“ LUBECKISCHE BLATTER
1€ HERAUSGEG EBEN VON DER GESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNUTZIGER TATIGKEIT
SCHRIFTLEITER: DR. PHIL. EBERHARD GROENEWOLD
LU B E CK, DEN 3. A P RIL 1976
EIN H U N v E Rr s e e n s UN o d REIS s 1 6 5TE R I HR G A N G . N U M MER 7
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Mithelfer für das Ohernanrecht gesucht! - Fehlanzeige!
In der letzten Nummer der Lübeckischen Blätter hatten wir um Mithilfe für Annahme und Aus-
gabe unseres Op ernanrechts gebeten, weil die beiden Damen, die bisher in dankenswer-
hrung ter Weise über viele Jahre diese Arbeit gemacht haben, nun hier ausscheiden müssen. Wir
brauchen also Ersatz, weil wir ohne ehrenamtliche Mitarbeit von Mitgliedern dies Anrecht
nicht durchführen können.
Deshalb wiederholen wir unsere Bitte: Wer ist bereit, mitzuhelfen? Wir erbitten Anruf an unser
tlry unter 7 be 54 oder ab 15.30 Vhr an Dr. Sander unter 6 33 18, um einen Besprechungstermin
Lübeck, Weltstadt des Mittelalters
Fragestellungen und Konzeptionen archäologischer Rettungsgrabungen
Die Städte und die unbekannten Wurzeln unserer Das deutsche Lübeck, erste abendländische Stadt an
Kultur: der Ostseeküste:

Unsere Kultur und Zivilisation sind weithin von Welches Gewicht die Gründer des deutschen Lü-
den Städten geprägt. Doch sind die Wurzeln dieses beck. insbesondere Graf Adolf von Schauenburg,
abendländischen Städtewesens ebenso vielfältig wie der slawischen Siedlung beimaßen. erhellt schlag-
ungeklärt. Die Schriftquellen verraten nicht. ob die lichtartig aus der Übertragung des slawischen Na-
Wurzeln unserer Römerstädte an Rhein und Donau mens Liubice auf die sechs Kilometer fußauswärts
wirklich ungebrochen bis in die Römerzeit zurück- vollzogene deutsche Neugründung. Man wollte auf
reichen und wann, unter welchen Umständen, cs im das Renommee des bisherigen Fernhandelsplatzes
Norden zu den ersten ,nicht-agrarischen“ Siedlun- offensichtlich nicht verzichten. Lübeck als die erste
gen kam. So war es der Archäologie vorbehalten. abendländische Stadt an der Ostseeküste wird dann

niere, Y wenigstens an einigen Plätzen grundlegende Er- hbinnen kurzem zur „Drehscheibe des nordeuro-

te ? kenntnisse für die Geschichte des abendländischen päischen Handels“, bald zum Haupt der Hanse so-
Städtewesens zu gewinnen. wie zur Mutter zahlreicher Städtegründungen und
Alt-Lübeck, slawische Königsresidenz mit Kauf- ftrdtrechte i Ottreruun. Iv r zurthrtoszlen
fatzzeiedluens: ; ländischen se im 12. lulu

Gleichsam unversehens hatten in Lübeck schon : :
vor mehr als 100 Jahren Männer wie Klug und an- Lübedk als Schlüsselhroblem der internationalen
dere die archäologische Erforschung eines Platzes Forschung: die offenen Fragen:

der aufgenommen, der heute zu den wichtigsten Vor- Angesichts der bezeugten Ausstrahlung Lübecks
und Frühstufen der Stadt im westlichen Ostsceraum in seiner Frühzeit müssen wir die meisten Antwor-

rählt, nämlich von Alt-Lübeck, dem slawischen ten auf Fragen nach diesem Lübeck schuldig blei-

Burgwall an der Einmündung der Schwartau in die hen: Für die Erstgruündung Graf Adolfs von

r Bettr) Trave. Werner Neugebauer hat diese Grabungen Schauenburg kennen wir nur den Platz der Burg
det sind entscheidend vorangetrieben. Seitdem wissen wir. gan der Landenge im Norden im Bereich des heuti-
r 1.100 daß Alt-Lübeck im ersten Drittel des 12. Jahrhun- gen Burgklosters. Über die Anlage, Bebauungs-,
1thalten. derts als Königsresidenz des großen slawischen Wirtschafts- und Sozialstruktur der zugehörigen
9 7 6 ] Abodritenreiches aus dem Burgwall mit den zen- Kaufmannssiedlung wissen wir nichts, denn nicht
tralen Einrichtungen von Fürstenhaus, Hofkirche. einmal ihre Lage ist bekannt: die widerstreitenden

4 54 Münzstätte usw., ferner aus der Handwerkernieder- Hypothesen reichen vom Domhügel im Süden über
lassung vor dem Tor und schließlich aus dem Hafen St. Petri und den Markt bis zum Koberg im Norden.

. mit Kaufleuteniederlassung samt Kaufmannskirche Drängende Fragen, wie die nach möglichen slawi-

z9 97 77 auf dem gegenüberliegenden Traveufer bestand schen Voraussetzungen der deutschen Erstgründung.

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