Volltext: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

© 8() Als die wichtigsten Anschaffungen für die Samm- lung von Gipsabgüssen sind jedoch drei Werke aus der Blütezeit der griechischen Kunst zu nennen: 1. Das sog. Eleusinische Relief. Auf diesem stellte der Künstler eine heilige Handlung aus dem Kultus der eleusinischen Gottheiten in großen Figuren dar. Demeter reicht dem Knaben Triptolemos Kornähren und sendet ihn aus, den Segen des Getreidebaues unter den Menschen zu verbreiten. Ihre Tochter Kore bekränzt den Knaben. Sowohl die Ähren, die nur gemalt waren, als auch der aus Metall hergestellte Kranz sind nicht mehr vorhanden. Dieses Relie,, das im Jahre 1859 in Eleusis gefunden worden ist und sich jetzt im archäologischen Nationalmuseum zu Athen be- findet, nimmt durch den feierlichen Ernst und die edle Einfachheit der dargestellten Personen die erste Stelle unter den Votivreliefs ein. Es stammt aus der Epoche des Phidias und er- innert an die Figuren des Parthenonfrieses. Grabstein der Hegeso. Ein herrliches Werk aus der Blütezeit der griechischen Kunst, das dem Andenken einer Athenerin namens Hegeso, der Gattin des Proxenos geweiht ist und heute noch an seinem ursprünglichen Platze vor dem Dipylon an der alten Gräberstraße mitten zwischen andern Grabdenkmälern steht. Die attischen Künstler vermieden es, auf ihren Grab- stelen Trauer oder Abschiedsschmerz zum Aus- druck zu bringen. Die Verstorbenen werden dargestellt, wie sie in der Erinnerung ihrer An- gehörigen fortleben. So sehen wir auch hier eine blühende Frau von edlem Liebreiz auf einem Lehnstuhle sitzen, während die vor ihr stehende Dienerin ihr ein Schmuckkästchen reicht. Die Hegeso betrachtet ein Juwel, das wahr- scheinlich gemalt war, mit sinnendem Blick, wie das ähnlich auch auf Grabreliefs aus späterer Zeit öfter zu finden ist. Es sei nur an die schöne attische Grabstele aus dem Piräeus er- innert, von der wir bereits einen Abguß be- sien. Das Denkmal der Hegeso, das den Parthenonskulpturen nahesteht, ist unter den bis jezt bekannten Grabreliefs unbestritten das schönste und gibt uns ein anmutiges Bild aus dem Leben einer edlen Athenerin. Modell der Nike des Paionios (nach der Ergänzung von R. Grüttner). Das Original dieser Siegesgöttin ist um das Jahr 420 v. Chr. als ein Weihgesschenk, welches die Messenier und Naupaktier nach einem Siege über die Lakedamonier dem Zeus darbrachten, in der Altis von Olympia aufgestellt worden. In der Inschrift am Fuße des Sockels nennt sich als Künstler Paionios aus Mende. Die Nike stand auf einem dreieckigen Pfeiler von fast 9 m Höhe, der auf unserer in verkleinertem Maß- stabe hergestellten Nachbildung ebenfalls vor- handen ist. Um den Eindruck des Herabschwebens der Siegesgöttin vom Olymp zu verstärken, brachte der Bildhauer einen Adler an, der unter den Füßen der Nike vorbeifliegt. Der Adler war halb plastisch, halb in Malerei ausgeführt. Mit erstaunlicher Kühnheit ist das fliegende Gewand in Marmor dargestellt; es läßt sich denken, wie gewaltig das Kunstwerk auf die Besschauer gewirkt hat. Wenn Paionios auch der attischen Schule nicht angehört hat, so stand er ihr doch nahe, obwohl die Nike viel malerischer erfunden ist, als es im Stile der attischen Meister lag. Pausanias schrieb bekanntlich die Skulpturen im Osstgiebel des Zeustempels von Olympia gleichfalls dem Paionios zu. Ein Vergleich der Grüttner’ schen Nachbildung dieses Giebels, die wir besitzen, mit der Nike wird die Unwahrscheinlichkeit dieser Annahme erweisen. Eine erfreuliche Vermehrung der Kupferstich sammlung verdanken wir mehreren Freunden des Museums, denen auch hier der wärmste Dank aus- gesprochen werden saoll. Die Herren Senator H. Eschenburg und Dr. med. Struck schenkten: 1. Adolph Menzels Denkwürdigkeiten aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte. Es sind dies zwölf eigenhändige Steinzeichnungen des Meisters, und zwar Jugendarbeiten, die im Jahre 1836 erschienen und jetzt sehr selten ge- worden sind. Eine Folge von 47 Stichen nach Friedrich Overbeck. 72 Blätter aus Basedows Elementarwerk nach Daniel Chodowiecki’'s Kompositionen. Eine Sammlung von 120 Blättern verschiedener Meister, die hier nicht einzeln aufgeführt werden können. Es sei nur erwähnt, daß diese Sammlung Ar- beiten von Albrecht Dürer und seinen Nachfolgern, von J. E. Ridinger und andern Augsburger Stechern, von Dan. Chodowiecki und seinen Zeitgenossen und Stiche, Radierungen und Schabkunstblätter von Meistern der niederländischen, englischen und fran- zösischen Schule enthält. Eine ähnliche Sammlung (111 Blätter) verdanken wir der Güte des Herrn Kommerzienrats G. Pflüg. Auch diese enthält wertvolle Stiche, Radierungen und Schabkunstblätter älterer und neuerer Meister, die E s J
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