Full text: Lübeckische Blätter. 1953 (89)

P E KR »l U B E C Kk I s C H E N B L A T T E R & LL. N O VE M B ER 1953 Die Tragödie des Humanismus des modernen Humanismus. Zeigen doch Luthers ,.deus et ctsrieute wird honts rshov sg Christentum 80 gte L Ec 12%; tr. ernten, wenn man nach Helfern ausschaut, die uns aus ie beruht, während gerade die Verwandtschaft der geistigen Unordnung unserer Tage und vor dem drohenden Av thropglogis k henbild mit dem des tragischen Griech Nihilismus retten könnten. Ist der Humanismus aber ein so yon Luthers Menschen mit som des tragiscten 'zriecven: éindeutiger Begriff. das rugn ihm ohne veteres zeteko Be: Ut" §ct tan Griechen nis bet Luther darin, daß vie Uen deutung zuschreiben darf ? Man wird also klarzustellen haben, lich fernen Gott dennoch überall und fmumar n- Vas man unter Humanismus vorsteht, d. K in srster Linis, UI rts Lat, andererseits wird bei Erasnmus mit der Bexeitigun welches Menschenbild er vertritt. Es handelt sich also um Lzetigh len Bösen das tragische Lragrqus wit cor HvÔ!teung eine anthropologische Frage, und da kommt alles darauf an, s h V rr ßtoun. und die Humanität wird zur Religion. ob das von ihm entworfene Bild des Menschen seiner Wirk. ®§ en > sKngzuizralie Wandlung offenbart sich nun te 1819n- lithbeit, seinem eigentlichen Wesen, seiner Lage und Be- Pentlichkeit im deutschen Neuhumanismus von Lessing über stimmung entspricht. In seinem Buch „Die Tragödie des Goethe und Schiller bis hin zu Hegel, mit denen sich der Humanismus. Wahrheit und Trug im abendländischen §§ t nun eingehend beschäftigt, kritisch, wie es seinem Menschenbild“ (§ug!s & Meyer, Heidelberg, geb. 22,0 DM) Anliegen entspricht, aber mit der selbstverständlichen Ehr- stellt Heinrich Weinstock diese Frage und beantwortet sie Furcht, die diesen großen Geistern gebührt. Er befragt sie mit aller ihrer Bedeutsamkeit angemessenen Eindeutigkeit „or allem nach ihrer Stellung zu den zwei Grundproblemen und Schärfe, indem er einen Gang durch die Geschichte des Jes menschlichen Selbstverständnisses, zur Todesfrage und abendländischen Humanismus macht. zum Wesen des Tragischen, wobei er bei dem sonst der Tragik Es ist ein erregendes Buch, ein ketzerisches nach der eigenen ¿o abgeneigten Goethe in dessen Entdeckung des ,„„Dämo- Überzeugung des Verfassers. Höchst lebendig geschrieben, nischen“ einen echt tragischen Ansatz findet. Dio Betrach- wird es ohne Zweifel zu lebhaften Auseinandersetzungen jung wird dann weiter ausgedehnt auf die humanistische Anlali geben, geht es in ihm ja um ein menschliches Anliegen (;esellschaftslehre Rousseaus. Gegenüber der optimistischen von höchstem Rang und grölitter Aktualität. Vernunftgläubigkeit Rousseaus und Hegels rechnet der junge . Das Ergebnis einer realistischen Untersuchung ~ und das J„ormarxzistische Marx dagegen durchaus mit der Macht des ist der das ganze Buch durchziehende Grundgedanke — kann gRHzzsen im Menschen und kommt damit vorübergehend einem aber nur eine ,„tragische‘ Anthropologie sein im Gegensatz tragischen Menschenbild nahe. Die Auseinandersetzung zu der optimistischen Anthropologie der Spätantike und des jyjt dem Bösen wird dann an Hand der Kantschen Lehre von Neuhumanismus. Diese Tragik ist nach der Formulierung des ger Erbsünde geführt, mit der Kant, nach Goethes Worten, Verfassers eine doppelte: Einerseits muß der Mensch mit der ich seinen Philosophenmantel beschlabbert habe. jedem aufgehalsten Last des „„du sollst‘‘, ohne sich selbst Das letzte Kapitel stellt die Frage nach der möglichen s0 gemacht oder auch nur gewollt zu haben, dennoch dafür Wiederkunft des Tragischen heute, vergleicht griechische und einstehen, andererseits ~ und das ist die Ur- und Grundtragik christliche Tragik und erörtert das Problem einer christlichen des Daseins + sieht sich der Mensch als endliches Wesen doch Furmanität. Das Buch schließt mit sehr ernsten Bsträch- nur vom Unendlichen gestillt. Nur in der Anerkennung tungen über die Aufgaben und die Aussichten, die der von beider Tatsachen: der Begrenztheit des Geistes und seines Jem Verfasser so leidenschaftlich vertretene bedingte, ge- Strebens ins Unbegrenzte, nur im unaufhebbaren Wider- prochene, eben der „tragische“ Humanismus für das