Full text: Lübeckische Anzeigen 1793 (1793)

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Qbeckitche Munzeigen 
yon allerhand Sachen, deren Bekanntmachung dem gemeinen Wefen 
ndthig und nüßlich if, 
saftes Stück, Sonnabends den 29. Zunli 1793. 
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—— 
  
  
Bon der Wuth der HUNnDe. 
(Fortfegung.) 
Die dritte Regel der Borficht heftehet darin, daß man die Urfachen der Krankheit ausforfhe, und 
durch deren Yufhebung das Uebel zu verhüten, oder wenn e& möglich wäre, gänzlich auszurotten 
fuche, , Mean hat bishero wenig darauf geachtet, und cs fehlet uns daher in diefem Stücke an richs 
tigen Erfahrungen, Derowegen wilk ich nur das wahrfcheinlichfte hievon anführen, um die Yäger 
anzureibßen, genaue Beobachtungen und Verfuche hinführa darüber anzufiellen, Die würkende oder 
nächste Urfache der Wuth fcheinet eine außerordentliche Schärfe zu_feyn, welche zuerft den Umlauf 
Des Bluts und der Säfte in große Unordnung bringet, fo daß der Schlund und die Zunge (amt den 
Speicheldräfen auffchwellen, ferner die Nerven famt dent SGchirne gewaltfum angreifet , und zuleßt 
einen giftigen Spyeichelfluß mit der Wuth erreget, Die entfernten und gelegentlichen Urfachen, welche 
den Körper zu der Krankheit fähig machen und die obgenannte Schärfe hervorbringen , find erftlich 
großer Durft bey der Ermangelung des reinen Waffers, 2) fanles und mit Würmern angefülltes Waffer, 
wenn der Hund aus Noth foldheS trinken muß, 3) fauler oder fcharfer Fraaß, als fakend Waß, 
ewürzte Brühen, und würmichter Näfe, 4) Unreinigkeit des Lagers, 5) Räude oder Kräße, wenm 
e vor ber innerlichen Meinigung des Körpers mit äußerlichen Urzeneyen zu frühe vertrieben wird, 
6) Würmer in der Male und in den Eingewelden, 7) übertrichene Crhigung im Jagen, abfonderlich 
mwenn das nöthige Tränken und die langfame Abkühlung verfäumet wird, heftiger Zorn, wenn der 
‚Hund zu oft dazu angereißet wird, abjonderlidh ben heifen Wetter, me Gud) ben der Begattung £ 
indenn er mit einer Heinen Hündin, welde er wegen feiner Größe nicht belegen Kann, viele Tage 
Herumläuft und mit feinen Mithulern fich oft herumbeiffet , auch bisweilen in heftiger Kälte auf der 
Baffe licgen bleibet, 9) lange anhaltende Dürre, große Hike und farker SFroft, 10) ein plöBlicher: 
Uecbergang aus der ftarken ‚Kälte in die Hiße, wenn entweder die Witterung fich alfo verändert, oder 
ein Hund, der eine Zeitlang in ftarker Kälte gelegen, fo gleich unter den heiffen Ofen Friechet, 11) 
führen Een fögenannten Tollwurm als die vornehmfte Urfache an, nach einer fehr alten, unges 
gründeten Meinung, welche fie noch ohne genaue Beobachtung wider die richtigen Erfahrungen bes 
Haupfen: ob man ihnen gleich bewicfen hat, daß e$ Fein Wurm, fordern eine Schne in der Zunge 
ift, die ben der Wuth zwar auffchwellet „. aber nicht Lebenbig wird, wie fie aus Borurtheil dafür 
Halte #). Endlich 12) ift die Unftekung bey den mehreften die Haupturfache davon, nachdem fie 
bey einem Hunde zuerft urfprünglich entftanden {ft 
Sefchichte Jäger mögen hinführo nun Achtung geben, ob bie angeführten Urfaden durch die 
Erfahrung beftätiget werden, und ob fie nicht noch andere zum allgemeinen Beften entdecken Fönnenm,. 
Sie müffen aber nicht glauben, daß eine Urfache allein, ohne die Anfteckung , diefe8 graufame Webel 
ererege; fondern daß einige davon vorhergehen, welche eine BED Leibesbefchaffenheit bey dem 
‚Hunde machen, und alsdenn eine gelegentliche Urfache Cals große Hike, oder farker Froft, oder plößz 
Tiche Abwechfelung der Luft, oder heftiger Zorn) dazu Tomme, und die Krankheit zum Ausbruch bringe 
Will man nun die angeze ten Urfachen aus dem Wege räumen, und ihre böfe Würkung, 
nemlich die Zollheit verhüten; fo Rebe man erftlich dei Hunden, abfonderlich die an der Kette legen, 
täglich reines Trinkwaffer hin, daß fie nicht aus Durft gendthiget werden aus den unreinen fen 
"77*) Siehe den Beytrag zum soßen Stht der Lübegilchen Ynaeigen, wie Aush das safe Stüg 1782,
	        
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