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t HERAUSGEGEGEN YON DER GESELIScHArr zuR BEF ORDERUNG GEMEINNUTZIGER TATIGKEIT
t SCHRIFTLEITER: DR. PHIL. EBERHARD GROENEWOLD
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_ Fabelfremd, ein ausschweifender Traum
milia Lübecks Flirt mit Venedig, was soll's? Eine Lie. Hand zu bekommen. Um die Ordnung der im Was-
ragt: bestethwns. yt ss selbst zu erhöhen? Ich fürchte ser gelegenen Stadt mit ihren 133 000 Einwohnern
fru. ya. cienn zu gelautig geht unseren Herren die selbst- aufrechterhalten zu können, hatten die Venezianer
beschönigende Phrase ron der Zunge: „Lübeck, das cine für mittelalterliche Verhältnisse ungewöhnlich
und Venedig des Nordens.û Wenn man Amsterdam mit straffe Organisation entwickelt. Seidenwirkereien,
ö bz1Nnen Grachten und großen Malern s0 apostror bis dahin ein Monopol des Orients, wurden in
r, n phierte, könnte man das verstehen. Aber Lübeck! Venedig angesiedelt.
Nas Gesicht beider Städte wie ikre Gcrchichte Als die Lübecker îm 15. Jahrlnmdert alles Gc-
machen uur + ssutlich, wie unangemessen ein sol- schick darauf verwenden 1mußteri um ihre Stellung
lonen tber Vers s .. zu wahren, aber doch nicht verhindern konnten, daß
Prof. . Als sich im 12. Jahrhundert auf der wüsten Halb- sich die Anlieger der Ostsee mehr und mehr ihren
'Caké, insel zwischen Wakenitz und Trave einige Kauf- Ansprüchen entzogen, erreichte Venedig den Höhe-
leute kuszmmentaten, um hier einen Handelsplatz punkt seiner Macht. Im Osten bauten die Venezia-
riicke einzurichten, hatte sich Venedig schon längst als ner ihr Kolonialreich bis nach Zypern hin aus.
Prof. Mittler zwischen Ost und West durchsetzen kön- Gleichzeitig brachten sie aber auch einen Teil Ober-
Uhr. nen. Vm ihre Handelswege abzusichern, hatten die italiens in ihre Gewalt, darunter die berühmte Uni-
den. Venezianer auf dem Balkan und im vorderen Orient versitätsstadt Padua, ebenso Verona und Vicenza.
t F ein Kolonialreich „aufgebaut. Die nach byzantini- Venedigs Kolonialreich wurde von annähernd acht
Teil- schem Muster errichtete Hauptkirche, San Marco, Millionen Menschen bewohnt. Venedig selbst war
Hüx- hatten sie mit zahllosen Säulen ausgestattet, die sie mit 190 000 Einwohnern die volkreichste Stadt Ita-
aus dem gesamten Mittelmeergebiet zusammen- liens, wichtiger noch, Venedig war die reichste
schr geschleppt hatten. Künstler aus Byzanz und deren Stadt Italiens, wahrscheinlich sogar Europas. Al-
War- gelehrige Schüler schmückten San Marco mit gold- lein 30 000 Seeleute dienten auf den Schiffen der
k. V. funkelnden Mosaiken. Venezianer, mehr Menschen als Lübeck Einwoh-
Uhr. Als im 13. Jahrhundert Lübeck die Reichsfreiheit ner hatte.
erlangt hatte und sich anschickte, die Führung im Im 16. Jahrhundert verlor Lübeck endgültig seine
fiNer-- Ostscegebiet zu übernehmen, hatte der Doge von Macht. wurde gegen Ende des Jahrhunderts von
. und Venedig zusammen mit den Kreuzfahrern Byzanz Hamburg überflügelt, später auch von Danzig,
erobert und das byzantinische Reich als lateinisches Kopenhagen und Stockholm, mußte sich mit beschei-
Kaiserreich in die Abhängigkeit Venedigs gebracht. denen Einkünsten begnügen, kulturell nur noch
Nach der Einnahme von Byzanz waren unermeß- Provinz. Auch Venedig hatte im 16. Jahrhundert
liche Schätze nach Venedig gekommen. Die grie.- den Höhepunkt seiner Macht überschritten, trug aber
chischen Inseln mit Rhodos, Kreta und Korfu, aber noch 1571 in der Seeschlacht von Lepanto das meiste
auch der Peloponnes wurden dem venezianischen zum Siege über die türkische Flotte bei. Im 17. Jahr-
Kolonialreich einverleibt. hundert mußte Venedig freilich hinnehmen, daß die
Als im 14. Jahrhundert Lübeck auf der Höhe sei- Türken eine ihrer Kolonien nach der anderen
- ner Macht war und mit seinen 20 000 Einwohnern eroberten. Im 18. Jahrhundert glitt den Venezianern
ir Beför- das gesamte Ostseegebiet beherrschte, gelang es alle Macht aus ihren Händen. Dennoch blieb Vene-
F et ug; Venedig, Genua auszuschalten und damit den unger dig auch in diesen Jahrhunderten des steten Nieder-
n Ur t. wöhnlich gewinnbringenden Orienthandel in seine gangs eine Stadt von außerordentlicher Ausstrah-
nthalten.
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Die Ankündigungen der „Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit“ finden Sie
' 54 54 in diesem Heft und auch in Zukuntt jeweils auf der dritten Seite der Ausgabe der „Lübeckischen
Blätter“.
59 97 77

II)
        

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