Franken, und fpuce, fo lange man bey ihm if, 
den Speichel aus, 
YnmerFung, Dir gute Muth if vorzüglich fedr gu 
empfebien, Denn wer fig vor einer anflıcenden 
Krankdeit (heut, wird, der Erfadrung zufolge, 
zebnınal Leichter davon defallen, als eıner, Der Das 
Dei odne Furcht 18. 
6) Die Epfremente des Kranken entferne man, 
fobald ale möglich, nicht nur aus der Siube oder 
Kammer, wo er fih befindet, fondern audh aus 
dem Haufe. Wer dieles verrichtet, binde fi, 
allenfallg nut einem von Effig angefeuchteten Zuch, 
Ben Mund und die Nafe zu, Hütte dann mit abs 
gewandter Gefichte den Abgang in ein eigenes tief 
Auggegrabenes, in einem entfernten Winkel geles 
genes Lo, und werfe etwas Erde darüber, 
YnmerFung, Dieß (6 cine der wefentlichften und wich 
tigften Worfichtsregeln ; denn nichts if fo anfeckend 
We en NMudrEkvankbheit, als die Speremente „kr Pas 
Ac.ECN, 
7) Man zünde in der Krankenftube fters Wachs 
Holderelig, oder in deffen Srmangelung einige 
Spähne einer foldjen Holzart an, die eine hell dos 
dernde Flamme giedt, befprenge fleißig die Stube 
mit EBig, und erneuere von Zrit zu Zeit die Luft 
durcy Deffnung der Fenfter, wobei man fh jedoch 
Hüten muß, daß an den Kranken Feine Zugluft gehe, 
and daß die Luft in der Srude nicht ganz Falt werde, 
Anne Kung. Die Befosgung diefer Regel if nicht 
nur für den Kranken felbß, fondern auch für diejes 
gıgen von febhr guten Mugen, die um ıdn fevn 
müfen. ABes Mäuchern hingegen, das trockene (os 
wohl alg das feuchte, ıfß dem Kranken nachtHeilig. 
8) Berfpürtmanan fiH oder den Seinigen wir fs 
Kch die erften Zeichen einer wahren Ruhr — näms 
Lich ein fehHr empfindlidhes Schneiden im Unterleibe, 
mit hefsigem Drängen zunr Stuhlgange, wobei, 
unter femerzhaften Empfindungen , ein weiffer 
Schleim, mit mehr oder weniger Blute vermifcht, 
abgeht — fa vertraue man fiH unverzüglidy der 
Hütlfe eines gründlid) unterrichteten, erfahrnen, und 
von der Obrigkeit approdirten Arztes an, unter defs 
Jen zwee£mäßigen Behandlung die Krankheit nur 
felten einen tödtlihen Ausgang haben wird, Keis 
Neswegen aber feke man fein Vertrauen auf Leute, 
Die, offne die nöshigen Kenniniffe des Körpers und 
feßten eigenmädchtig anınaßen, und durch Srofifpres 
hereien und Prahien mit einigen fbeindar glüde 
lichen Kuren bet LidHtgläubigen (ih Anfehen zu gez 
ben willen, gemeiniglich aber diejenigen um Seid 
und Sefjundheit bringen, welche unvorfichtig genug 
find, ihrem Detrügerufchen Reden Schör zu geben, 
AnmerFung, Man fonır die Befolaung diefer NMegel, 
an die befonders der Landmann fo fchwer zu geden 
EDEN TEE 8 ade ul abe ge 
inden Du nes erfahrenen Arztes t 
Diefer Krankhert alles ab. Aa 
9) Eben fo wenig nehme man feine Zuflucht zu 
fogenannten Hausmitteln , follten fie au noch fo 
Fehr angepriefen werden, vorzüglich aber Hüte man 
fi vor allen jolchen Mitteln, womit man die Ruhr 
gleich bei ihrem Anfange zu ftopfen fucht, als mo: 
hin befonders alle mit DBrandtwvein bereitete, dess 
gleichen alle gewürzhafte Mittel. gehören, die zu 
Anfang diefer Krankheit allezeit Außerft gefährlich, 
N oft tÖdtlih, und daher wie ift zu verabfheuen 
ind. 
AnmerFung, Sin näherer Unterricht über das Ders 
WEI in der Krankheit feldft und die zur Heilung. 
efielden anzumendenden Mitrel Fann bier Feiness 
weges ertheult werden, weil nicht nur fhon wegen 
Merfchiedenheit der NMaturemn die Krankheit Ach gar 
oft verfchiedenartig benimmt, fondern meil es auch 
überhaupt gar mancherlei, bloß von cinem erfahre 
nen YArzte zu untetfchzidende Gattung der Muhr 
giebt, deren Hülfsmittel fo verfchieden find, daß 
dasjenige, was bei der einen fehr nüglıch märe, der 
ber andern vieleicht Außerß getährlıch feon würde, 
Die Verordnung der Heılmittel feldft bleıdt daber 
Tediglich dem Ermeffen desjenigen Arztes überlaffen, 
dem man fein Vertrauen fchentt, Sollte die Kuher 
wirklich feuchenartig an einem Orte fenyn, fo wird 
ohnehin der Dhoficus nicht ermangeln, fh dfters 
dafeldbE einzufinden, und allen denen, die Ihr nıcht 
fehlechterdings zurückweifen, feine Hülfe darzubicten, 
ro) Sm der Zwifdhenzeit, bis der Arzt Fonmumt, 
fann man Ehamillen; Thee und fauwarme Milch, 
mit Waffer verdünnt, Häufig trinken, 
ıı) Alles, was den Kranken ärgern und unruhig 
machen Fönnte, fuche man forgfältig von ihm abzus 
Halter, laffe ihn übrigens fo lange, bıs die Krank- 
heit gehoben if, nicht aus dem Bette, forge für 
ftete Neinlichkeit feines Lagers, und befolge auf 
das genauefte die Anordnung des Arztes, 
Wenn man diefen Vorfichtsregeln und Vors 
fehriften nachkommt, wird man entweder ganz von 
der Ruhr befieiet bleiden, oder dafern man je dar 
von befallen werden follte, doch mit der größten 
MWahriheinlichkeit eines glücklichen Ausgangs der 
Krankheit (ih zu erfreuen haben, 
—_ wur. 
(977
	        
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