Volltext: Lübeckische Blätter. 1958 (118)

J Ü LUBECKISCHE BLATTER E ZEITSCHRIFT DER GESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNÜTZIGER TATIGKEIT LU BECK, DEN 6. APRIL 1958 : EIN HUN D ER T A CHT Z EHNTER JAHR G A NG - VI ERUN O N E UN ZI G ST ER DER NEUEN REIHE , NUMMER - x S: t Letzter Vortrag (Wiederholung) n MITTWOCH, den 16. April 1958, 20.00 Uhr, Königstraße 5 i D rs Ur Irc (re RE tGEEn) Herr Studienrat Mandel hat sich freundlicherweise bereit erklärt, die Vortrag zu wiederholen für alle diejenigen, die im Januar wegen Überfüllung des Saales umkehren mußten. § f Das Olterei . Wir entnehmen diesen Beitrag mit freundlicher vom Meltei übernahm Aristophanes von den ft Genehmigung der Deutschen Verlags-Anstalt, Stutt- (rphikern, die wahrhaft griechische Idee von Eros " ttt; ladyig Curtins. „Dorso“. (§tuttssrt 1957). als dem Weltschöpfer, der die geschlechtlichen Die reichste Sammlung von Ostereiern zeigte und Gegensätze des fruchtbaren Seins vereinigt, von erklärte mir einmal vor dem letzten Weltkrieg der dem mythenschaffenden großen Nachfolger des verdiente Gründer und Direktor des schönen Volks- Homer, von Hesiod. kunde-Museums in Agram. In der Bauernwelt Eros war nicht der einzige Gott, der aus einem Hi Südslawiens erhalten an Ostern Bursch und entstand. Es gab Legenden, die auch Dionysos und Mädchen, Braut und jungverheiratete Frau, kinder- Aphrodite aus dem Ei entstehen ließen. Aber das lose Ehegattin und Witwe Rier mit genau bestimm- unheilträchtigste Ei war das der Leda, das diese ten verschiedenen Farben und aufgemalten Ver- gebar, nachdem sich Zeus ihr als Schwan genähert zierungen. Die reizenden bunten Erfindungen der hatte. Aus diesem Ei nämlich kam Helena, die Volkskunst sind so mannigfaltig, daß kein Ri ein schönste der Frauen, die nachher den ganzen Jam- anderes wiederholt. Aber der Sinn des Geschenks mer des Trojanischen Krieges veranlaßte. Nicht sie ist immer der gleiche. Das Ei ist das Symbol der allein enthielt das Ei der Leda, sondern auch ihre Fruchtbarkeit. Möge von dem Hi der Zauber aus- Brüder, die Dioskuren, die Götter von Sparta, die gehen, daß die Liebe von Bursch und Mädchen zur über die spartanische Kolonie Tarent auch in Rom Ehe, daß die Ehe zu Kindern und die Einsamkeit einzogen, wo heute noch auf dem Forum drei der Witwe zur Wiederverheiratung führe. prachtvolle Säulen ihres Tempels aufrecht stehen. Der Bauer aber legt in die Furche seines eben Und vor ein paar Jahren ist in Trier ein großes durchgepfligten Ackers ein Hühnerei, auf daß von spätantikes Mosaik ausgegraben worden, auf dem ein diesem die Kraft wirke zu fruchtbarer Saat. Altar mit dem Ei der Leda und den drei Kindern dar- Das sind allerälteste, noch in der Gegenwart gestellt ist. Darüber schwebt der Adler des Jupiter. Seltende Vorstellungen. Verschlungene Wege füh- Alle diese griechischen Göttermythen wurzeln in ren von diesen zu Goethe. Von ihm erzählt seine ältesten Ideen. Woher stammt das Leben ? Das Hi Mutter: „Wenn er seine Kameraden am Osterfest ist die deutlichste Darstellung seines Geheimnisses. Ue Ostereier im Garten suchen ließ, bewirtete er se Während ich die Ostereier, die kleinen und die gro- I immer mit einem ganzen Eierkuchen von Märchen Ben, die schwarzschokoladenen, die weißzueckrigen, ". Cobalts COE EES {t tm. hl:1;: Das Weltei aber stammt nicht aus der Phantasie prähistorischen Vergangenheit zusammenhängt. ot des jungen Goethe, sondern äus seiner Belesenheit. Damals erschien ihm das Ei so rätselhaft. daß er aft Aristophanes, der größte satirische Lustspieldiehter Götter und Welt aus ihm entstehen ließ. Ist es alter Zeiten, läßt in seinen „Vögeln“ die Nacht im heute weniger rätselhaft geworden ? Soviel ich Schol der Finsternis das Weltei gebären. Aus diesem sehe, können die Naturforscher die alte Streitfrage, Weltei geht als eigentlicher Schöpfer der Welt Rros, ob das Huhn früher dagewesen sei als das Ri, immer der strahlend schane Liebesgott, hervor. Die Lehre noch nicht entscheiden. 77
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