LU BEC KIS CHE BLATTER
ZEITSCHRIFT DER GESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNUTZIGER TATIGKEIT
LUBECK, DEN 20. FEBRUAR 1955
EIN HUN D ER T FUN F ZEHN TER JAHR G ANG / EINUN D N E UN ZI G S T ER DER NE U E N REIHE - NU M MER 4
VORTRAGE
Dienstag, den 22. Februar 1955, 20.00 Uhr, Königstraße 5
Stadtbaudirektor Dr. Hübler, Lübeck: „„Die historische Stadt. Wiederaufbau unter Berücksichtigung
neuzeitlicher Forderungen“ (mit Lichtbildern)

Dienstag, den 1. März 1955, 20.00 Uhr, Königstraße 5
Oberstudiendirektor Prof. E. Zimmer, Lübeck: „Die heutige Physik der Atomkerne und ihre praktischen
Anwendungen“ (mit Liechtbildern)

Gemeinsam mit dem Naturwissenschaftlichen Verein
Zum Lübecker Bildfälscher-Prozeß
Vc dem am 25. Januar 1955 verkündeten Urteil des zeigte es sich, daß trotz der vielen und unersetzlichen
die richts Lübeck hat das Strafverfahren gegen Verluste, die zu beklagen waren, doch auch einige
VGrli hs er Bildfälscher Vey, Malskat u. a. semen Werte der Verborgenheit und Vergessenheit entrissen
Z sen Abschluß gefunden. Ö worden waren, zu denen wir einfach keinen Zugang
v Ctct 08e Berichterstattungen in den Tageszeitungen mehr hatten und vor denen wir jetzt staunend und
eum im Lande über dieses Verfahren während bewundernd standen. Zu diesen Werten gehörten auch
Fetzer hödrüclena langen Dauer haben schließlich gotische Kalkmalereien des beginnenden 14. Jahr-

jeden nach und nach erkennen lassen, um was es hunderts, die in einigen Jochen des Langhauses der
— Vordergründig —+ in diesem Verfahren ging. Das Marienkirche erkennbar geworden waren.

ungewöhnlich große Interesse, das diesem Verfahren Nachdem man sich + zeitbedingt und aus Geldnot
entgegengebracht worden ist und noch wird, beruht - zunächst damit hatte begnügen müssen, das Kir-
fies darauf, daß einige der unmittelbar an dem chenhaus vor völliger Vernichtung zu bewahren, um
ren Beteiligten sich mit Erklärungen, Richtig- semen späteren Wiederaufbau zu ermöglichen, konnte
ftel Unzen. usw. mehr als gemeinhin üblich an die die Kirchenleitung später daran gehen, die genannten
entlichkeit sewandt haben, und daß der Angeklagte Malereien in ihre besondere Obhut zu nehmen, um sie
Malskat es verstanden hat uf erstaunlich willig von zu sichern und der Nachwelt zu erhalten. Der Ent-
Teilen der Presse zur Verfügung gestellten Zeitungs- schluß dazu wurde endgültig 1947 /1948 gefaßt. Im
spalten für sich und gegen andere Stimmung zu Juli 1948 erhielt der Kunstmaler und Restaurator
machen. Es beruht aber auch darauf,. daß die jetzt Dietrich Fey von der Kirchenleitung der Evangelisch-
Abgeurteilten durch ihre Straftaten sehr viel tiefer- lutherischen Kirche in Lübeck den Auftrag, die ge-
greifend, als es durch Betrügereien gewöhnlicher Art nannten Malereien zu restaurieren. Zu dieser Zeit war
geschieht, getäuscht und geschädigt haben und daß Fey bekannt als der Mann, der für den sog. Truthahn-
der Kreis der Getäuschten und Geschädigten praktiseh fries im Schleswiger Dom verantwortlich war, und es
nieht zu übersehen ist. war sowohl bekannt, daß die Frage der Echtheit oder
Nachdem das Gericht sein Urteil gefällt hat, kann Unechtheit dieses Frieses noch nicht geklärt war, als
nunmehr auch hier zu dem Verfahren Stellung ge- auch, daß das Landesbezirksbauamt in Schleswig im
nommen werden, ohne daß man Gefahr läuft, ver- Sommer 1947 dem Prof. Wehlte, Stuttgart, Auftrag
dächtigt zu werden, man wolle für oder gegen die eine erteilt hatte, diese Echtheitsfrage zu prüfen und gut-
oder andere der in dem Verfahren in irgendeiner Weise achtlich zu beantworten. Das Gutachten wurde im
beteiligten Personen Stellung nehmen oder etwa die November 1947 dahin erstattet, daß Fey und Malskat

gerichtliche Entscheidung beeinflussen. sh ' zr! Fries gr Lbtt batten. z
V Fey als Mitarbeiter die Maler N Zhan. Och
Als nach der schweren Bombardierung Lübecks im herangezogen hatte, waren im November 1949 beendet.
März 1942 eine Bestandsaufnahme der historischen Inzwischen war die Meinung aufgetaucht, die Bilder-
Baudenkmäler unserer Stadt durchgeführt wurde, malereien würden sich im Chorobergaden der Marien-

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