deutsche spruch, der er sich selbst ist, nur also im tragischen Bewußt- Volk, insbesondere für unsere Jugend, haben kann: „Der sein seiner selbst macht der Geist dieses Menschen sich selbst pyJensch kann den Widerspruch nicht Iösen, der seine Natur wahr. Die Geburt dieses Humanismus sieht der Verfasser m gzysmacht, und den gewissenhaft ausgehalten, seine humane der Gründung der griechischen Polis als des Urbildss der Hestimmung ist: Gleichwohl ist die Begeisterungsfähigkeit menschlichen Ordnung überhaupt, wie sie in der Orestie des Js Menschen für das Ideal die wahre humanisierende Kraft, Aischylos symbolisch dargestellt ist, dureh den Übergang von gher nur, wenn sie sich nüchtern für die Wirklichkeit wach der Blutrache in das Blutgerieht Athenas. Aber bei diesem hält. Wenn sie sich dagegen mit der Einbildung benebelt, Vorgang werden die in den Erinnyen verkörperten Urmächte gje könne das Ideal auf der Erde bringen, bleibt sie ein Traum, nicht entmachtet, sondern in die Polis eingeordnet. Nur in Jer nichts Gutes bewirken, wohl aber alles zerstören kann. der Anerkennung ihrer Mächtigkeit bleibt der Bestand der Paul Brockhaus menschlichen Ordnung gesichert. Damit enthüllt sich aber der Grieche als der tragische Mensch, der eben als Mensch Ernst Jünger, „Der Gordisehe Knoten“. Vittorio den Zwiespalt in sich auszutragen hat. Der letzte Vertreter Elostermann Verlag, Frankfurt a. M., 1953, 153 Seiten, solch tragischer Anthropologie war Plato, ihm folgt die gro. in Ganzleinen 6,80 DM. Wasserscheide. Als der Mensch nämlich die Gottesfurcht iu Fast jedes Buch Jüngers bringt eine thematische Über- Sinne dieser Scheu, der „Angst“ yor der Yrräüohten die raschung, eine Szenenverwandlung, die dann manchmal und Bewußtsein seiner Selbstmächtigkeit, im jau: icht uf ron manchen als eine Gesinnungswandlung milzverstanden Allmacht der Vernunft verlor, gab er mit dem Verzic a wird. Und doch ist unschwer zu erkennen, daß der jeweils eine „„tragische‘’ Anthropologie auch den „tragischen Hoy scheinbar neue „Standpunkt“ niehts ist, als der Versuch, von nismus preis. Denn — so lautet dr kKerüssts der trag Lchil- einer neuen Seite her in der immer gleichen Richtung vorzu- Anthropologie ~ wer die Angst als gegenstandslose ben, stoßen: durch die Bereiche der niederen Elementarmächte und dung abtut, muß sich um ihre Heilsamkeit bringen, die eben, O Scistig.denkerischen U UO bis tu sinam. Punkt, Fro wie Aischylos und Sophokles, aber auch Hioh zeigen, nur eine kühle Diagnose der menschlichen Situation möglich ist, im Leiden lernen läßt, wer der Mensch ist. di d. h. wo die Furcht und der Schmerz (das wahre Mittel, um Diesem nunmehr verkündeten Humanismus, dem gie zu Entscheidungen zu gelangen) überwunden sind - über- späteren griochiseh.römisohen Philosophien, besonders J12 runden oder doch durch eine höhere, klarere Einsicht sub- Stoa, vertraten, und der unter dem Einfluß der Stos U die limiert. Jünger ist Diagnostiker, nicht Therapent. Seine Erasmus und den deutschen Neuhumanismus „bis in C mersättliche Neugier gilt der Mikroskopierung und Zer- Gegenwart lebendig und wirksam geblieben ist, liegt glos § gliederung, sowohl der Sümpfe des Elementaren wie der ganz anderes Menschenbild zugrunde. Erst das Chris up ECR enden Strahlen des radikalen Denkens. Der Nihilismus hat vornehmlich mit der Anthropologie des Augustinus, d des ist daher für ihn eine notwendige Durchgangsstufe; über seinen auf Paulus zurückgeht, in seiner Betonung der Erbsünde uni vs rrrilzczkt. "über die Linie“ sucht er rorzudringen unc unfreien Willens wieder ein tragisches Menschenbild gss unte. R nt sich dazu immer neuer Figuren und Gleichnisse: des So weit der erste Teil des Buches. In seinem syeiten s! FG je gers, des Arbeiters, des einsamen Einzelgängers, utopischer behandelt es den modernen Humanismus 1n Deutschlan o Landschaften und reiner Phantasiegestalten, in denen gewisse beginnt mit einem besonders eindrucksvollen Beispiel. Lu ;11 ische, philosophische oder theologische Kategorien Auseinandersetzung mit Erasmus über den freien W en psdeg fre sind. – Allerdings konnte man nach dem vor- bedeutet dem Verfasser geradezu die Entscheidungsstund
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