nbeckifcye Mnzeigen 
von allerhand Sachen, deren Bekanntmachung dem gemeinen Wefen 
nöchig und nüblich if 
Zwanjigftes Stück den 15. May 1784: 
Armen: Sachen. 
NW die in dem 16. und I7ten Stück diefer Anzeigen mitgetheilte Nachricht und den darin 
angefündigten Plan des Wiener Armen: Inftiuts gelefen hat, wird nunmehr von der 
Aoficht, Einrichtung und dem Nugen dergleıchen Anftalten fich einen vollftändigen Begriff machen 
fönnen, und wer die unfrige damit vergleichen will, wird zwirchen beiden in den Srundjagen 
gar feine, in deren Anwendung aber nur jolche Berfchredenheit bemerken, welche die fehr vers 
fhiedene Berfaflung beider Städte nothwendig macht, 
Diele wahren und unveränderlichen Srundfäge Haben vom Anfang diefer Anftalt an, unfere 
Bemühungen geleitet. Sotst hat fie, Dank fey femer Sure, bis daher gefegnet, und viele bekannte 
und unbekanıre MenfhHenfreunde Haben fie wohlthärig unterfiügt, Gott wird es ihnen verge!ten,. 
Schon über dreyhundert Hausarıne (deren Ehegatten und Kinder ungerehnet) empfangen nach 
dem möglichft genau abgemeffenen Verhältnis zhrer Dürftigkeit wöchentlich eine Deyhülfe von 
4 bie 16 Schillingen, die wir auc) bisweilen bey außerordentlihen vorübergehenden DBorfällen 
auf furze Zeit vermehren, Den Kranken und Bertlägerigen ift über diefes dasjenige, was man 
uns bisher für fie bejonders zugefandt hat, von unfern Mirgliedern felbft überliefert worden. 
Wir jparen Feine Mühe die Armen und ihre Noch genauer Fennen zu lernen, and vermehren 
oder vermindern das Alınofen, fo wie wir durch fortgefebte Sıfundigungen, unerwartete De: 
fhiefungen, und perfönliche Befuche in ihren Wohnungen ihren Zuftand immer zuverläßiger 
erfahren. Wir erkennen dabey dankbar die Bereitwilligkeit, womit die Herren Seiftlichen uns 
durch Ausfertigung der Zeugnife für die Arınen und fonft auf mancherley Weite bisher zu Dülfe 
gefommen find, und womir die Herven Borfteher einiger Stiftungen ung ihre Armen ; und Almorjens 
Verzeichniffe geneigt haben mittheilen wollen. Wir erfuchen beide um gütige Fortjesung Yhrer 
bisherigen Willfährigkeit, und andern, diefen rühmlichen Beyfpielen zu folgen, damit wir noch 
immer mehr in Stand gefeßt werden, das Bedürfnif der Armen richtiger zu beurıheilen, und 
einem jeden nach feinen Umftänden Gerechtigkeit wiederfahren zu laffen. 
Zur Ehre unferer Mitbürger bekennen wir mit Vergnügen, daß die wöchentliche Sammlung 
im Ganzen (ich noch nicht vermindert, und hoffen daß fie auch nicht abnehmen werde fo lange 
Sott diere gute Stadt und ihre SFinwohner für große Unglücksfälle bewahret, Aber wir können 
dabey auch nicht verhelen, baß die wöchentlichen Beyträge allein für fo viel Arıne nicht hinreichen 
würden, wenn die befonderen milden Gaben den Abgang bishiezu nicht erfeht hätten. 
Steichwohl Haben wir in der Zuverficht, daß diefe fortdauren, und daß mancher, den Sott 
mit zeitlichen @ütern oder reichlichem Erwerb fegnet, feinen Beytrag noch vermehren werde, e$ 
gewagt, etliche und vierzig Kinder, die fonft wegen Dürftigkeit ihrer Eltern ohne allen Unters 
richt aufwachlen würden, in Schulen zu (hicfen. : 
Wer wird nicht gerne dazu beytragen, den Hang zum Müßigsang und den Saamen des 
Lafters in den jungen Herzen frühe zu erftißen? dem Staat nüßlihe und chriftliche Einwohner 
zu erziehen? und dadurch die Zahl der Armen auf die Zukunft zu vermindern? Wer fühle niche 
fchon die aroße Erleichterung von der vorigen Betteley? und die Erfparung der ihHın noch vor 
wenigen Monathen täglich und tündlich abgepreßten Almofen? Wer wird nicht williger und reiche 
lidjer geben, wenn er gewiß weiß, daß er dem Hungrigen fein Drod bricht, als wenn ev beforgen 
anuß, daß ein überfatter Destler fein Alınofen verfhweiget?
	        

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