ZEITSCHRIFT DER GESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNUTZIGER TATIGKEIT
LÜBECK, DEN 30. OKTOBER 1955
EIN HUN DER T FUN F Z E HNTER JAHR G ANG / EINUND NEUN ZIG ST ER DER NE UE N REIHE NUMMER 18
166. STI FT U N G S F E ST
Mittwoch, den 9. November 1955., Königstraße 5
Zeitfolge: 18.00 Uhr Tee- und Rauchstunde (Tonpfeifen sind vorrätig)
19.00 Vhr Verlesung des Jahresberichts und Verleihung einer Denkmünze im Bildersaal
20.00 Vhr Gemeinsames Abendessen
Anschließend gemütliches Beisammensein
Unkostenbeitrag 6,50 DM (Tee, Tabak, trockenes Gedeck, 14 Flasche Wein) einschl. Bedienung und Garderobe
Bei der Anmeldung zum Essen, die bis spätestens Montag, den7.November 1955, mittags 12.00 Uhr.
j erfolgen muß, ist der Unkostenbeitrag von 6,50 DM im voraus zu entrichten
Um zahlreiche Beteiligung und rechtzeitige Anmeldung wird gebeten / Besondere Einladungen erfolgen nicht
VO RTRA GE
Dienstag, den 1. November 1955, 20.00 Uhr, Königstraße 5
Herbert Ihering, Berlin-Zehlendorf: „Schauspielkunst und Theaterkritik“
Dienstag, den 8. November 1955, 20.00 Uhr, Königstraße 5
Landgerichtsdirektor Dr. Hegener, Hamburg: „Italienreise in farbigen Lichtbildern:
Florenz – Rom - Neapel + Sizilien“
(gemeinsam mit der Photographischen Gesellschaft)
Bitte die Mitgliedskarten vorzeigen!
Der Künstler und die Dämonen
Ein Gespräch
Freund: Du hast schon lange nicht mehr von Erkenntnis leiten lassen, so wäre ich ihnen freilich
leiner Arbeit gesprochen; ich möchte fast glauben, längst ausgewichen. Nur in früher Jugend hielt ich
du seiest wieder an eine Stelle deines Weges gekom- die Dämonie für etwas Großes an sich; später wurde
men, wo das Weitergehen dir schwer wird. sie mir immer fragwürdiger, ich lernte sie als eine
Dichter: Es ist so; hilflos, wie wir Künstler sind, Probe auf die sittlichen Kräfte einschätzen. Meine
und immer angewiesen auf Kräfte, die uns nicht ge- Arbeit bewegte sich jedoch in der alten Richtung
horchen, können wir wohl abends in der Tiefe ein- weiter, bis ich des Zwiespalts inne wurde.
schlafen und morgens auf dem Gipfel erwachen. Aber Freund: Der Umgang mit solchen Menschen, in
dieses Mal, fürchte ich, ist es nicht so. Ich habe etwas denen ein anderes, nicht mehr menschliches Dasein
erfahren oder es ist mir etwas begegnet, was ich noch haust oder in die es unter gewissen Umständen ein-
nieht ausdrücken kann, obwohl es mich davon zu bricht, ist also wohl ein Gesetz deiner Arbeit.
sprechen drängt; möchten wir doch immer von dem Dichter: Ja, und fast möchte ich sagen, aller men-
Unerkannten und Unverständlichen sprechen, um schendarstellenden Kunst.
es uns klar zu machen und dadurch vielleieht zu Freund: Das glaube ich nicht, aber wohl einer
überwinden oder anzueignen oder es doch an seinen Kunst, die das Tragische ausdrücken möchte. Und
Platz zu stellen. Ich habe nachgedacht über meine bis- das ist ja deine Absicht gewesen.
herige Arbeit, und das Ergebnis war eine Überra- Dichter: Wir haben so viel davon gesprochen, und
schung, wie es nicht anders sein kann. Die schaffenden doch habe ich mir das Tragische nie auf eine be-
Kräfte in uns sind ja immer von reicherem Wissen friedigende Weise erklären können. Ein Widerspruch
gesättigt als wir. Da ist es mir aufgefallen, daß ich in der Existenz liegt ihm zugrunde, und je stärker die
mich bisher fast nur mit dämonischen Menschen Überwelt an ihm beteiligt ist. um so erhabener mag
beschäftigt habe. er wirken. , . ;
Freund: Das war wohl allen klar + außer dir. Freund: Und dieser Widerspruch tritt wohl auf die
Dichter: Du hast wohl manches Mal darauf hinger sinnfälligste Art ein, wenn sich in dem Menschen ein
: wiesen; das Schaffende war so stark in mir, daß ich Fremder ansiedelt, der auf Kosten dieses Menschen
t mir über die Bedeutung dieser Wahrnehmung keine lebt, der in ihm ist und doch nicht er selbst ist.
Gedanken machte. Aber nun mache ich sie mir; Dichter: Das ist es eben, diesem Fremden möcht
das heißt, der Umgang mit Menschen, die von den ich nicht mehr begegnen. E
Kräften der Tiefe bewohnt oder besessen werden, ist Freund: Dieses Widerstreben haben auch die
mir nicht mehr natürlich. Hätte ich mich von meiner Großen empfunden. Ich brauche nicht einmal von

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