LU BECKISCHE BLATTER
ZEITSCHRIFT DER GESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNUTZIGER TATIGKEIT
LU BECK, DEN 6. MARZ 1955
EIN HUN DER T FUN F ZEHN TER JAHR G ANG / EINUN O N E UN ZI G S T ER DER NE U EN REIHE - NU M MER s
VORTRAGE
Dienstag, den 8. März 1955, 20.00 Uhr, Königstraße 5
Dr. W. Neugebauer, Museumsdir. z. Wr., Lübeck: ,„Alt-Lübeck im Rahmen der Frühgeschichte des Ostsee-
raumes (mit Lichtbildern) / Gemeinsam mit dem Verein für lüb. Geschichte und Altertumskunde
Dienstag, den 15. März 1955, 20.00 Uhr, Königstraße 5
Prof. Dr. Lehmann, Frankfurt: „„Die großen Antillen“ (mit Lichtbildern).
Gemeinsam mit der Geographischen Gesellschaft
Theodor Storm und das Musikleben in Lübeck

Die ersten 17 Jahre seines Lebens verbrachte laus Bruhns einen Höhepunkt erreicht hatte, war zu
Theodor Storm in seiner Vaterstadt Husum. Seine Storms Jugendzeit bedeutungslos. Während in Lü-
musikalischen Anlagen wurden in dieser Zeit nur un- beck noch heute die Weihnachtstage ohne das Geleier
Wesentlich gefördert. ,„In den Gassen war es‘, schreibt der Drehorgeln undenkbar sind, ertönten in Husum
Theodor Storm in nachgelassenen Aufzeichnungen, diese Klänge zur Pfingstzeit. Storm schreibt am zwei-
wenn nicht der Mond schien, finster, und größere und ten Pfingsttag 1844 an seine Braut: „Dienstag fängt
kleine Handlaternen irrlichterten abends darin umher; der Pf ingstmarkt an, und die altenDrehorgeln kommen
auch wir Knaben batten, wenn es abends in die Privat- wieder ins Land. So verstimmt sie immer sind, ich
stunden ging, alle unsere Leuchte, deren Griff einen habe eine eigene Vorliebe für die Dinger. Sie leiern mir
Zehälter für Reservelichte bildete‘. Nach einer mind. immer meine ganze Kinderzeit vor die Seele, meine
lichen Mitteilung des Justizrates Ernst Storm (gest. schöne Kinderzeit voll reicher phantastischer Zukunft.
1913) soll Theodor Storm privaten Musikunterrieht Vorzüglich abends spielte eine den schönen Choral
h ei dem Organisten Philipp Caspar Windt (gest. am Nun danket alle Gott !‘ Ich erinnere es noch so wohl,
28. August 1886 an Altersschwäche) gehabt haben. wie der Orgelmann langsam in der Sommerdämmerung
Aus dem Umstand, daß Storm selbst nie etwas davon durch die Straßen schritt, und wir Kinder hinterher.
erwähnt hat, darf man wohl den Schluß ziehen, daß Da klang mir das schöne Kirchenlied so erbaulich, daß
diese Musikstunden ihn wenig beeindruckt haben. Der mir oft die Tränen in den Augen perlten und ich nach
Lehrplan des Husumer Gymnasiums kannte die Musik dem verjubelten Tage ganz ernst und still nach Hause
als Unterrichtsfach nieht. Durch eine an der Schule kam.“ Erwähnt man zum Schluß noch das Vorhanden-
bestehende Liebhaberkapelle mag Storm einige An- sein einiger Stadtmusikanten, die in der Hauptsache
regungen empfangen haben, doch hat er sich darin den Bedarf an Tanzmusik deckten, so dürfte damit
nicht betätigt. Hermione von Preuschen, eine Dieh- das Bild des Husumer Musiklebens genügend gekenn-
terin aus Storms Bekanntenkreis, berichtet zwar in der zeichnet sem. ! Vs
Deutschen Revue (24. Jahrgang, S. 207), Storm habe Zum Abschluß seiner Gymnasialbildung besuchte
schön Geige gespielt, doch irrt sie hierin. Man darf Theodor Sorm vom Herbst 1835 bis Ostern 1837 das
annehmen, daß sie zu diesem Trugschluß durch die Katharineum in Lübeck. Hier bot sich nun dem
Tatsache verleitet wurde, daß Storm in seinen No- J üngling in reichstem Maße Gelegenheit zur Er-
vellen und Iyrischen Gedichten, namentlich in den weiterung und Vertiefung seiner musikalischen Kennt-
Viedelliedern, die Geige so oft erwähnt als das für den nisse. An der Spitze der Schule stand der Direktor
wandernden Musikanten typische Musikinstrument. Jacob, ein Erzieher und Wissenschaftler bedeuten-
Auch das chorische Musizieren scheint in Husum erst den Formats. In den Programmen (Jahresberichten),
1844 mit der Gründung des dortigen Männergesang- gedruckt bei G. C. Schmidt, E. Hochedlen und Hochw.
vereins zu neuem Leben erwacht zu sein. Die Kirchen- Raths Buchdrucker, 1835, Seite 45-46, heißt es:
musik in Husum, die im 17. Jahrhundert unter Niko- „Es ist hier die Stelle, noch einer anderen bevor-

d:
A>
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.